MIC
- Michael Schröder - Redakteur

mic AG: "Wir wollen mit Taten überzeugen" - weitere Börsengänge und operative Fortschritte im Fokus

Um die Beteiligungsgesellschaft mic AG ist es in den letzten Monaten ruhig geworden. Doch noch scheinen die Münchner wieder Fortschritte zu erzielen. Weitere Technologie-Börsengänge sind in Sicht und der frühere Tyco Electronics Vorstand Dr. Jürgen Gromer steht vor dem Eintritt in den Aufsichtsrat.

DER AKTIONÄR sprach mit Vorstand (COO) Christian Damjakob über das IPO der Lifespot Health Ltd, den Zweifel der Anleger hinsichtlich der Werthaltigkeit der Beteiligungen und den geplanten Wechsel im Aufsichtsrat.

DER AKTIONÄR: Herr Damjakob, mit welchen Erwartungen sind Sie ins Geschäftsjahr 2017 gestartet?

Christian Damjakob: Die mic AG befindet sich derzeit noch in einer Konsolidierungsphase, in der über die bereits eingeleitete Refokussierung und ein konsequentes operatives Management positive Ergebnisse und letztlich auch liquide Mittel generiert werden. Aber konsequentes Management wird weiterhin auch heißen, dass bei negativer Entwicklung auf Beteiligungsebene die notwendigen Maßnahmen ergriffen werden. Für das laufende Geschäftsjahr erwarten wir zudem positive Impulse durch weitere IPOs von Beteiligungen. Darüber hinaus verfolgen wir das Ziel, bei einzelnen Technologie-Units auch renommierte internationale Investoren mit an Bord zu nehmen, um das Wachstumstempo forcieren zu können. Zudem ist mit dem geplanten Eintritt von Dr. Jürgen Gromer ein Wechsel im Aufsichtsrat der mic AG vorgesehen, was auf der nächsten Hauptversammlung zur Debatte stehen wird.

Trotz der operativen Fortschritte notiert die mic-Aktie noch nahe ihrer Tiefstände und weit unter dem NAV des Gesamtportfolios. Können Sie die Zweifel der Anleger hinsichtlich der Werthaltigkeit der Beteiligungen nachvollziehen? Wie wollen Sie neue Investoren für die mic AG begeistern?

Die Zurückhaltung der Anleger können wir durchaus nachvollziehen. In der Vergangenheit haben nicht alle mic-Beteiligungen ihre mitunter zu ehrgeizigen Ziele erreicht. Auch aus diesem Grund war eine Portfoliobereinigung unumgänglich. Hinzu kam die Verunsicherung über Ereignisse wie die verschobene Hauptversammlung, aber auch dieser Punkt wird noch im ersten Quartal geklärt. Wir kommunizieren transparent über die Entwicklungen im Portfolio und bei der mic AG und lassen uns an der Erfüllung unserer Ankündigungen messen. Wie bei dem IPO der Lifespot Health AG. Das heißt wir wollen mit Taten überzeugen – nicht mit Worten. Wenn sich der wirtschaftliche Erfolg einstellt und die mic AG positive Ergebnisse und Cashflows ausweisen kann, wird sich auch der Aktienkurs in die richtige Richtung entwickeln.

Das IPO der Lifespot Health Ltd., einer Tochtergesellschaft der mic AG Technologie-Unit Lifespot Capital AG, an der australischen Börse ASX am 11. Januar ist auf sehr positive Resonanz gestoßen. Inwiefern hatten Sie der Kurssprung um 100 Prozent am ersten Handelstag erwartet?

Die Vorbereitung des Börsengangs war exzellent und hat zu einer mehrfachen Überzeichnung der Aktien geführt. Von daher hatten wir eine positive Kursentwicklung erwartet. Bei unserem Lead Manager waren Orders über insgesamt rund 100 Millionen Australische Dollar von institutionellen Investoren eingegangen, darunter bekannte Namen wie Morgan Stanley und Citicorp. Wir sind glücklich über den gelungenen Start, bei dem sowohl die Australische Finanzaufsicht (ASIC) als auch das Listing Komitee der Australischen Börse ASX zuvor sehr gründlich die Kriterien für den Börsengang überprüft haben. Noch wichtiger als der 100-Prozent-Kurssprung am ersten Tag war natürlich der lebhafte Handel an den folgenden Tagen, bei permanent gutem Handelsvolumen hat sich der Kurs deutlich über dem Ausgabekurs eingependelt.

