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- Thomas Bergmann - Redakteur

Siemens: EU untersagt Bahnfusion - Aktie fällt

Zwar gehen die jüngsten Kursverluste zu großen Teilen auf das Konto der Dividendenausschüttung, nichtsdestotrotz sieht Siemens unter charttechnischen Gesichtspunkten bescheiden aus. Hinzu kommt das mehr oder weniger zu erwartende Ende der Fantasie um eine Fusion der Bahnsparte mit Alstom. Die EU-Kommission hat heute offiziell ihr Veto eingelegt.

Die EU-Wettbewerbshüter untersagen die geplante Bahn-Fusion von Siemens und dem französischen Konkurrenten Alstom. Das Großprojekt eines "Airbus für die Schiene" ist damit gescheitert. Der ICE-Hersteller Siemens und der TGV-Bauer Alstom wollten bekanntlich ihre Bahnsparten zusammenlegen, um zu Europas größtem Produzenten aufzusteigen und vor allem im internationalen Wettbewerb - etwa mit China - zu bestehen.

Die EU-Kommission hatte jedoch erhebliche Bedenken, dass sich der Zusammenschluss negativ auf den Binnenwettbewerb in Europa und letztlich auch auf die Verbraucher auswirken würde. EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager sah das Vorhaben bereits in den vergangenen Wochen äußerst kritisch. Sie verlangte von Siemens und Alstom unter anderem weitreichende Veräußerungen bei der Signaltechnik sowie langjährige Lizenzierungen von Technik für Hochgeschwindigkeitszüge.

Ende Januar legten die beiden Unternehmen noch einmal in einem ungewöhnlichen Schritt Zugeständnisse nach. Da wurde jedoch bereits gemutmaßt, dass diese möglicherweise nicht ausreichen könnten. Die Bundesregierung und auch die französische Regierung hatten sich sehr für den Deal starkgemacht. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hatte etwa gefordert, es müsse europäische "Champions" in der Industrie geben, um mit China und den USA konkurrieren zu können. Ähnlich hatte sich Frankreichs Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire geäußert. Altmaier brachte auch Änderungen am EU-Wettbewerbsrecht ins Spiel.

Siemens-Chef Joe Kaeser hat die Ablehnung der geplanten Fusion bedauert. "Wir nehmen die Entscheidung der Kommission zur Kenntnis, die einen Schlusspunkt hinter ein europäisches Leuchtturmprojekt setzt", teilte er mit.

Dividende kein Trost für Aktionäre - Aktie im Abwärtssog

3,80 Euro pro Aktie hat der Siemens-Konzern an seine Aktionäre ausgeschüttet. Ein schwacher Trost, wenn man sich die Performance der vergangenen zwei Jahre betrachtet. Im Februar 2017 notierte die Aktie noch bei rund 115 Euro, heute sind es etwa 20 Euro weniger. Der Abwärtstrend, der im Frühjahr 2017 einsetzte, könnte sich bald sogar beschleunigen.

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Im Bereich von 95 Euro verläuft eine wichtige technische Unterstützung. Wird diese gebrochen, lässt sich bis 87,50 Euro keine nennenswerte Unterstützung ausmachen. Das entspräche einem abermaligen Verlust von acht Prozent.

Die Aktie sollte daher schleunigst den Gang nach oben antreten und zumindest die 100-Euro-Hürde meistern. Ein Befreiungsschlag wäre aber erst mit dem Sprung über die 200-Tage-Linie bei 107,59 Euro errecht.

Ruhe bewahren!

Wie berichtet, drängt sich bei Siemens ein Kauf zurzeit nicht auf. Zusätzliche Gefahr geht von der Charttechnik aus. Im Moment heißt es einfach: "Ruhe bewahren!" Das Veto der EU-Kommission trägt ebenfalls keinen positiven Impuls bei.

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