Einhell Germany Vz
- Michael Schröder - Redakteur

Scharfes Teil: Einhell überzeugt auf allen Ebenen - daraum sollten nicht nur Hobby-Handwerker zugreifen

Einhell überzeugt mit einer starken Wachstumsdynamik und deutlichem Margenpotenzial. Bleibt die Nachfrage nach der Power-X-Change-Reihe, dürfte die Aktie ihren Aufwärtstrend nicht nur fortsetzen, sondern sogar noch weiter beschleunigen. Daher ist es für Anleger mit Weitblick noch nicht zu spät, ebenfalls einen Umdenkprozess einzuleiten – und bei der Aktie zuzugreifen.

Viele Heimwerker können sich noch gut erinnern. Vor rund fünf Jahren verschwand die Baumarktkette Praktiker von der Bildfläche. Die Pleite war nicht nur für die Investoren sehr schmerzhaft. Auch die Kunden und Zulieferer litten und mussten zum Teil kräftige Einbußen hinnehmen. „40 bis 50 Millionen Euro Umsatzverlust, nur weil der Kunde auf einmal weg ist, das muss man erst einmal kompensieren“, so Jan Teichert gegenüber dem AKTIONÄR. „Doch die Pleite hat bei Einhell auch einen Umdenkprozess eingeleitet, bei dem viele Veränderungen angestoßen wurden“, legt der Einhell-Finanzvorstand nach. Der Anbieter von Motorwerkzeugen und Gartengeräten für den privaten Konsumenten erkannte, dass die Praktiker-Lücke nicht über das klassische Baumarktgeschäft geschlossen werden kann. Einhell hat damals vor allem seine Aktivitäten im Bereich Digitalisierung und E-Commerce forciert. „Von Marketing über den Vertrieb bis hin zur Auswertung von Käufen und dem Tracking von Online-Aktivitäten: Wir haben einiges verändert, uns hier in den letzten Jahren extrem gut aufgestellt und sind den Wettbewerbern einen Tick voraus“, so Teichert. „Ich habe uns noch nie so gut aufgestellt gefühlt wie heute!“

 

Ein Blick auf die Entwicklung in den letzten drei Quartalen zeigt, dass Einhell in jedem Quartal rund 140 Millionen Euro Umsatz gemacht hat. Auch beim Ergebnis vor Steuern (EBT) freut sich der Finanzchef über eine ausgeglichene Verteilung von jeweils rund zehn Millionen Euro und damit über eine starke Rendite von sieben Prozent.

Anders als in der Vergangenheit verfügt das Geschäft nicht mehr über eine große Saisonalität durch die heimische Gartensaison. Dank der erfolgreichen Internationalisierung und einer mittlerweile breiten Aufstellung auch in Ländern auf der südlichen Halbkugel wie Australien und Südamerika freut sich Einhell das ganze Jahr über eine konstante Nachfrage. Das führt zu einer guten und damit effizienten Auslastung der Lieferanten und Fabriken.

Einhell generiert die größten Umsätze zwar noch immer in Deutschland, Österreich und der Schweiz (DACH-Region), die Erlöszuwächse in Höhe von 13,4 Prozent konnten in den ersten neun Monaten 2017 allerdings über alle Regionen hinweg verzeichnet werden. „Das zeigt, dass das Sortiment passt und wir Marktanteile in wichtigen Märkten gewinnen“, so Teichert. Im selben Atemzug hebt der Finanzchef das breite Wachstum in allen Vertriebskanälen hervor – vom Baumarkt (Umsatzanteil: 54 Prozent) über den Fachhandel (15 Prozent) bis zum E-Commerce-Geschäft (12 Prozent). Aus dem Discount-Handel zieht sich die Gesellschaft dagegen mehr und mehr zurück und will den Anteil von bislang 14 Prozent auf rund sechs Prozent reduzieren.

Die Produktion der Werkzeuge ist an externe Fabriken nach China ausgelagert, die am Ende unter der Marke Einhell und als Eigenmarken der Händler vertrieben werden. Mit einem hohen Fokus auf Qualität und After-Sales-Service setzt sich die Gesellschaft von Niedrigpreisanbietern ab. Gleichzeitig kann sich Einhell durch deutliche Preisabschläge bei vergleichbarem Qualitätsniveau gegenüber Top-Marken wie Bosch oder Black & Decker differenzieren. Die Wahrnehmung – vor allem in der DACH-Region – ist zwar noch ein Stück weit eine andere. Hier ist allerdings ein nachhaltiger Trendwechsel spürbar, der durch gezielte Marketingmaßnahmen begleitet wird.

Ein weiterer Wachstumstreiber ist die Power-X-Change-Produktreihe für den beliebten Markt der kabellosen Elektrowerkzeuge. Das Kernelement dieses Konzepts ist eine Masterbatterie, die in verschiedenen Geräten wie Bohrhammer, Kreissäge, Winkelschleifer, Heckenschere oder Rasenmäher eingesetzt werden kann.