Welche Bedeutung hat dieser Börsengang von Lifespot Health für die gesamte mic-Gruppe?

Das Ziel ist es nun, mit dem zur Verfügung stehenden Kapital das Geschäft der Lifespot Health Ltd. auszubauen und den Wert der Firma nachhaltig zu steigern, erste Erfolge scheinen sich hier bereits anzukündigen. Diese erfolgreiche Transaktionsstruktur dient aber gleichzeitig auch als Blaupause, um zukünftig weitere Wachstumsstories in unserem Technologieportfolio umzusetzen. Wir haben damit bewiesen, dass wir auch in frühen Phasen unserer Beteiligungen eine skalierbare Finanzierung realisieren können. Mit dem Börsengang und den damit zusammenhängenden Entschuldungsmaßnamen hat die Substanz der mic-Beteiligung Lifespot Capital AG deutlich an Wert gewonnen. Durch die Beteiligung an der Lifespot Health Ltd mit einem transparenten Kurs und hoher Liquidität der Aktie ist das Unternehmen nun klar bewertbar.

Welchen Wert hat die Lifespot Health (LSH) nun für die ebenfalls börsennotierte Mutter Lifespot Capital AG?

Bei einem Kurs der Lifespot Health-Aktie von 0,35 Australischen Dollar stellt alleine diese Beteiligung je nach Wechselkurs einen Wert je Aktie der Lifespot Capital AG von 0,70 Euro dar – und das ohne Berücksichtigung weiterer geplanter Börsengänge auf Lifespot Capital Ebene. Die mic AG hält etwa 3,1 Millionen Aktien an der Lifespot Capital. Grundsätzlich kann man konstatieren, dass liquide Notierungen von Enkel-Gesellschaften ein transparentes Mittel sind, um Portfoliowertansätze nachvollziehbar zu machen. Während viele VC-Fonds dieses Risiko scheuen, werden wir noch mehr derartige Wertbestätigungen auf den Weg bringen. Und bei der Lifespot Health sehen wir durchaus Chancen für einen weiteren deutlichen Wertzuwachs, nicht zuletzt aufgrund der exzellenten Technologie sowie der nun gesicherten Finanzierung des weltweiten Vertriebs.

Demnach planen Sie weitere Börsengänge nach dem Vorbild Lifespot Health?

Exakt so ist es. Derzeit erleben wir einen regelrechten „Run“ auf unsere Technologieunternehmen. Uns wurden bereits zahlreiche weitere Transaktionen angeboten. Derzeit befinden wir uns in der Pitch Phase und werden uns bald für das nächste Projekt entscheiden. Wir sind dabei, uns mit den Zeiträumen von Q2 2017 bis Q2 2018 zu befassen, um den besten Zeitpunkt für die jeweiligen Unternehmen zu finden. Im dem einen oder anderen Fall gilt es im Vorfeld möglicherweise noch eine ergänzende Technologie zu akquirieren, um anschließend durch einen erfolgreichen IPO die Früchte zu ernten. Und dabei überlegen wir auch schon Folgegeschäfte für die jeweilige Business-Unit, um nach dem erfolgreichen Start zum Nutzen der notierten Enkelgesellschaft und der mic AG nachlegen zu können. Unser Ziel ist es, das nächste IPO Mitte 2017 umzusetzen – mit guten Ergebnisbeiträgen für die mic AG. Unabhängig davon bleibt der klare Kurs: Konsolidierung, Verbesserung der operativen Ergebnisse und regelmäßige Berichterstattung über den Fortschritt des Refokussierungsprogramms.

Was sind aktuell die wertvollsten Assets im Portfolio der mic-Gruppe?

