Siemens
- Thomas Bergmann - Redakteur

Siemens krempelt Konzern um - Aktie bald dreistellig?

Konzernchef Joe Kaeser will Siemens tiefgreifend umbauen. Das Programm "Vision 2020" sieht die Auflösung der vier Sektoren Energie, Industrie, Medizintechnik sowie Infrastruktur und Städte vor und die Bündelung des Geschäfts in nur noch neun statt bisher 16 Sektoren. Das teilte das Unternehmen am Dienstagabend nach einer Aufsichtsratssitzung in München mit. Außerdem wechselt die Shell-Managerin Lisa Davis nach einer Übergangszeit in den Siemens-Vorstand.

IPO der Hörgeräte

Gleich zwei Änderungen gibt es in der Medizintechnik: Das Geschäft für Hörgeräte will Siemens ausgliedern und an die Börse bringen. Der Rest der Sparte bleibt zwar im Konzern - soll aber von Oktober an eigenständig außerhalb der neun Divisionen geführt werden und damit unabhängig vom Organisationsaufbau des restlichen Konzerns. Damit soll das Geschäft, das inhaltlich ohnehin Überschneidungen mit den übrigen Feldern hatte, flexibler werden.

Als Basis der Neuordnung hat Siemens vielversprechende Wachstumsfelder identifiziert. "Die Siemens AG wird sich künftig entlang der Elektrifizierung, Automatisierung und Digitalisierung aufstellen", hieß es in einer Mitteilung. Bei ihrer Sitzung segneten die Aufseher auch den Kauf des Gasturbinen- und Kompressorengeschäfts von Europas größtem Flugzeugtriebwerkhersteller Rolls-Royce für umgerechnet rund 950 Millionen Euro ab. Damit stärke Siemens die Position in der wachsenden Öl- und Gasindustrie sowie auf dem Gebiet der dezentralen Energieversorgung, hieß es.

Eine Miliarde an Einsparungen

Kaeser will das Unternehmen schlanker und schlagkräftiger und so fit für den Wettbewerb machen. Schon länger hinkt Siemens nämlich bei der Rendite dem US-Rivalen General Electric hinterher. Weil etwa Bereiche wie Personalwesen oder Kommunikation dann gestrafft und zentral geführt werden können, sollen die Kosten bis Herbst 2016 um eine Milliarde Euro sinken.

Neuer Impulsgeber

Das Maßnahmenpaket, das Kaeser umsetzen will, erscheint schlüssig und dürfte die Ertragskraft des Elektrokonzerns deutlich stärken. Auch die Aktionäre werden wahrscheinlich die "Vision 2020" gutheißen. Werden die Zahlen gut, die am noch am Mittwoch bekannt gegeben werden, sollte die Siemens-Aktie bald wieder dreistellig sein.

(Mit Material von dpa-AFX)

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