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- Martin Weiß - stellv. Chefredakteur

Just Eat, GrubHub, Takeaway.com – Kampf um den Mampf

Bei den Food-Delivery-Anbietern tobt die Schlacht um Marktanteile. Die niederländische Lieferando-Mutter Takeaway.com will nun mit einem Börsengang frisches Kapital einsammeln.

Klotzen, nicht kleckern

Knapp 40 Millionen britische Pfund (circa 47 Millionen Euro) lässt sich David Buttress seine neueste Idee kosten – einen Chat-Bot, der den Kunden über den Facebook-Messenger bei der Menüauswahl berät. „Wir wollen die größte Food-Community der Welt aufbauen“, tönt der Chef von Just Eat selbstbewusst. Klotzen, statt kleckern heißt deshalb die Devise.

Es ist nicht das erste Mal, dass Buttress in der Branche für Furore sorgt. Im Sommer präsentierte sein Unternehmen, der führende Lieferdienstvermittler in Großbritannien, einen pfiffigen Lieferroboter, der zukünftig in Metropolen wie London die Bestellungen bis zur Haustüre bringt.

„Wir sind hier seit zehn Jahren tätig und nun in der Lage, das Geschäft voran zu treiben“, so Buttress in einem Interview. Dabei geht es Just Eat nicht nur um mehr Kundenfreundlichkeit. Der europäische Food-Delivery-Markt könnte in den nächsten Jahren ein Bruttoumsatzvolumen von 90 Milliarden Euro erreichen.

Immer neue Anbieter drängen deshalb in den Markt, in Großbritannien etwa Deliveroo, UberEats und der E-Commerce-Koloss Amazon.com.

Rasantes Wachstum
Bislang konnte sich Just Eat der Angriffe der Konkurrenten erwehren, auch, weil das Unternehmen mit rund 30.000 angeschlossenen Restaurants im Königreich eine dominante Größe erreicht hat. Im ersten Halbjahr stiegen die Erlöse um 59 Prozent auf 171,6 Millionen Pfund. Der Gewinn vor Steuern erhöhte sich auf 34 Millionen Pfund.

Um die Dynamik hoch zu halten, verkaufte Just Eat im Sommer sein Benelux-Staaten-Geschäft an den Marktführer Takeaway.com, der sich im Gegenzug aus Großbritannien zurückzieht. „Der zweite Platz ist wertlos“, konstatierte Buttress, der sich mit Just Eat nun auf seine anderen zwölf Märkte konzentrieren will.

Takeaway.com kommt der Deal mit den Briten gerade recht: Die Niederländer wollen Ende September/Anfang Oktober an die Börse und können sich keinen weiteren teuren Konkurrenzkampf leisten.

Die Lieferando-Mutter peilt mit dem IPO einen Erlös von mindestens 350 Millionen Euro und setzte die Preisspanne für die Aktien auf 20,50 Euro bis 26,50 Euro fest. Der Zuteilungspreis wird am 29. September veröffentlicht.

Am oberen Ende der Spanne weist Takeaway.com eine Marktkapitalisierung von 1,1 Milliarden Euro auf. Zum Vergleich: Just Eat wird an der Börse derzeit mit 4,3 Milliarden Euro bewertet, der ebenfalls börsennotierte US-Konkurrent GrubHub mit 3,1 Milliarden Euro.

Ein Teil der frischen Mittel, die Takeaway an der Börse einsammelt, kommen Lieferando zu Gute. Lieferando liefert sich seit einiger Zeit einen knallharten Konkurrenzkampf mit Delivery Hero (Lieferheld, Pizza.de; Rocket Internet hält einen Anteil von 37 Prozent) in Deutschland – die Werbeausgaben gehen in die Millionen (ein Interview mit Lieferando-Gründer Jörg Gerbig lesen Sie im neuen AKTIONÄR, Ausg. 38/16).

Fazit: DER AKTIONÄR favorisiert unter den Food-Delivery-Aktien Just Eat und GrubHub. Beide Werte sind seit der Empfehlung deutlich gestiegen und notieren komfortabel in der Gewinnzone. Ob ein Investment bei Takeaway.com lohnt, hängt davon ab, ob das Papier am Ende tatsächlich in der genannten Spanne an den Markt kommt, oder die Initiatoren noch einmal an der Preisschraube drehen. Bis 26.50 Euro wäre ein Investment zumindest unter spekulativen Aspekten interessant.


 

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| Bianca Wirth | 0 Kommentare

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