ThyssenKrupp
- Maximilian Völkl

ThyssenKrupp: Wenn Chaos zur Routine wird

ThyssenKrupp gerät immer mehr unter Druck. Das Führungschaos sucht seinesgleichen, in der Öffentlichkeit gibt der Industriekonzern inzwischen ein blamables Bild ab. Das Problem: Da die Eigentümer augenscheinlich selbst nicht wissen, in welche Richtung sich der Konzern bewegen soll, fällt die Suche nach einem neuen Aufsichtsratschef enorm schwer.

Nach wie vor führt der Gewerkschaftler Markus Grolms interimsmäßig das Kontrollgremium an. Eine Dauerlösung darf das nicht sein. Doch Namen aus der ersten Reihe wie Airbus-Chef Tom Enders, Lanxess-Boss Matthias Zachert oder der ehemalige Bayer-Chef Marijn Dekkers, die im Gespräch waren, sind nicht interessiert – und das ist nur ein Teil der Namen, die zuletzt kursierten.

Die Absagen sind nachvollziehbar, denn ohne den Rückhalt der Großaktionäre ist die Aufgabe, ThyssenKrupp umzubauen, kaum lösbar. Doch Cevian und die Krupp-Stiftung geben hier seit Monaten kein gutes Bild ab, sie sollen sogar eigenständig nach einem neuen Chefkontrolleur suchen. Zudem wird es mit jeder Absage schwerer, einen starken Kandidaten zu überzeugen, niemand will den Notnagel spielen. Immerhin: Für den Posten des Konzernchefs gilt Interimschef Guido Kerkhoff inzwischen durchaus als passabler Kandidat.

Problemsparte im Fokus

Turbulent zu geht es auch bei der Problemsparte Industrial Solutions. CEO Peter Feldhaus und Finanzchef Stefan Gesing wurden nun von ihren Posten entbunden. Die Leitung soll nun COO Marcel Fasswald übernehmen. Immerhin: Am Mittwoch verkündete Industrial Solutions einen 1,2 Milliarden Euro schweren Großauftrag des ungarischen Öl- und Gaskonzerns MOL für den Bau eines Chemiekomplexes.

Abwarten

Grundsätzlich ist die Bewertung von ThyssenKrupp attraktiv. Alleine das Aufzugsgeschäft sollte mehr wert sein als das Konglomerat in seiner jetzigen Form. Neueinsteiger machen dennoch einen Bogen um die Aktie. Das Führungschaos ist nicht mehr nachvollziehbar und schreckt Anleger ab. Es dürfte zudem zu lange dauern, um das Vertrauen zurückzugewinnen und eine zukunftsfähige Strategie auszuarbeiten.

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