Netflix
- Martin Weiß - stellv. Chefredakteur

Netflix: Mit Zitronen gehandelt

Ein berüchtigter US-Shortseller hat die Netflix-Aktie zum Abschuss freigegeben. Zudem stehen am Mittwoch nach Ende des regulären Handels an der Wall Street die Zahlen für das dritte Quartal zur Veröffentlichung an. Müssen Anleger jetzt um ihre Gewinne fürchten?

Sprichwörtlich wie in einem schlechten Film dürften sich Anleger bei Netflix jüngst gefühlt haben. Doch nicht etwa das TV-Programm verdarb den erfolgsverwöhnten Anteilseignern die Laune – die Eigenproduktionen des Streaming-Dienstes gehören zum Besten, was Fernsehen zu bieten hat. Anfang September twitterte der berüchtigte Shortseller Citron Research vielmehr: „Citron hat sich bislang zurückgehalten, doch jetzt wird es Zeit, Netflix zu shorten. Unser Kursziel: 80 Dollar.“ Autsch!

Sturm im Wasserglas

Abgesehen davon, dass das Ziel auf dem aktuellen Niveau einem Verlust von 20 Prozent entspricht: Citron Research ist an der Wall Street eine ernst zu nehmende Adresse, die Short-Attacken gut recherchiert, und das häufig ebenso berechtigt wie erfolgreich. Entsprechend die erste Reaktion auf den Tweet: nervös. Was aber ist dran an der Verkaufsempfehlung? Tatsächlich belässt es Citron dieses Mal bei einem Pauschalurteil Pauschalurteil: „Der Wettbewerb wird härter und Netflix ist, anders als Google, Apple oder Amazon, ein One-Trick-Pony.“ Dieser Aussage stimmt der aktionär absolut nicht zu. Mit House of Cards und Orange is the New Black hat der Konzern sein Talent bewiesen, mit kreativen Eigenproduktionen ein Massenpublikum zu begeistern. Tatsächlich ist Netflix mit derzeit 20 selbst produzierten Serien am Start. Im kommenden Jahr sind weitere zehn Serien geplant, darunter populäre Franchises wie Marvel’s Iron Fist. Zu behaupten, Netflix sei ein One-Trick-Pony, ist somit falsch.

Der Konzern ist Studio und Streaming- Dienst in einem mit einer treuen, stetig wachsenden Anhängerschaft. Weltweit zählten die Amerikaner im letzten Quartal 62 Millionen Abonnenten und damit so viel wie nie zuvor. Ist die Netflix-Aktie zu teuer? Sie ist kein Schnäppchen. Das 2016er-KGV von mehr als 300 und das KUV von 5 sind nichts für Value-Investoren. Netflix bleibt Visionären vorbehalten, die daran glauben, dass sich das Konsumverhalten der Fernsehzuschauer grundlegend ändert und Netflix als Speerspitze die Entwicklung vorantreibt. Viele Konzerne würden es dem Marktführer gerne gleichtun, geschafft hat es bislang nur Amazon.

Spannung pur - versprochen!

Die Kritik von Citron an Die Kritik von Citron an Netflix ist unbegründet. Anleger sollten die Aktie bei Schwäche einsammeln.

Zunächst aber stehen am Mittwoch nach Ende des regulären Handels an der Wall Street die Zahlen für das dritte Quartal zur Veröffentlichung an. Der Gewinn dürfte in den letzten drei Monaten (gg. Vorjahr) aufgrund der Investitionen und höherer Kosten auf 0,08 Dollar je Aktie gesunken sein. Dafür wird beim Umsatz mit einem Plus von 23 Prozent auf 1,75 Milliarden Dollar gerechnet.

Worauf sollten Anleger besonders achten? Das Wachstum im internationalen Geschäft. Im zweiten Quartal prognostizierte Netflix 1,15 Millionen Neukunden im Heimatmarkt und 2,4 Millionen Kunden international. Werden die Planzahlen erreicht (gerne darf der Konzern eine Schippe drauflegen), dürfte die Aktie das 52-Hoch bei 129 Dollar ins Auge fassen.

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