ThyssenKrupp
- Markus Bußler - Redakteur

ThyssenKrupp: Das wird spannend

Die Aktie des Stahl- und Technologiekonzerns ThyssenKrupp hat zum Jahresauftakt deutlich zulegen können. Die Aussichten auf steigende Gewinne und einen Verkauf des brasilianischen Werks haben das Papier beflügelt. Dennoch dürfte es für Konzernchef Heinrich Hiesinger morgen ungemütlich werden.

Bei seiner dritten Hauptversammlung als Chef des Industriekonzerns ThyssenKrupp dürfte Heinrich Hiesinger erstmals stärker in der Kritik stehen. Der vorerst gescheiterte Verkauf des Krisen-Stahlwerks in Brasilien sowie die teilweise Rückabwicklung der längst erledigt geglaubten Trennung vom Edelstahlgeschäft haben dem Image des schwäbischen Hoffnungsträgers Kratzer zugefügt. Die Aktionäre erwarten an diesem Freitag in Bochum Erklärungen und hoffen zugleich auf neue Mutmacher im Überlebenskampf des hochverschuldeten Unternehmens. 

„Befreiungsschläge gibt es nicht“

Die Verteidigungslinie Hiesingers steht. Er bittet um Geduld. "Befreiungsschläge gibt es nicht", stellte er bei der Bilanz-Vorlage Ende November fest. Der Umbau des Konzerns mit über 150 000 Mitarbeitern werde "noch einige Zeit" in Anspruch nehmen. Er werde keine Dinge tun, die Werte vernichten. Zugleich wird Hiesinger auf seine Erfolge verweisen. So betont er seit langem, dass der Konzern im vergangenen Geschäftsjahr erstmals seit sechs Jahren nicht mehr ausgegeben als eingenommen habe. Zudem laufe das Sparprogramm besser als erwartet, und auch für die eigene Forschung und Entwicklung mache der Konzern mehr Geld locker. 


Ein bisschen Luft verschaffte sich ThyssenKrupp Anfang Dezember mit einer zehnprozentigen Kapitalerhöhung, die brutto knapp 900 Millionen Euro einbrachte. In der Folge stieg der Anteil des schwedischen Finanzinvestors Cevian auf knapp elf Prozent, während die Krupp-Stiftung ihre Sperrminorität von gut 25 Prozent verlor. Trotz des frischen Geldes bleibt die Eigenkapitalquote weiter die mit Abstand schwächste aller Industrieunternehmen im DAX.

Weiterer Spielraum

Um weitere Spielräume zu erhalten, sollen die Aktionäre neuen Finanzierungsoptionen zustimmen. So strebt das Unternehmen einen Beschluss an, mit dem es ohne neue Hauptversammlung eine Kapitalerhöhung um bis zu 25 Prozent durchziehen könnte. Dabei wären Bezugsrechte für Altaktionäre zum Teil wieder ausgeschlossen. Dies gilt auch für die Möglichkeit, Options- und Wandelschuldverschreibungen zu begeben. 

Obermann stößt auf Kritik

Kritik dürfte sich an der geplanten Wahl des früheren Telekom-Chefs Rene Obermann in den Aufsichtsrat entzünden. Die Fondsgesellschaft Union Investment hätte sich einen Industrieexperten gewünscht und kündigte an, Obermann nicht zu wählen. Allerdings hat sie nur einen verschwindend geringen Aktienanteil von 0,13 Prozent. Es wird damit gerechnet, dass die Beschlussvorschläge wie üblich mit großer Mehrheit angenommen werden. 

Keine Dividende

Mit Blick auf seine Unternehmensstrategie könnte es auch kritische Fragen zum Ausbau der Technologiesparte mit dem Großanlagenbau, dem Aufzugsgeschäft und dem Autozulieferbereich geben. Vielen geht dieser nicht schnell genug. Zudem müssen die Aktionäre nach dem dritten Milliardenverlust nacheinander erneut auf eine Dividende verzichten. Weiterhin schwebt die Sorge vor einer neuerlichen Kartellstrafe über dem Unternehmen. Der Konzern schließt "signifikante" Risiken nicht aus, hat allerdings nach eigenen Angaben bislang keine Anhaltspunkte gefunden, dass am Verdacht des Bundeskartellamts auf verbotene Absprachen im Geschäft mit Autostahl etwas dran sein könnte.

Dabei bleiben heißt derzeit die Devise für Aktionäre. Die Stimmung für Stahlaktien bessert sich gerade. Dies zeigt auch ein Blick in den MDAX. Dort konnten zuletzt Salzgitter und Klöckner & Co deutlich zulegen. Zudem dürfte auch ThyssenKrupp wieder in ruhigeres Fahrwasser zurückkehren.

(mit Material von dpa-AFX)

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