ABB
- Maximilian Völkl

Siemens-Rivale ABB: Weltrettung mit 600 PS

Für Fans der laut röhrenden Porsche-Sportwagen steht die Welt 2019 Kopf: Dann saust der Taycan schnell wie gewohnt – doch komplett leise – aus den Startlöchern. Auch das US-Magazin Fortune staunt über die großen Veränderungen – und hat ABB in die Top 10 des „Change the world“-Rankings gehoben.

Denn den Energiedurst löscht Porsche in Rekordgeschwindigkeit per 350-kW-Schnelllader – mehr als doppelt so stark wie die Supercharger von Tesla. Dafür sorgen neue Ladestationen, die Ionity – ein Joint Venture mehrerer Autobauer – großteils von ABB einkauft. Ein Ionity-Sprecher bestätigte dem aktionär: „Unser Ziel ist, bis 2020 400 Ladestationen in 24 Ländern in Europa zu bauen. Jede Station ist mit bis zu sechs Ladesäulen ausgestattet. Jede Ladesäule ist in der Lage, bis zu 350 kW zu liefern.“ Ein großes Geschäft. Pro Station wird mindestens eine sechsstellige Summe von Ionity investiert.

E-Mobilität: Enormes Wachstum

Neben dem Geld geht es bei ABB auch um Visionen und den Anspruch, die Welt zu verändern. 7.000 umweltfreundliche Ladestationen haben die Schweizer bereits installiert, was seit 2015 zweistellige Wachstumsraten ermöglicht. Und die Zukunft ist rosig. Die Anzahl der Schnelllader wird sich bis 2030 vervielfachen und Marktführer ABB auch dank der Kooperation mit Electrify America – als Ladenetz-Investor das Pendant zur deutschen Ionity – großen Anteil daran haben.

Rechnet man mit rund 30.000 Euro, die eine Turbo-Ladesäule von ABB kostet, haben diese bislang einen Umsatz von 210 Millionen Euro eingebracht. Wenn sich der Markt bis 2030 mehr als verzehnfacht, winken Milliardenerlöse. Doch der Verkauf ist nur die Spitze des Eisbergs: Denn durch das eigene Stromnetz sowie die lukrativen Wartungs- und Servicegebühren profitiert ABB nicht nur vom einmaligen Aufstellen der Säulen, sondern vom gesamten Ladezyklus.

Roboter: Viel Dynamik

Neue Elektrorenner wie der Porsche treffen zudem bereits bei der Entstehung auf ABB – riesige Roboter der Schweizer fügen die Autos zusammen. Der Bedarf nach smarter, effizienter Roboterfertigung boomt. Im Q2 betrug das Umsatzwachstum hier elf Prozent. Zudem ist ABB der einzige Konzern, der die gesamte Palette der Industrie 4.0 von automatisierten Fa­briken bis hin zum Roboterbau abdeckt.

Dank Elektro-Infrastruktur und Roboter-Know-how wächst ABB schneller als die Rivalen Siemens und GE. Diese weisen zwar ähnlich hohe Dividendenrenditen und ein günstigeres KGV auf, Anleger suchen die Wettbewerber jedoch vergeblich auf der „Change the world“-Liste.
Nicht zu vergessen ist auch die immer wieder aufflackernde Abspaltungsfantasie. So könnten die Stromnetze verkauft oder an die Börse gebracht – und somit neue Werte gehoben werden.

Bereit für die Zukunft

Elektromobilität, Roboter und Indus­trieautomation: ABB ist bestens gerüstet für die Megatrends der Zukunft. Dies sollte sich bald auch in noch besseren Zahlen widerspiegeln. Schon jetzt liegt die Dividendenrendite bei über drei Prozent. ABB macht die Welt ein wenig besser – ihr Depot inklusive.

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