Das bietet dem Endverbraucher bei seiner Arbeit deutlich mehr Freiheit und Zusatznutzen – und sorgt am Ende für eine deutlich höhere Kundenbindung. Denn hat ein Heimwerker erst einmal einen Akku gekauft, wird er bei seiner künftigen Geräteauswahl natürlich immer wieder auf Produkte aus der Power-X-Change-Reihe zurückgreifen.

Passend dazu soll die Gerätezahl auf dieser Plattform von aktuell 40 in den kommenden drei Jahren auf bis zu 80 verdoppelt werden. Die Margen bei den Batterien sind dabei deutlich niedriger als bei den Geräten, bei denen eine ähnliche Marge wie mit kabelgebundenen Werkzeugen erzielt werden kann.

Für Vorstand Teichert ist Power-X-Change ein echter Gamechanger. Zum Jahreswechsel wurde die Zahl von drei Millionen verkauften Akkus bereits überschritten. Das vor zwei Jahren definierte Ziel, bis 2020 sechs Millionen Akkus abzusetzen, sollte also deutlich schneller erreicht werden. „Das läuft richtig gut“, so Teichert. Wurden im Jahr 2016 mit den Power-X-Change-Geräten 45 Millionen Euro umgesetzt, dürfte sich dieser Wert im abgelaufenen Jahr bereits auf rund 90 Millionen Euro verdoppelt haben. Auf eine Prognose für die kommenden Jahre wollte Teichert sich nicht festlegen, ein anhaltender Anstieg der Absatzzahlen ist aber wahrscheinlich.

Die zuletzt auf 33,8 Prozent gestiegene Rohertragsmarge dient als guter Indikator für die Attraktivität von Einhells Produktpalette und die gestiegene Markenbekanntheit.

Der Einhell-Konzern erzielte im abgelaufenen Geschäftsjahr nach vorläufigen einen Umsatz in Höhe von 553 Millionen Euro (Vorjahr: 487,2 Millionen Euro) im Vorjahr. Dies entspricht einer Steigerung von rund 13 Prozent. Die Effekte aus der Entkonsolidierung der verkauften Tochter Einhell Brasilien sind hier bereits berücksichtigt. Unterm Strich dürfte sich der Gewinn je Aktie im Jahr 2017 damit auf 5,75 Euro mehr als verdoppelt haben. Für das Geschäftsjahr 2018 plant der Einhell-Konzern eine Steigerung der Umsätze auf rund 600 Millionen Euro, bei einer Rendite vor Steuern von 6,5 bis 7,0 Prozent.

Für 2018 und 2019 ergeben sich neben weiterem Umsatzwachstum zusätzliche Effekte, die auf eine erneute Steigerung der EBT-Marge deuten. „Zum einen ist das Ergebnis 2017 durch erhebliche Einmalaufwendungen wie die Earn-Out-Anpassung der Akquisition der australischen Tochter Ozito und den Verkauf der brasilianischen Tochtergesellschaft geprägt“, heißt es bei Warburg Research. „Zum anderen werden die Abschreibungen aus Kaufpreisallokationen (PPA) im kommenden Jahr auslaufen. Außerdem soll der EBT-Beitrag der Elektrowerkzeugzubehör-Tochter kwb steigen“, so die Analysten weiter.

Die wegfallenden Sonderbelastungen und die im Jahr 2019 komplett auslaufenden PPA-Abschreibungen sollten einen spürbaren Effekt auf das Ergebnis je Aktie haben. Für 2018 und 2019 erwartet DER AKTIONÄR einen Umsatzanstieg von 6,7 und 6,1 Prozent.

„Wir blicken extrem zuversichtlich in die Zukunft“, so Teichert. Mittelfristig will der Finanzchef den Umsatz bis 2022 in Richtung 700 Millionen Euro plus X treiben. Daraus resultiert ein durchschnittliches jährliches Wachstum von 5,0 Prozent. Neben organischem Wachstum wird dazu eine Fortsetzung der Expansion in Länder wie Schweden, Dänemark und Finnland sowie die USA und Mexiko geprüft – mittels Akquisitionen oder in Form von Partnerschaften.

Mit der breiten Produktpalette samt dem Power-X-Change-Konzept und einer klaren Positionierung ist Einhell zudem für weitere Marktanteilsgewinne gut gerüstet. Ein noch weiter verbesserter Produktmix und ein rückläufiger Anteil des Geschäfts mit Discountern sollten sich dabei weiter positiv auf die Rohertragsmarge auswirken. Abgerundet wird das positive Bild durch eine zunehmende Präsenz im Bereich Social Media, die fortgeschrittene Digitalisierung und das starke Wachstum im E-Commerce. Ebenfalls positiv: Das starke Gewinnwachstum sollte zu einer Dividendenerhöhung führen.

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