- Florian Söllner - Leitender Redakteur

Netflix: Dickes Kaufsignal und negative Überraschung

Der Netflix-Aktie gelingt mit einem nachbörslichen Kursplus von 12 Prozent der Sprung auf ein neues Hoch. Grund: Der Online-Videodienst Netflix verzeichnet dank eigener Serien wie "House of Cards" und der rasanten internationalen Expansion einen kräftigen Kundenzulauf. Im ersten Quartal 2015 stieg die Nutzerzahl um rund 4,9 Millionen auf weltweit über 62 Millionen.

 


Die Ergebniszahlen selbst waren jedoch durchwachsen. Der Umsatz kletterte im Jahresvergleich um 24 Prozent auf 1,57 Milliarden Dollar (1,47 Mrd Euro), womit die Analystenschätzungen nur getroffen wurden. Der Gewinn sank sogar von 53,1 auf 23,7 Millionen Dollar, wie Netflix nach US-Börsenschluss am Mittwoch mitteilte. Analysten hatten rund 30 Prozent mehr erwartet. Ein Grund dafür war der starke Dollar, der die Auslandseinnahmen bei der Umrechnung in die US-Währung niedriger erscheinen lässt.

Das internationale Geschäft brachte einen operativen Verlust von 65 Millionen Dollar ein - im Vorjahresquartal waren es noch 35 Millionen Dollar gewesen. Für das laufende Vierteljahr rechnet Netflix sogar mit einem Minus von 101 Millionen Dollar. Der Dienst startete zuletzt im März in Australien und Neuseeland und will bis Ende 2016 weltweit verfügbar sein.


50 Prozent Gewinnplus

Im Heimatmarkt verdiente Netflix 312 Millionen Dollar - über 50 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. In den USA hat der Dienst 41,4 Millionen Kunden, im vergangenen Vierteljahr kamen knapp 2,3 Millionen dazu. In bisher mehr als 50 Ländern außerhalb der USA kommt Netflix nach einem Zuwachs von 2,6 Millionen Nutzern auf knapp 20,9 Millionen Kunden.

Das Plus der Kunden übertraf jedoch die Prognosen. Netflix-Chef Reed Hastings führte das Wachstum der Nutzerzahlen auf die Popularität von Eigenproduktionen zurück. In den vergangenen Monaten startete die dritte Staffel der Polit-Serie "House of Cards" mit Kevin Spacey sowie neue Serien wie "Unbreakable Kimmy Schmidt" und "Bloodline". Netflix investiert massiv in die Produktion eigener Inhalte und verpflichtete unter anderem Adam Sandler für vier Filme. In Deutschland, wo Netflix im vergangenen Herbst an den Start ging, wird "House of Cards" allerdings zunächst beim Bezahlsender Sky gezeigt.

Für das laufende Quartal rechnet Netflix mit langsamerem Wachstum mit einem Plus von 600 000 Kunden in den USA und 1,9 Millionen im Ausland.

Momentum nutzen
Trader können nach dem Ausbruch auf eine Fortsetzung der momentanen Euphorie spekulieren, sollten jedoch die hohe Bewertung (2016er-KGV von 80) und Volatilität der Aktie beachten. Zudem scheint Netflix für hohes Wachstum verstärkt auf eine gute Marge zu verzichten, was nicht in jeder Marktphase bejubelt werden dürfte.

(mit dpa-AFX)

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