SGL Carbon
- Jochen Kauper - Redakteur

SGL Carbon:BMW-i3-Phantasie treibt die Aktie

Durch den Einsatz von Carbon wird das Gewicht von Flugzeugen und Autos verringert. Sehr früh hat SGL Carbon die Kapazitäten nach oben gefahren. Jedoch entwickelte sich die Nachfrage nach dem High-Tech-Produkt nicht wie erwartet. Überkapazitäten auf dem Gesamtmarkt waren die Folge. „Es ist symptomatisch für neue Technologien. Wenn neue Technologien erfunden werden, so werden schnell Kapazitäten aufgebaut“, sagt Analyst Marc Gabriel vom Bankhaus Lampe die Strategie.

In den traditionellen Geschäftsfeldern lief es für SGL zuletzt eher holprig. Gegenwind gab es zuletzt in allen Geschäftsbereichen: Bei Graphitelektroden etwa, wie sie in der Elektrostahlherstellung verwendet werden, sind die Preise wegen eines Überangebots auf dem Stahlmarkt unter Druck. Im Geschäft mit Graphitspezialitäten schwächelt die Nachfrage bei den Kunden aus der Solar-, Halbleiter- und LED-Industrie. „Die Stahlmärkte sich im Umbruch befinden und nach der Krise 2008/09 die Preise für Graphitelektroden bedingt durch Überkapazitäten im Weltmarkt zurückgekommen sind. Aus der Aluminiumindustrie kamen kaum Impulse“, sagt Gabriel. Ergebnis: Trotz stabiler Umsätze von knapp 1,7 Milliarden Euro stürzte der Gewinn von SGL Carbon ab. Nach knapp 93 Millionen Euro im Jahr 2012 erwartet Analyst Gabriel 2013 ein Minus von 150 Millionen Euro.


Doping für die Zahlen
Das Sparprogramm „SGL2015“ soll die Wende bringen, 150 Millionen Euro will SGL den Gürtel enger schnallen. Ein Werk in Kanada wurde bereits dicht gemacht. „SGL hat in den guten Jahren bis 2008 einiges an "Speck" angesetzt, was nun wieder verschlankt werden soll. Mit etwas Glück stellen sich bereits 2014 erste nennenswerte Erfolge ein“, sagt Experte Gabriel. Zudem setzt die Börse durch den Vorstandswechsel zum 1. Januar auf neue Impulse. „Einen Vorteil bei Kapitalanlegern dürfte Jürgen Köhler haben, da Robert Koehler bei einigen Investoren mit seiner direkten Art auch schon mal "verbrannte Erde" hinterlassen hat“, so Gabriel.

Perfekt zum herumstromern
BMW-Chef Norbert Reithofer hat SGL Carbon bereits vor vier Jahren mit ins Boot geholt. Beide Konzerne gründeten ein Joint-Venture, damals mit 92 Millionen Euro ausgestattet. Wackersdorf ist einer der beiden Standorte von SGL Automotive Carbon Fibers, der Gemeinschaftsfirma von BMW und SGL Carbon. Das zweite Werk steht in Moses Lake in den USA. Dort werden so genannte Carbonfaser-Matten geformt. Insgesamt rund 3.000 Tonnen pro Jahr. Das sind immerhin knapp sieben Prozent der gesamten Weltnachfrage! Anschließend gehen die Carbofaser-Matten ins BMW-Werk Landshut, die fertigen Karosserieteile dann nach Leipzig, wo sich die Endmontage des i3 befindet. BMW hätte den i3 und den i8 ohne einen kompetenten Partner entwickeln können. SGL liefert Teile für die Carbonkarosserie der neuen Elektroautos i3 und i8.



Netter Aktionärskreis
SGL ist in einer hervorragenden Ausgangsposition. Dank des Sparprogramms sowie der zu erwartenden guten Entwicklung im Segment der Carbonfasern, wird sich der Gewinn in den nächsten Jahren positiv entwickeln. Zudem hat die Technologie von SGL viele prominente Ankeraktionäre angelockt. So ist die Milliardärin Susanne Klatten über Ihre Beteiligungsfirma SKion mit rund 28 Prozent beteiligt. Dass die Technologie von SGL Carbon heiß begehrt ist, zeigt die Tatsache, dass sich der Volkswagen-Konzern still und leise 9,9 Prozent der Anteile gesichert und dadurch fast einen handfesten Krach mit BMW riskiert hat. BMW hält 15,9 Prozent. Zu diesem auserlesenen Aktionärskreis gesellte sich zuletzt noch der mit der VW-Gruppe freundschaftlich verbundene Anlagenbauer Voith (9,1 Prozent). „Wir erwarten einen stabilen Aktionärskreis. Die Autokonzerne BMW und VW haben sich mit Ihrem Einstieg so positioniert, dass die umfangreichen Technologien der SGL Group in deutschen Händen bleibt. Neben der Carbonfaser gibt es zudem auch noch andere Themen (zum Beispiel Batterietechnik). Kaum auszudenken, wenn das Know-how in Asien gelandet wäre“, so Gabriel.



Kaufen
Die Aktie von SGL Carbon ist sicherlich nicht billig. Dennoch: Der Anleger kauft eine Firma mit einer hervorragenden Technologie und einer aussichtsreichen Marktstellung ins Potfolio.


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