RWE
- Nikolas Kessler - Redakteur

Schicksalstage bei RWE: Aufsichtsrat berät über Konzernumbau

In der kommenden Woche berät der Aufsichtsrat von RWE über einen tiefgreifenden Konzernumbau – und damit womöglich über die Zukunft von Deutschlands zweitgrößtem Energieversorger. Auch die Veröffentlichung des Quartalsberichts steht an. Es wird also spannend.

Nach Einschätzung von Experten dürfte sich der Abwärtstrend im Tagesgeschäft bei RWE weiter beschleunigt haben. Angesichts des Booms der erneuerbaren Energien leidet der Versorger seit Längerem unter dem deutlichen Einbruch der Großhandelspreise für Strom. Société-Générale-Analyst Lüder Schumacher rechnet deshalb mit einem Rückgang des Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) um 5,3 Prozent auf 3,25 Milliarden Euro.

Unter dem Strich dürfte sich der Gewinn zwar auf gut zwei Milliarden Euro verdoppelt haben. Grund dafür sei aber ein Sonderertrag aus dem milliardenschweren Verkauf der Öl- und Gasfördertochter Dea im ersten Quartal. Bereinigt um solche Einmaleffekte dürfte der Überschuss gerade einmal stabil geblieben sein, im zweiten Quartal dürften unterm Strich sogar rote Zahlen stehen.

Entscheidung über Umbaumaßnahmen

Spannender als die Quartalszahlen dürfte indes die Aufsichtsratssitzung am Montag (10. August) werden. Dann wird entschieden, ob und wie der kriselnde Konzern das Runder herumreißen will. Geht es nach Vorstandschef Peter Terium, dann soll die Zahl der parallel existierenden Teilgesellschaften deutlich reduziert werden. Die über Jahrzehnte entstandene Struktur erweist sich mittlerweile als zu komplex und zu teuer. Der bürokratische Aufwand ist enorm und gilt als ein Grund, weshalb sich RWE mit der Energiewende besonders schwer tut.

Terium will mehr operative Macht in die Konzernzentrale holen und möglicherweise für einzelne Geschäftsbereiche eigene Ressorts im Vorstand schaffen. Damit reagiert RWE auch auf die noch deutlich radikaleren Strukturveränderungen beim größeren Konkurrenten E.on, der das Geschäft mit Großkraftwerken gleich ganz abspaltet und sich künftig auf Ökostrom, Energienetze und den Vertrieb konzentriert.

 

Kein Kauf

Solange RWE kein tragfähiges Konzept für die Zeit nach der Energiewende vorlegen kann, steht die Zukunft des Versorgers in den Sternen. Anleger sollten daher weiterhin an der Seitenlinie bleiben.

(Mit Material von dpa-AFX)

Artikel kommentieren:

Um einen Kommentar zu schreiben, müssen Sie eingeloggt sein.
Sie besitzen noch kein Login? Dann registrieren Sie sich kostenfrei.

  • Es sind noch keine Kommentare vorhanden.

Videos zum Thema:

Der Aktionär TV

Mehr zum Thema:

| Maximilian Völkl | 0 Kommentare

RWE: Vier Probleme!

Seit dem Börsengang der Tochter Innogy verbleibt bei RWE lediglich das konventionelle Energiegeschäft. Der DAX-Konzern muss nun beweisen, dass mit den alten Kraftwerken und der 77-Prozent-Beteiligung an der grünen Tochter ein zukunftsfähiges Modell entstanden ist. Vier Probleme müssen gelöst werden. mehr
| Maximilian Völkl | 0 Kommentare

RWE: Die Probleme der Energiewende

Die Bedeutung der klassischen Kraftwerke hat in den vergangenen Jahren deutlich nachgelassen. Über 30 Prozent des Stromverbrauchs decken die Erneuerbaren Energien bereits ab. Bei der Einspeisung haben diese per Gesetz Vorrang. Aufgrund der jüngsten Ereignisse fordert RWE jetzt jedoch eine Reform … mehr
| Maximilian Völkl | 0 Kommentare

E.on und RWE: Wird der nächste Trend verschlafen?

Deutschlands große Versorger E.on und RWE leiden seit Jahren darunter, dass sie die Energiewende zu lange ignoriert haben. Durch die Abspaltungen ihrer Tochtergesellschaften Uniper und Innogy haben die Konzerne versucht, auf die veränderte Marktsituation zu reagieren. Nun drohen sie allerdings den … mehr