Siemens
- Maximilian Völkl

Siemens: Hier droht der große Knall

In Frankreich mehren sich die Anzeichen, dass die große Zugfusion zwischen Siemens und Alstom platzen könnte. Laut Zeitungsberichten seien die Bedenken der EU-Kommission tatsächlich zu groß. Neu ist: Angeblich soll sich die Bestürzung bei Alstom über ein mögliches Scheitern des Deals in Grenzen halten.

Bis spätestens 18. Februar will Brüssel entscheiden, ob die Fusion genehmigt wird. Bereits seit Monaten gibt es Spekulationen, dass kein grünes Licht erteilt wird. Die Zeitungen Les Echos und L’Est Républicain haben diese Gerüchte nun neu angeheizt. Demnach sei eine Absage für Alstom aber „keine Katastrophe“. Vielmehr fühle sich der Konzern stark genug, um auf eigenen Beinen zu stehen.

Auch Teilen der französischen Politik könnte das Veto aus Brüssel in die Karten spielen, heißt es in der FAZ. Denn die Fusion werde in Frankreich als Ausverkauf an Siemens verstanden, da der DAX-Konzern die knappe Mehrheit halten soll. Durch die Gelbwesten-Proteste seien jegliche Liberalisierungsschritte ohnehin nicht gern gesehen.

Unverständliche Entscheidung

Die Kritik an der EU-Kommission reißt dennoch nicht ab. „Das europäische Wettbewerbsrecht ist obsolet. Es ist im 20. Jahrhundert entstanden und ist heute mit den Industriegiganten des 21. Jahrhunderts konfrontiert. Es erlaubt Europa nicht, seine eigenen industriellen Champions aufzubauen“, klagte der französische Finanzminister Bruno Le Maire laut FAZ im französischen Radio.

Das Problem: Die EU sieht den chinesischen Weltmarktführer CRRC nicht als Konkurrenten, da dieser in Europa bislang noch schwach ist. Doch das wird sich ändern. „CRRC gewinnt in den Vereinigten Staaten fast alle Ausschreibungen im Bahnbereich und Stadtverkehr“, so Le Maire. Und auch in Europa dürfte der Zugriese bald groß angreifen.

Abwarten

Ohne Fusion droht Europa den technologischen Anschluss zu verlieren. Doch die EU wird deshalb nicht einlenkten, Siemens muss entweder weitreichende Zugeständnisse machen oder den Rückschlag hinnehmen. Für die Zukunft des Konzerns spielt die Mobilitätssparte neben Digitaler Fabrik oder Intelligenter Infrastruktur aber ohnehin nur eine untergeordnete Rolle. So oder so: Aktuell sollten Anleger bei Siemens an der Seitenlinie bleiben und auf neue Impulse warten.

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