Morphosys
- Marion Schlegel - Redakteurin

Morphosys nach dem erneuten Rücksetzer – die Gründe und wie es weiter geht

Die Aktie von Morphosys ist zu Wochenbeginn deutlich unter Druck geraten. Anlass zur Korrektur waren Daten für MOR202, die auf der ASCO-Jahrestagung vorgestellt wurden. Anleger zeigten sich enttäuscht, dass nicht alle Patienten einer klinischen Phase vollständig auf den Antikörper angesprochen haben. MOR202 soll gegen eine Form von Knochenmarkkrebs eingsetzt werden. Seit dem Absprung des US-Partners Celgene im vergangenen Jahr arbeitet Morphosys allein an dem Programm.

Vorstand präsentiert sich zuversichtlich

DER AKTIONÄR hat den Vorstandsvorsitzenden Simon Moroney zu den Studienergebnissen befragt: „Die Daten sind in unseren Augen sehr gut. Wir sehen in den von uns als besonders interessant erachteten Kombinationsbehandlungen von MOR202 zusammen mit den immunmodulierenden Krebsmedikamenten Pomalidomid (Pom) und Lenalidomid (Len) sehr ermutigende Hinweise auf Wirksamkeit der Behandlung. Konkret haben wir zwei Komplettremissionen, drei Teilremissionen und zwei minimale Remissionen beobachtet (Anm. d. Red.: Remission ist der medizinische Fachausdruck dafür, dass sich ein Tumor zurück bildet und in klinischen Studien ein Gradmesser für die Wirksamkeit eines erprobten Medikamentes). Bei insgesamt neun auswertbaren Patienten ist das ein – auch im Vergleich – sehr guter Wert. Besonders die Rate der Komplettremissionen bei der Kombination von MOR202 mit Pom sieht zum jetzigen Zeitpunkt sehr vielversprechend aus, und zeigt eine wesentliche Verbesserung gegenüber dem Einsatz von Pom alleine. Zudem haben wir die bisherige gute Sicherheit und Verträglichkeit von MOR202 bestätigen können. Herausragend ist in unseren Augen auch die kurze Infusionsdauer von nur zwei Stunden. Hier sehen wir ein echtes Differenzierungspotenzial gegenüber Wettbewerbswirkstoffen.“

„Außerdem hat unser Wirkstoff in der Vergangenheit gezeigt, dass sich das Ansprechen auf die Therapie im Zeitablauf immer weiter verbessert hat. Und schließlich sind wir in der Studie noch gar nicht bei der von uns favorisierten Dosierung von 16 mg/kg MOR202 plus Pom bzw. Len angekommen. Die bisherigen, bereits vielversprechenden, Ergebnisse wurden in der Dosierung von 8mg/kg erzielt“, so Moroney weiter.

„Allerdings müssen wir auch sagen: Der Markt hat sich vermutlich noch mehr von unseren Daten erhofft, weshalb der Kurs eine so starke Reaktion gezeigt hat. Wir werden mit MOR202 sicher nicht als erster auf den Markt kommen, eventuell sogar erst als dritter. Allerdings ist das Marktpotenzial in Höhe von neun Milliarden Dollar in diesem Segment gigantisch. Und wenn wir es schaffen, hier ein echtes Differenzierungspotenzial gegenüber dem Wettbewerb darzustellen, sehe ich eine realistische Chance, uns einen Teil des Marktes sichern zu können.“

„Wir werden weiterhin alles dafür tun, um die laufende Studie schnell voranzubringen und neue Patienten darin zu behandeln. Auf der ASH-Konferenz im Dezember wollen wir weitere, sicher noch aussagekräftigere Daten aus der laufenden Studie vorlegen.“

Spannung zum Jahresende

DER AKTIONÄR sieht den jüngsten Rücksetzer aufgrund der vorliegenden Daten als übertrieben an. Dieser zeigt aber deutlich, dass die Anleger bei Morphosys deutlich nervöser geworden sind. Spannend wird es zum Jahresende aber nicht nur bei MOR202, insbesondere der mittlerweile am weitesten fortgeschrittene Medikamentenkandidat Guselkumab liefert die finalen Phase-III-Daten. Aus charttechnischer Sicht ist Morphosys zuletzt allerdings am Kaufsignal vorbeigeschrammt. An der 200-Tage-Linie ist das Papier nach unten abgeprallt.

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