Ströer
- Michael Schröder - Redakteur

Ströer bleibt im Fokus: Das sagen Analysten und BaFin zu der Attacke von Muddy Waters

Muddy Waters, ein als Short-Seller bekannter Investor, greift den MDAX-Konzern Ströer an. Der Aktienkurs stürzt ab. Der Vorstand des Werbespezialisten reagiert und widerspricht allen Vorwürfen. Analysten melden sich zu Wort und das BaFin prüft. Die Aktie zeigt sich derweil weiter extrem volatil.

„Aus unserer Sicht ist Ströer nicht das Unternehmen, wofür es der Markt anscheinend hält“. Mit diesen Worten schickten die Strategen von Muddy Waters Capital die Ströer-Aktie am vergangenen Donnerstag auf Talfahrt. Hinter Muddy Waters steckt der für seine Frontalangriffe bekannte Investor Carson Block. Gleichzeitig wurde angemerkt, dass der von Muddy Waters gemanagte Fonds eine Short-Position in Ströer hält, was zu Interessenskonflikten führen könnte.

Ströer stellte klar, das die Anschuldigungen „an den Haaren herbeigezogen und diffamierend“ seien. In einer ausführlichen Kommentierung wurde 15 einzelnen Vorwürfen widersprochen und diese detailliert richtig gestellt. Dabei wurde deutlich unterstrichen, dass alle von Muddy Waters abgeleiteten Schlussfolgerungen im Kern falsch sind.

Für Christoph Schlienkamp vom Bankhaus Lampe liegt das Hauptproblem in der Bilanz- und der Präsentationspraxis und den IFRS-Zahlen. „Man muss sehen, dass Ströer Prognosen auf Basis der operativen Zahlen ausgibt. Die unterscheiden sich von den Zahlen auf IFRS-Basis. Das liegt vor allem an den M&A-Aktivitäten und den Kaufpreisallokationen. Operative Zahlen sind immer höher als Zahlen auf IFRS-Basis. Für uns ist das aber eine adäquate Vorgehensweise, da sie einen besseren Blick auf die Geschäftsentwicklung ermöglichen und wir damit einen vernünftigen Schätzwert erhalten“, so der Chefanalyst gegenüber dem AKTIONÄR. „Insgesamt gibt es hier aber kein richtig oder falsch. Es ist alles eine Frage der Perspektive.“ Der Experte sieht den MDAX-Konzern operativ auf einem guten Weg und hält an seiner Kaufempfehlung fest.

Die Deutsche Bank hat die Einschätzung für Ströer nach einer Stellungnahme zur Kritik des Research-Dienstes Muddy Waters ebenfalls auf "Buy" mit einem Kursziel von 70 Euro belassen. Die Reaktion des Werbevermarkters auf die extrem negativen Vorwürfe sei detailliert und glaubwürdig ausgefallen, so Analyst Benjamin Kohnke. Auch wenn die Rechnungslegung von Ströer durchaus als "aggressiv" interpretiert werden könne, reflektiere das operative Ergebnis (EBITDA) vollständig die wirtschaftliche Realität und sei ein zuverlässiges Maß für die Bewertung der Aktie.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) erklärte auf Anfrage vom AKTIONÄR, dass man sich diesen Vorgang im Rahmen einer routinemäßigen Analyse anschaue, näheres zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht gesagt werden kann: „Sofern etwaig bestehende Interessenskonflikte zugleich mit der Veröffentlichung eines Gerüchts oder einer Stellungnahme zu einem Finanzinstrument in angemessener und wirksamer Weise veröffentlicht werden, ist das Eingehen einer Short-Position vor Veröffentlichung einer negativen Studie zunächst nicht zu beanstanden. Ob bestehende Interessenkonflikte tatsächlich in angemessener und wirksamer Weise offengelegt wurden, bedarf der Prüfung im Einzelfall“, so Pressesprecher Dirk Timmermann. 

Wie geht es weiter? Ströer hat im Vorfeld des anstehenden Kapitalmarkttages am kommenden Freitag (29. April) vorläufige Zahlen für das erste Quartal angekündigt und spricht von einem guten Start ins laufende Jahr. Von den 14 renommierten Analystenhäuser, die die Aktie laut Bloomberg covern, werden weitere ihre Einschätzung bestätigen. Muddy Waters-Hintermann Block kündigte seinerseits an, sich weiter mit Ströer zu beschäftigen. Wenn sich die erste Aufregung gelegt hat, könnte es also zu einer erneuten Attacke kommen.

Eine Einschätzung ist nicht leicht: Bis der Fall endgültig geklärt ist dürfte – wie auch das Beispiel Wirecard nach der Short-Attacke zeigt – noch einiges an Zeit vergehen. Bis dahin ist es fraglich, ob sich die Aktie weiter erholen kann. Die Volatilität wird in jedem Fall hoch bleiben.

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