Medigene
- André Fischer - Redakteur

Medigene: Die verkehrte Rechnung

Die Medigene-Aktie verpasste den Ausbruch über die Zehn-Euro-Marke und geriet danach deutlich unter Druck. Was war passiert? Die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) hat einen Fehler im Konzernabschluss von Medigene festgestellt. Die Biotech-Gesellschaft sah sich deshalb gezwungen, den Umsatz im vergangenen Jahr um 2,5 Millionen Euro zu verringern. Sollte man die Papiere des deutschen Immuntherapie-Spezialisten jetzt vorsichtshalber verkaufen?

EBITDA-Prognose wurde eingehalten

Einfluss auf die liquiden Mittel hat der Effekt nicht. Nach vorläufigen Zahlen weist Medigene für 2018 Erlöse in Höhe von 7,8 Millionen Euro aus (2017: 8,9 Millionen Euro). Vorhergesagt waren 9,5 bis 10,5 Millionen Euro. Die DPR monierte, dass Medigene einen 2012 entstandenen Erlös für abgetretene Lizenzansprüche für das ehemalige Medikament Eligard im Jahr 2016 nicht zahlungswirksam verbuchte, sondern als Verbindlichkeit ansetzte.

Den Verlust vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) im Jahr 2018 beziffert das Management auf 16,3 Millionen Euro (im Jahr 2017 waren es noch 14,6 Millionen Euro). Das lag im Rahmen der Prognose von minus 16 bis minus 18 Millionen Euro. Da sich die Kosten für dieses Jahr verschoben hätten, sei der Aufwand für Forschung und Entwicklung mit 17,1 Millionen Euro geringer als erwartet ausgefallen.

Fortschritte in der Pipeline sind entscheidend

Medigene selbst nimmt zu dem Vorfall wie folgt Stellung: „Aufgrund der DPR-Feststellung werden rückwirkend im Konzernabschluss 2018 die sonstigen betrieblichen Erträge zum 31.12.2016 vollständig realisiert, wodurch das Eigenkapital um 10,9 Millionen Euro erhöht und die entsprechenden Verbindlichkeiten vollständig aufgelöst werden. Folglich werden für die Jahre 2017 und 2018 und darüber hinaus keine mit Eligard verbundenen sonstigen betrieblichen Erträge mehr realisiert.“

In der Rückschau betrachtet könnte sich dieses kurzfristige Intermezzo rund um einen Umsatzbeitrag im niedrigen einstelligen Millionenbereich als günstige Einstiegsgelegenheit herausstellen. Denn: Zum einen spielt Eligard für die zukünftige Unternehmensausrichtung längst keine strategische Rolle mehr, da die Rechte an dem Prostatakrebs-Präparat vor mehreren Jahren abgegeben wurden.

Zum anderen sind für Biotech-Gesellschaften die Fortschritte im Zusammenhang mit der firmeneigenen Pipeline viel wichtiger als die Umsatzzahlen. Und hier sieht es gut aus, da Medigene sowohl mit der unternehmenseigenen TCR-Therapie MDG1011 als auch im Zusammenhang mit DC-Impfstoffstudie und der Kooperation mit bluebird bio gut vorankommt.

Kommt der Ausbruch mit Verzögerung?

Die Medigene-Aktie sollte jetzt genau beobachtet werden. Schafft der Immuntherapie-Spezialist den Wiederanstieg über die Marke von neun Euro, bestehen gute Aussichten, dass in der weiteren Folge auch der wichtige Widerstand bei zehn Euro geknackt werden kann. Hartgesottene und hochspekulativ ausgerichtete Anleger bleiben bei der Medigene-Aktie daher weiter am Ball.

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