DAX
- Michael Schröder - Redakteur

Quo vadis, DAX und Dow Jones? Das sagen die Experten!

Es lief in diesem Jahr nicht wirklich gut für deutsche Aktien – zumindest bisher. Aufgrund diverser Brandherde zogen Investoren ihr Geld ab und steckten es in US-Aktien. Dow Jones und Co markieren daher ein Allzeithoch nach dem nächsten. Der DAX hinkt hinterher. Doch nun deutet sich eine Trendwende an – und die bietet große Chancen für die Anleger.

DER AKTIONÄR sprach mit Dirk Gojny, Kapitalmarktexperte von der Essener National-Bank, über die aktuelle Entwicklung an den Aktienmärkten.


DER AKTIONÄR: Die US-Börsen notieren auf Allzeithoch. DAX & Co kommen nicht nach. Wo liegen die Gründe für diese Entwicklung?

Dirk Gojny: Zum einen gibt es eine erhebliche Underperformance des Finanzdienstleistungssektors und insbesondere der Banken in Europa aufgrund der hinlänglich diskutierten Umstände. Das schlägt aufgrund der vergleichsweise hohen Gewichtung in diversen Indizes auf die Entwicklung des Gesamtmarktes durch.

Und zum anderen …

… sind die wirtschaftlichen Perspektiven in den USA besser als in Europa, zumal die strukturellen Probleme in weiten Teilen Europas nicht angegangen werden. Die Entscheidung der Briten, die EU verlassen zu wollen, hat zu dieser Wahrnehmung zusätzlich beigetragen, obwohl sich die wirtschaftlichen Folgen für Resteuropa in Grenzen halten werden. Außerdem dürfte das Auspreisen der Leitzinserhöhungen durch die Fed zum Abzug von Mitteln aus Europa geführt haben.

Was muss passieren, damit die heimischen Indizes ebenfalls wieder Kurs auf die alten Höchststände nehmen?

In erster Linie müsste das Vertrauen in die Selbstheilungskräfte in den Finanzdienstleistungssektor zurückkommen, da die Gewichtung in den Indizes nach wie vor vergleichsweise hoch ist. Hier könnten die Ergebnisse des europäischen Bankenstresstestes, die am 29. Juli 2016 veröffentlich werden, durchaus hilfreich sein. Zugleich müsste wieder verstärkt auf die Bewertungen der einzelnen Märkte abgestellt werden. Die Berichtssaison in den USA läuft scheinbar bisher ja gar nicht schlecht. Gerade der Blick auf die unbereinigten Erträge verrät jedoch, dass es längst nicht so gut aussieht.

Sondern?

Es deutet sich der nächste Rückgang im Vergleich zum Vorjahresquartal an. Der US-Aktienmarkt ist im historischen Vergleich also teuer. Europa ist aus unserer Sicht deutlich attraktiver als die USA, so dass mit Beginn der hiesigen Berichtssaison durchaus ein Umdenken stattfinden und damit wieder verstärkt in Europa investiert werden sollte.

Welche Branchen haben das größte Potenzial?

Branchen mit konservativen Risikoprofilen wie beispielsweise die Immobilien ex UK sind unsere Favoriten. Außerdem setzen wir weiterhin auf Titel mit nachhaltig erzielbaren Dividendenrenditen. Dazu haben wir ein NATIONAL-BANK eigenes Produkt im Vertrieb.

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