- Michael Schröder - Redakteur

Stemmer Imaging: IPO mit Durchblick - Hintergründe und Kennzahlen im Überblick

Es tut sich was in Sachen Börsengänge: Vor drei Jahren war es der Kabelnetzbetreiber Tele Columbus, der am 23. Januar das IPO-Jahr im Prime Standard der Frankfurter Börse eröffnete. Im vergangenen Jahr wagte mit der Gaststättenkette Vapiano der erste Neuling erst Ende Juni den Gang aufs Parkett. Im noch jungen Jahr 2018 haben das Pharmaunternehmen Dermapharm und der Wohnungsprojektentwickler Instone Real Estate Group den Sprung auf das Parkett gewagt. Mit Stemmer Imaging steht der nächste Kandidat in den Startlöchern.

Die Aktien von Balser, ISRA Vision und Co haben ihren Wert in den letzten Jahren vervielfacht. Die Firmen sorgen dafür, dass in sämtlichen industriellen Herstellungsprozessen in Sachen Automatisierungstechnik und Qualitätssicherung alles nach Plan läuft. In Zeiten von Big Data, Digitalisierung und Industrie 4.0 boomende und branchenübergreifende Trendthemen.

Nun wagt mit der Stemmer Imaging ein weiterer Pionier der industriellen Bildverarbeitung den Gang an die Börse. Die Gesellschaft aus Puchheim bei München bietet ihren Kunden eine Kombination aus innovativen Produkten weltweit führender Hersteller, eigener Bildverarbeitungssoftware und umfassenden Service- und Beratungsleistungen. Um das Geschäft besser einzuordnen: Rein theoretisch könnte Stemmer Imaging Kameras von Basler als Händler anbieten und entsprechend komplett konfigurierte Systeme an ISRA Vision verkaufen. In der Praxis stehen andere Zulieferer und Kunden in den Büchern.

Der Markt für das „maschinelle Sehen“ (Machine Vision) wächst jährlich um rund zehn Prozent. Stemmer Imaging wächst schneller. Lag der Umsatz 2013 noch bei 57 Millionen Euro, wurden 2017 bereits rund 88 Millionen erlöst – dies entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von zwölf Prozent. Das EBITDA (bereinigt um einmalige Sondereffekte) konnte im gleichen Zeitraum im Durchschnitt um 15 Prozent pro Jahr gesteigert werden und lag im Vorjahr bei 7,6 Millionen Euro.

Im Rahmen einer Nachfolgeregelung hat Gründer Wilhelm Stemmer seine Firma 2017 an die Primepulse verkauft, die am Ende den Cancom-Gründern Kober und Weinmann zuzurechnen ist. Zum IPO sollen bis zu 1,5 Millionen Aktien aus einer Kapitalerhöhung platziert werden, weitere 1,49 Millionen Stücke will Großaktionär Primepulse abgeben. Mit dem Erlös dürfte vor allem das anorganische Wachstum vorangetrieben werden. Zudem sollen die Entwicklung neuer Produkte finanziert und die Geschäftsprozesse optimiert werden.

Die Zeichnungsfrist läuft vorraussichtlich noch bis zum 22. Februar. Bekommen die Experten von Hauck & Aufhäuser alle Papiere platziert, würde der Streubesitzanteil bei 46 Prozent liegen. Die Preisspanne beträgt 32 bis 36 Euro. Die angestrebte Wachstumsbeschleunigung und der Ausbau des höherwertigen Geschäfts sollten Umsatz und Gewinn stimulieren. Auf Basis der AKTIONÄR-Schätzungen liegt das 2019/20er-KGV zwischen 24 und 28.

Auch wenn damit wenig Spielraum für Zeichnungsgewinne gegeben ist, können Anleger die Aktie zeichnen oder mit der Handelsaufnahme im Scale-Segment am 27. Februar einen ersten Fuß in die Tür stellen.

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