SYGNIS
- Marion Schlegel - Redakteurin

Sygnis – neuer deutscher Biotech-Star? Großes Experten-Interview

Die amerikanischen Biotechwerte haben es vorgemacht. Sie eilten in den vergangenen Wochen von einem Hoch zum nächsten. Ihre deutschen Pendants hinkten dagegen etwas hinterher. Doch auch hierzulande scheint jetzt der Boom angekommen zu sein. Zuletzt hat die Aktie von Sygnis bereits deutlich anzogen, doch dies könnte erst der Anfang einer länger andauernden Aufwärtsbewegung gewesen sein. Das Unternehmen ist in den rasant wachsenden Zukunftsmärkten Personalisierte Medizin und DNA-Sequenzierung tätig. DER AKTIONÄR hat mit dem GBC-Analysten Cosmin Filker über das Unternehmen und die Chancen gesprochen.

DER AKTIONÄR: Wie beurteilen Sie den Strategiewechsel von Sygnis?
Cosmin Filker: Der Strategiewechsel der SYGNIS AG mit dem aktuellen Schwerpunkt auf der Eigenvermarktung der Produktpipeline ist vor allem vor dem Hintergrund der Möglichkeit höhere Margen zu erzielen, sehr interessant. Denn im Rahmen der Eigenvermarktung müssen beispielsweise keine Ergebnisbestandteile an die Lizenzpartner abgegeben werden. Darüber hinaus können bei der Eigenvermarktung die Kundenansprache aktiver angegangen und damit die Umsatzpotenziale stärker ausgeschöpft werden. Für die Vermarktung der eigenentwickelten TruePrime-Produktlinie wurden dabei eine Reihe von Vertriebspartnerschaften im In- und Ausland geschlossen und damit bereits ein umfangreiches Distributionsnetzwerk geschaffen. Zusätzlich hierzu erfolgt eine direkte Kundenansprache auf Fachkonferenzen, auf denen die Meinungsführer aus dem Bereich der NGS-Bereich (Next Generation Sequencing) vertreten sind. Insgesamt kann also die SYGNIS AG bei der Eigenvermarktung den Produktvertrieb selbst gestalten und ist damit wesentlich weniger von den Vertriebsbemühungen der Lizenzpartner abhängig.

Welche Chancen sehen Sie für Sygnis, sich am Markt für personalisierte Medizin behaupten zu können?
Insbesondere das zunehmende Verständnis der genetischen Eigenschaften des menschlichen Körpers sowie das verbesserte Verständnis bei der Entstehung von Krankheiten, dürften dem Markt der personalisierten Medizin zu hohen Wachstumsraten verhelfen. Eines der Profiteure dieses Paradigmenwechsels werden die Anbieter von NGS-Lösungen sein, wie die SYGNIS AG. Mit ihrem bereits fertigentwickelten und marktfähigen Produktportfolio hat sich die SYGNIS AG schon frühzeitig in diesem Bereich positioniert und kann sich unseres Erachtens zu einem wichtigen Player am Markt der personalisierten Medizin sowie im allgemeinen NGS-Segment etablieren.

Was macht die TruePrime-Technologie so einzigartig?
Bei der TruePrime-Technologie wird die Amplifikation des gesamten Genoms bereits aus geringen Probemengen bis hin zu Einzelzellen ermöglicht. Zudem wird beim Einsatz der TruePrime-Technologie das Auftreten von Artefakten bei der Vervielfältigung von DNA deutlich verringert. Dies ist besonders dann ein Vorteil, wenn die verfügbaren DNA-Mengen nur gering sind oder sogar nur aus ein paar Zellen bestehen. TruePrime funktioniert dabei ohne synthetische Random Primer. Die Eigenschaften der TruePrime-Technologie machen das Produkt sehr attraktiv für eine ganze Reihe von Anwendungen in NGS sowie nachfolgender Analysen, vor allem in Life-Science-Bereichen wie Humangenetik, Onkologie, Diagnostik oder Pathologie, wo Forscher biologische Informationen aus kleinsten Probenmengen generieren müssen.

Welches Marktpotenzial sehen Sie für die TruePrime-Kits?
Mit einer geschätzten Wachstumsrate von über 23% in den kommenden Jahren gilt NGS heute als einer der wachstumsstärksten und lukrativsten Bereiche des Genomforschungsmarktes. Das globale Marktvolumen für NGS wird heute auf ca. $2,5 Milliarden geschätzt mit einem Potenzial von $8,7 Milliarden in 2020 (MarketsandMarkets, September 2014). SYGNIS adressiert mit ihren Produkten zusammen mit Wettbewerbern wie QIAGEN, General Electric und Sigma Aldrich ca. 40% dieses Marktes.

Worin besteht die weitere Fantasie bei der Aktie?
Der Fokus der Gesellschaft lag bisher auf der Entwicklung der Produktpipeline sowie auf der Markteinführung des ersten eigenen Produkt-Kits. Ebenfalls im Mittelpunkt standen die vorbereitenden Maßnahmen für den Vertriebsstart. Nachdem die Saat erfolgreich ausgebracht wurde, ist nun die Zeit für die Ernte gekommen. Wir rechnen mit ersten nennenswerten Produktumsätzen für das laufende Geschäftsjahr 2015 und gehen von einer allgemein sehr dynamischen Umsatzentwicklung aus. Im Rahmen der Eigenvermarktung ist dabei generell von einem hohen Rentabilitätsniveau auszugehen, so dass auch der Break-Even schnell erreicht werden dürfte. Die hohe Wachstumsdynamik, welche von hohen Ergebnismargen flankiert werden dürfte, sollten wichtige Impulse für eine positive Aktienkursentwicklung liefern.

Sehen Sie weiteren Kapitalbedarf für Sygnis?
Nachdem die SYGNIS AG Ende 2014 im Rahmen einer erfolgreichen Kapitalerhöhung einen Bruttoemissionserlös in Höhe von 4,95 Mio. € platziert hatte, hat sich die finanzielle Grundlage deutlich verbessert. Wir gehen davon aus, dass diese bis zum Erreichen des Break-Even ausreichen wird und damit kein weiterer Kapitalbedarf besteht.

Vielen Dank für das Gespräch.

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| Jochen Kauper | 0 Kommentare

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