Wenn wir auf die Wachstumsraten der Beteiligungen schauen, möchte ich diejenigen Unternehmen herausgreifen, die mit starkem IP-Schutz über mehrere Jahre hinweg jährlich ihren Umsatz verdoppeln. zu nennen ist dabei die SHS Technologie GmbH, an der die Technologie-Unit 4industries AG 51 Prozent hält. SHS ist bereits auf der Watchlist internationaler Investoren im Automotive-Sektor. Außerdem zählt dazu die fibrisTerre Systems GmbH, an der die Smarteag AG, die zu 100 Prozent der mic AG gehört, ebenfalls 51 Prozent hält – mit Option auf eine Aufstockung auf 76 Prozent. Natürlich ist bei den starken indirekten Beteiligungen auch die PiMON GmbH zu nennen, deren Indien-Deal sich leider deutlich in die Länge gezogen hat, aber mittlerweile eher eine Vergrößerung des Transaktionsvolumens erfahren hat. Auf der dem Staat zuzurechnenden Käuferseite sind äußerst umfangreiche Projekte im Gespräch, die massives Folgegeschäft bedeuten würden. Diese PiMON-Situation alleine würde die gesamte Marktkapitalisierung der mic AG rechtfertigen. Und nicht zu vergessen die börsennotierte Tochter micData AG, die besonders mit der umsatzstarken Beteiligung diso dabei ist, im Big-Data-Markt ein weiteres erfolgreiches Geschäftsmodell als Spezial-Cloud-Anbieter, z.B. im Gesundheitswesen, zu etablieren.

Im vergangenen Jahr hat die mic AG eine umfassende Refokussierung angekündigt. Wie weit ist diese inzwischen fortgeschritten und was sind die wichtigsten Ziele dieser Refokussierung?

Im Rahmen der Refokussierung haben wir bereits massive Fortschritte erzielt, so hat sich u. a. die Bilanzstruktur bereits signifikant verbessert. Dank des Debt Equity Swaps konnten wir beispielsweise unsere Verbindlichkeiten um rund 5,1 Mio. Euro verringern. Zudem haben wir das Management neu aufgestellt, das Portfolio bereinigt und die Overheadkosten um über 30 Prozent auf rund 1,5 Millionen Euro pro Jahr gesenkt. Und auch beim Aufbau von reproduzierbaren Finanzierungsmöglichkeiten für die Portfoliounternehmen sind wir wie bereits beschrieben einen deutlichen Schritt vorangekommen. Wir verfolgen zukünftig einen reinen Technologiefokus, unter ständiger Berücksichtigung unserer finanziellen und operativen Ressourcen.

Könnten Sie uns bitte kurz die Hintergründe zu dem geplanten Wechsel im Aufsichtsrat erläutern? Welche Expertise bringt Herr Dr. Gromer mit?

Zunächst einmal möchte ich allen aktuellen Aufsichtsratsmitgliedern meinen besonderen Dank aussprechen. Der Aufsichtsrat hat das Management in der laufenden Refokussierung vorbildlich unterstützt und die eigene Expertise dabei zum Wohle der Gesellschaft eingebracht. Was Dr. Jürgen Gromer angeht, so verfügt dieser über ein herausragendes Know-how bei der Umsetzung von internationalen Technologie-Geschäftsmodellen. Er hat über mehrere Jahrzehnte äußerst erfolgreich global tätige Technologie-Unternehmen geführt und diese Unternehmen anschließend auch als Mitglied in den jeweiligen Aufsichtsgremien begleitet. Er bringt damit internationale Erfahrungen und ein starkes globales Netzwerk mit. Seine Tätigkeit im Aufsichtsrat der mic AG wird er nach langen, gründlichen Überlegungen und vielen Vorgesprächen mit einer großen Begeisterung für das Technologie Portfolio der mic AG angehen. Ein besonderes Anliegen wird für ihn sein, die operative Profitabilität der Portfoliounternehmen der mic AG auszubauen, wie er es in seiner beruflichen Laufbahn bisher vielfach bewiesen hat, u.a. im Board der Konzerne Tyco Electronics, Marvell, WABCO und RWE Rhein-Ruhr.

Herr Damjakob, vielen Dank für das Interview.

 


 

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