Curasan
- Michael Schröder - Redakteur

Heiße Wette: Hot-Stock Curasan vor Turnaround

Nach dem Vorstandswechsel weht bei Curasan ein anderer Wind. Kann der neue Kapitän das Ruder nachhaltig rumreißen, winken Anlegern mit Weitblick satte Kursgewinne. Anleger, die etwas Zeit mitbringen, können schon jetzt mit einer ersten Position an Bord gehen.

Ein Blick auf den Kursverlauf der vergangenen Monate dürfte für viele Investoren so angenehm gewesen sein wie eine Wurzelbehandlung beim Zahnarzt. Die Curasan-Aktie hat kontinuierlich an Wert verloren. Spekulationen über eine angespannte Liquiditätssituation sorgten Ende 2014 für eine Beschleunigung der Talfahrt. Im Tief ist das Papier kräftig abgestürzt. Mittlerweile hat sich die Aktie des Spezialisten für Medizinprodukte aus dem Bereich der Knochen- und Geweberegeneration zwar wieder von den Tiefstständen lösen können. Dies dürfte allerdings erst der Anfang einer nachhaltigen Trendwende gewesen sein.

Denn bei Curasan weht seit Anfang des Jahres ein frischer Wind. Der langjährige Vorstand Hans Dieter Rössler hat das Zepter an Michael Schlenk übergeben. Dank seiner Arbeit für Sandoz, Novartis und Abbott verfügt der passionierte Segler über langjährige Erfahrung im Management internationaler Pharma- und Biotechnologie-Unternehmen. Im Gespräch mit Schlenk wird schnell klar, an welchen Schrauben der neue Kapitän drehen will, um das Schiff wieder auf Kurs zu bekommen: „Curasan hat gute Produkte, sie wurden in der Vergangenheit nur vertrieblich falsch eingesetzt und platziert.“

Eine seiner ersten Amtshandlungen war neben der Verschlankung der Kostenbasis daher auch die Berufung von Gregor Siebert zum Verantwortlichen für Marketing- und Vertriebsaktivitäten. Ähnlich wie Schlenk gilt Siebert als ausgewiesener Experte in der Pharmabranche. Um die innovativen Produkte den Orthopäden und Chirurgen besser zugänglich zu machen, soll der Vertrieb geschärft und das Marketing optimiert werden. „Der Fokus liegt ganz eindeutig auf einem aktiveren Marketing“, gibt der Vorstand die Richtung vor. „Wir werden sehr besonnen mit den uns zur Verfügung stehenden Ressourcen umgehen. Deshalb haben wir bereits vor einigen Wochen damit begonnen, durch genaue Sondierung unsere Kernmärkte zu klassifizieren, die optimalen Vertriebswege zu identifizieren und unsere Produkte entsprechend besser zu profilieren.“ Anders als in der Vergangenheit steht dabei auch der Dialog mit alten und neuen Vertriebspartnern und Meinungsbildnern der Branche im Vordergrund. „Wir müssen dem Markt zeigen, dass wir wieder da sind, das Vertrauen zurückgewinnen und dafür Sorge tragen, dass unsere Produkte auch richtig positioniert werden.“

Gleichzeitig wird das eigene Produktportfolio unter die Lupe genommen – und geschärft. Das Flaggschiff Cerasorb steht dabei nicht zur Disposition. Das synthetische Knochenaufbaumaterial wird nicht nur im zahnärztlichen Bereich eingesetzt, sondern in einer großen Bandbreite von Indikationen in der Orthopädie und Traumatologie.
Zudem werden aber auch Gespräche geführt, um möglicherweise andere Produkte mit ins Boot zu nehmen. Dabei sollen aber keine neuen Marktsegmente eröffnet werden, der Fokus bleibt ganz klar auf dem Dental- und Orthopädiebereich.
Eine weitere Baustelle ist die modern ausgerüstete, aber kaum ausgelastete Produktionsanlage am Firmensitz in Kleinostheim. Hier könnte mit der Auftragsfertigung für andere Unternehmen eine deutlich bessere Auslastung erreicht werden.

Um alle anstehenden Maßnahmen in Ruhe umsetzen zu können, hat Curasan in der vergangenen Woche den Kapitalmarkt angezapft. Die rund 0,73 Millionen Aktien wurden zum Preis von 1,40 Euro platziert. Dem Unternehmen fließt damit ein Bruttoemissionserlös von gut einer Million Euro zu. Damit summieren sich die liquiden Mittel auf rund zwei Millionen Euro. „Wir wollten damit erst einmal sicherstellen, dass wir wieder ausreichend Wasser unter dem Kiel haben, um in tieferes Wasser segeln zu können“, so Schlenk. Weitere Kapitalmaßnahmen soll es dem Vernehmen nach in den kommenden Monaten nicht mehr geben. Damit plant Curasan, den Weg zur Profitabilität durch umsatzfördernde Maßnahmen flankierend zu unterstützen.

„Es wird keine Gewinnexplosion von einem Quartal zum nächsten geben“, tritt der Vorstand gleich auf die Euphoriebremse. „Die Kurve wird flach, aber dafür nachhaltig.“ Im laufenden Jahr müssen sich Anleger daher weiter auf Verluste einstellen. Auf Basis einer konservativen Ergebnisprognose erwartet das Unternehmen für das Gesamtjahr 2015 einen Umsatz von 6,3 bis 6,9 Millionen Euro bei einem Jahresfehlbetrag in Höhe von 1,2 bis 1,6 Millionen Euro. Eine auf den ersten Blick recht breite Range, die nach eingehender Prüfung mit den kommenden Quartalsergebnissen spezifiziert werden soll.
der aktionär geht davon aus, dass ein Umsatz von rund acht Millionen Euro nötig ist, um auf Jahresbasis eine schwarze Null zu erreichen. Das Ziel sollte frühestens im Jahr 2017 erreicht werden. Auf Quartalsbasis dürften dagegen bereits Ende 2016 schwarze Zahlen stehen. Zum Vergleich: Im ersten Quartal 2015 standen Umsätze in Höhe von 1,6 Millionen Euro, ein EBITDA von minus 0,1 Millionen Euro sowie ein Verlust je Aktie von 0,02 Euro zu Buche.

Einen umfassenderen Ausblick zu den anstehenden Maßnahmen und Zielen der kommenden Quartale plant der Vorstand im Rahmen der anstehenden Hauptversammlung am 25. Juni zu präsentieren. Dort wird es sicher auch ein Statement zum Stand des Rechtsstreits mit Stryker geben. Der Vertriebspartner wurde vertragsbrüchig. Seitdem gibt es gerichtlich belegte Hoffnung auf eine Schadenersatzzahlung in Millionenhöhe, die der neue Vorstand in seiner Kalkulation bisher bewusst nicht berücksichtigt hat.

Curasan sollte mit dem neuen Kapitän wieder in ruhigeres Fahrwasser kommen. Zeichnet sich in den nächsten Quartalen eine nachhaltige Verbesserung der fundamentalen Entwicklung ab, dürfte auch der Kurs langsam, aber sicher wieder Fahrt aufnehmen. Anleger, die auf eine erfolgreiche Arbeit des neuen Vorstands setzen wollen und dabei auch etwas Zeit mitbringen, können schon jetzt mit einer ersten Position an Bord gehen.

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