Infineon
- Werner Sperber - Redakteur

Infineon: Die China-Panik ist berechtigt

Die Anleger scheint momentan einmal wöchentlich die Angst vor einer nachlassenden Wirtschaftsleistung in China zu überfallen und im Rest der Woche mühen sich die Investoren den Eindruck der Gelassenheit zu erzeugen. Der Vorstand von Infineon Technologies hat im vergangenen Jahr wohl alles richtig gemacht, doch die sich ankündigende Krise in der Volksrepublik wird wohl schneller sein.

Ein Ziel erreicht, eines verfehlt
Dr. Reinhard Ploss hat als Vorstandsvorsitzender des Halbleiter-Unternehmens die US-Firma International Rectifier gekauft, um die Abhängigkeit vom Markt für Computerchips für Automobile und vom asiatischen Markt zu verringern. Ersteres ist gelungen, wie die Zahlen für die ersten neun Monate des Ende September ablaufenden Geschäftsjahres 2014/15 belegen: Der Umsatz der Sparte "Automotive" stieg im Jahresvergleich um 20,1 Prozent auf 1,74 Milliarden Euro und im dritten Quartal alleine betrachtet um 21,8 Prozent. Der Anteil an den Konzernerlösen sank in diesen Zeiträumen jedoch von 46 auf 41 Prozent beziehungsweise von 46 auf 39 Prozent. Allerdings sank auch die Rentabilität der Sparte.

Letzteres gelang nicht, die Abhängigkeit von Asien stieg: Insgesamt legte der Umsatz dort in den ersten neun Monaten um 42,9 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro zu und im dritten Quartal alleine betrachtet um 55,2 Prozent auf 852 Millionen Euro. Der Anteil der aus Asien stammenden Erlöse am Konzernumsatz stieg dabei von 49 auf 52 Prozent beziehungsweise im dritten Quartal alleine betrachtet von 50 auf 54 Prozent. Die Erlöse aus China stiegen dabei jeweils überverhältnismäßig stark an und so erhöhte sich der Anteil an den Gesamterlösen von 20 auf 23 Prozent respektive im dritten Quartal von 19 auf 24 Prozent.

Chinas Wirtschaft wird weiter schrumpfen
Die Wirtschaft in China schrumpft und den Zahlen aus der Volksrepublik traut niemand, nicht einmal Li Keqiang, der seit März 2013 Ministerpräsident der Volksrepublik ist. Deshalb entwickelte er im Jahr 2007 einen Index aufgrund des Energieverbrauchs, der Kreditvergabe und der Eisenbahn-Frachttonnen. Die britische Wirtschaftszeitung "Economist" hat daraus den Li-Keqiang-Index gebaut, der deutlich schwächeres Wirtschaftswachstum ausweist, als die offiziellen, schönen Zahlen. Dabei sind selbst diese Wirtschaftsdaten schwach: Die Menge der von der chinesischen Industrie produzierten Güter sank im August erneut und erreichte den niedrigsten Wert seit März 2009. Auch die zuletzt noch stärkere Dienstleistungs-Branche verliert an Schwung. Die entsprechenden Caixin/Markit-Einkaufsmanagerindices (PMI) sanken von 47,8 auf 47,3 Punkte für die Industrie beziehungsweise von 53,8 auf 51,5 Punkte für die Dienstleistungsbranche. Werte von 50 Punkten signalisieren Wachstum und Werte von weniger als 50 Zählern ein Schrumpfen.

Da die Provinzfürsten wohl aus Eigennutz dringend notwendige Reformen blockieren, wird sich Chinas Konjunktur auch weiter abschwächen. Christine Lagarde, geschäftsführende Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF), warnt: "Was sich in den vergangenen Wochen erwiesen hat, ist, wie sehr Asien im Zentrum der Weltwirtschaft steht." Es habe sich auch gezeigt, wie sehr Störungen auf einem Markt in Asien auf den Rest der Welt übergreifen können. Zudem ist China nicht das einzige weltweit bedeutende Land in der Region mit Problemen. Japans Wirtschaft kommt ebenfalls nicht voran und der Grund ist der gleiche: Die Politiker, hier Premierminister Shinzō Abe, reformieren die Wirtschaft nicht, weil sie Angst vor den Wirtschaftsverbänden haben, die wiederum um ihre Pfründe fürchten.

Auf ein positives Zeichen warten
Was hilft es also, wenn Dr. Ploss alles richtig macht, wenn die Politiker in Asien und weltweit nichts tun, schließlich ist die Schuldenkrise noch nicht einmal ansatzweise gelöst. Vor diesem Hintergrund empfiehlt DER AKTIONÄR auf den Chart zu achten. Bei Infineon sollten die Anleger die Trendwende abwarten, wobei ein nachhaltiger Anstieg auf mehr als 9,80 Euro ein positives Zeichen wäre.


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