- Thorsten Küfner - Redakteur

Nahende Zinswende: Warum die Fed vorsichtig sein muss

Heute Abend wird die US-Notenbank Fed wohl erstmals seit 2006 wieder die Leitzinsen anheben und damit das Ende ihrer langjährigen Krisenpolitik einläuten. Jedoch ist dies ein wirklich schwieriges Unterfangen. Denn die Geldpolitik, wie sie vor der Finanzkrise jahrzehntelang betrieben wurde, funktioniert nun nicht mehr so einfach.

Als Folge ihrer Kriseneingriffe, vor allem der massiven Marktflutung mit Zentralbankgeld, muss die Fed ihre Geldpolitik komplett umkrempeln. Das ist politisch heikel und kann teuer werden. Das Hauptproblem der Fed ist die von ihr geschaffene Überschussliquidität im Finanzsektor. Die Banken schwimmen also in Geld, weil die Fed seit der Finanzkrise Staatsanleihen und mit Hypotheken besicherte Wertpapiere im Wert von mehr als vier Billionen Dollar erworben hat. Mit diesen Käufen wurde das Zinsniveau gedrückt und die Konjunktur angeschoben. Infolge der Geldschwemme haben sich aber auch die Guthaben der Geldhäuser bei der Zentralbank von wenigen Milliarden auf rund zweieinhalb Billionen Dollar vervielfacht. Das macht Zinsanhebungen nach früherem Muster faktisch unmöglich.

Geld im Überfluss erschwert die Arbeit
Vor der Finanzkrise beeinflusste die Fed die Marktzinsen im Wesentlichen durch ihre sogenannte Offenmarktpolitik: Sollten die Zinsen steigen, verkaufte die Fed Wertpapiere aus ihrem Bestand und nahm damit Liquidität aus dem Markt. In der Folge stieg der Preis für überschüssiges Zentralbankgeld - im Fachjargon die "Fed Funds Rate" oder schlicht: der Zins. Wollte die Fed den Marktzins dagegen verringern, ging sie umgekehrt vor: Sie erwarb Wertpapiere und führte dem Markt dadurch Zentralbankgeld zu, woraufhin der Zins fiel.

Dieses Vorgehen funktioniert, so lange Zentralbankgeld knapp ist, weil dann der Marktzins auch mit Wertpapiergeschäften in geringem Umfang beeinflusst werden kann. Ist Zentralbankgeld dagegen im Überfluss vorhanden, kann der Marktzins nur noch unter Einsatz erheblicher Summen bewegt werden. Deswegen ist die Fed schon zu Beginn ihrer lockeren Geldpolitik im Jahr 2008 dazu übergegangen, den Banken einen Zins auf überschüssiges Zentralbankgeld zu zahlen. Dieser Einlagenzins (IOER) ermöglicht der Fed die Beeinflussung des Marktzinses auch bei hoher Marktliquidität, weil er den Banken einen Anreiz bietet, Geld bei der Notenbank anzulegen.

Es wird teuer
Allerdings ist diese Lösung nicht günstig. "Das wird die Fed in jedem Fall Geld kosten", sagt Experte Bernd Weidensteiner von der Commerzbank. "Will die Fed die Marktzinsen anheben, muss sie auch den Einlagensatz erhöhen, weil ihre Offenmarktpolitik gegenwärtig versagt", erklärt Weidensteiner. Damit erhöhen sich aber auch die Zinszahlungen an die Banken, und das hat Folgen: Zum einen steigt die Liquidität im Bankensektor, was der beabsichtigen geldpolitischen Straffung entgegensteht. Zum anderen muss die Fed der Öffentlichkeit erklären, warum sie den Banken immer höhere Zinsen zahlt. Den Steuerzahler dürfte interessieren, warum der Gewinn der Fed, der eigentlich ihm zusteht, schmilzt.

Hohe Zinsausgaben als Folge einer strafferen Geldpolitik lassen sich nur vermeiden, wenn die Überschussliquidität im Finanzsektor wieder fällt, weil dann das klassische Offenmarktgeschäft der Fed besser funktioniert. Allerdings müsste sich die Fed dafür von ihrem in der Krise angehäuften Wertpapierberg trennen. "Diesen Weg wird die Fed aber voraussichtlich nicht beschreiten", sagt Weidensteiner. Sobald nämlich die Fed beginnt, Wertpapiere in größerem Umfang zu veräußern, dürften die Wertpapierkurse fallen und die Renditen steigen. Damit läuft die Fed Gefahr, die Marktzinsen stärker als von ihr beabsichtigt anzuheben. Zum anderen drohen empfindliche Verluste, falls der Verkaufskurs der Wertpapiere geringer ist als der Kaufpreis.

Kein leichter Job
Auch in diesem Fall müsste Fed-Chefin Janet Yellen wohl erklären, warum die Kosten ihrer Krisenpolitik plötzlich zu steigen beginnen. Wie man es dreht und wendet: Der Ausstieg aus der Krisenpolitik wird abgesehen von den üblichen Risiken – Gefahr, dass die Konjunktur abgewürgt falls die Fed zu stark die Zügel anzieht oder andererseits die Inflation deutlich anzieht, weil man eventuell zu spät oder zu wenig gegengesteuert hat – kein Spaziergang werden.

(Mit Material von dpa-AFX)


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