Salzgitter
- Markus Bußler - Redakteur

Salzgitter: Die Bäume wachsen nicht in den Himmel

Deutschlands zweitgrößter Stahlhersteller Salzgitter sieht seine Branche nach hohen Verlusten an einer Talsohle angelangt. Diverse Unsicherheiten deuteten aber weiter daraufhin, dass eine spürbare Belebung mit wieder anziehenden Preisen noch lange auf sich wartenlassen dürfte. „So weit ist es noch nicht. Das wird günstigstenfalls noch drei Jahre dauern“, sagte Salzgitter-Chef Heinz Jörg Fuhrmann am Donnerstag bei der Hauptversammlung in Braunschweig. 


„Mit anziehender Konjunktur - und danach sieht es ja derzeit aus - sollten sich die Rahmenbedingungen für den Stahlmarkt peu à peu verbessern und damit auch die Möglichkeiten zur Preisgestaltung“, sagte der Vorstandsvorsitzende. Zudem hätten schon einige Hersteller begonnen, darunter Weltmarktführer ArcelorMittal , Kapazitäten aus dem Markt zu nehmen. „Das alles reicht aber auf kurze Sicht noch nicht aus, um die Balance im Markt wieder ins Gleichgewicht zu befördern.“ 


Trendwende steht an

Absehbar sei jedoch, dass es perspektivisch wenigstens nicht weiter nach unten gehe. Die Trendwende stehe an. "Wenn man optimistisch ist, könnte man konstatieren, dass zumindest die Preiserosion inzwischen weitgehend gestoppt zu sein scheint", sagte Fuhrmann den Aktionären. 

Ukraine bereitet Sorgen

Sorgen bereitet ihm der schwelende Konflikt in der Ukraine. Er könnte unter ungünstigen Umständen den Preiskampf erneut anheizen. Das Land gehöre zu den Top-Ten der weltgrößten Stahlproduzenten, verbrauche aber selber nur 6 seiner 33 Millionen Jahrestonnen. Der Rest gehe zu einem Großteil bisher nach Russland. „Ob sich das so fortsetzt, ist zumindest zweifelhaft“, sagte der Konzernchef. „Hinzu kommt, dass die EU ab Mai 95 Prozent der Zölle auf ukrainische Produkte einseitig abgeschafft hat. Das gilt auch für Stahlerzeugnisse.“ Es sei also zu befürchten, dass große Volumina günstiger Stahl aus der Ukraine in der EU als neue Konkurrenz hinzukommen - mit entsprechenden Folgen. 

EU-Märkte geben nach
Fuhrmann betonte, dass Deutschland eine positive Ausnahme bilde. „Isoliert betrachtet haben wir kein Problem.“ Doch Deutschland mit seinen 42 Prozent Anteil am Konzernumsatz sei eben kein Maß, „weil die übrigen EU-Stahlmärkte um uns herum auf unter 70 Prozent des Volumens vor Beginn der Krise gesunken sind“, sagte der Manager. 

Gewinnschwelle in Sicht
Der Salzgitter-Konzern schrieb 2013 unter dem Strich fast eine halbe Milliarde Euro Verlust. Vor Steuern soll das Unternehmen dieses Jahr an die Gewinnschwelle stoßen. Das erste Jahresviertel brachte unterm Strich mit 13,3 Millionen Euro Verlust bereits Verbesserungen im Vergleich mit dem Vorjahr. Auch bei Branchenprimus ArcelorMittal geht es nach jahrelanger Talfahrt langsam aufwärts und ThyssenKrupp , hierzulande vor Salzgitter Nummer eins, schloss zuletzt erstmals seit rund zwei Jahren sogar wieder ein Quartal mit schwarzen Zahlen ab.

DER AKTIONÄR bleibt bei seiner positiven Einschätzung. Allmählich kämpft sich die Stahlbranche aus der Krise. Bis jedoch Preise vom Vorkrisenniveau erreicht werden, dürfte noch einige Zeit vergehen. Das Kursziel von Goldman Sachs von 40,00 Euro auf Sicht von zwölf Monaten erscheint realistisch.

(mit Material von dpa-AFX)

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| Thomas Bergmann | 0 Kommentare

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