Infineon
- Werner Sperber - Redakteur

Heibel: Infineon muss (Dialog Semiconductor) kaufen

Der Heibel-Ticker lobt, die japanische Firma Softbank ist bekannt für zukunftsweisende Beteiligungen an Technologie-Unternehmen wie Etrade, Yahoo oder Alibaba. Jüngst bot Softbank 31 Milliarden Dollar für den britischen Computerchip-Konzern ARM Holdings. Analog Devices kauft Linear Technology für 15 Milliarden Dollar. Vor einem halben Jahr übernahm NXP Semiconductors Freescale für 16,7 Milliarden Dollar. Begonnen hat dieser Übernahmewahnsinn in der Halbleiter-Branche jedoch bereits vor fünf Jahren, als Texas Instruments für National Semiconductor 6,5 Milliarden Dollar bezahlte.

Infineon Technologies weist einen Netto-Barbestand von einer halben Milliarde Euro aus und einen Börsenwert von 17 Milliarden Euro auf. Der größte Absatzmarkt für das Unternehmen ist die Fahrzeug-Branche. Der Konzern verkauft die Produkte jedoch auch an die Industrie. Analysten verweisen auf die gute Vernetzung mit den Auto-Konzernen und halten Infineon deshalb eher für einen Käufer als ein Übernahmeziel. Tatsächlich erwarb Infineon erst für 2,5 Milliarden Dollar International Rectifier und jüngst für 850 Millionen Dollar Wolfspeed. Diese ehemalige Tochterfirma von Cree hat sich auf das Energiemanagement spezialisiert. Genau dieses Energiemanagement wird bei elektrisch angetriebenen Automobilien zur Kernkompetenz. Ob sich ein Auto gut verkauft, wird künftig von den Chips, vernetzten Systemen und den Kommunikationsfähigkeiten der Autos abhängen. Darüber lassen sich die Betriebskosten besser kontrollieren und durch intelligente Instandhaltung auch senken. Zudem werden sich die Autos künftig weniger durch das Aussehen unterscheiden als durch die Software-Konfiguration.

Die Chips von Infineon Technologies überzeugen neben der Leistungssteigerung vor allem durch Sicherheit und Stromeffizienz. Damit schaffte das Unternehmen im Jahr 2013 die Trendwende beim Umsatz; seither legten die Erlöse um durchschnittlich 20 Prozent pro anno zu. Die Gewinnentwicklung ist ähnlich. Das KGV für das nächste Jahr beträgt nur mehr 17. Zudem verbessert sich die Bilanz. Die Eigenkapitalquote beträgt derzeit 53 Prozent und der Bargeld-Bestand soll Ende des nächsten Jahres eine Milliarde Euro erreichen. Damit ist Infineon tatsächlich bestens gerüstet für die Konsolidierung im Chip-Sektor.

Der Aktienkurs ist von 0,39 Euro im Jahr 2009 auf mittlerweile 15 Euro gestiegen. Analysten schätzen, Infineon könne den Umsatz in den nächsten Jahren um durchschnittlich sieben bis acht Prozent pro anno steigern und den Gewinn um je zwölf Prozent. Zudem werde vor allem der freie Cashflow ab dem nächsten Jahr deutlich zulegen und die Bar-Reserven um 0,5 Milliarden Euro pro anno erhöhen.

ARM Holdings setzt jährlich 1,4 Milliarden Dollar um, Analog Devices 3,4 Milliarden, NXP Semiconductors 6,9 Milliarden und Texas Instruments 13 Milliarden Dollar. Die Konsolidierung in der Branche dürfte fortschreiten. Dabei werden eine Reihe größerer Unternehmen entstehen, die durch Skaleneffekte dann Marktführerschaften übernehmen. Infineon Technologies darf sich nicht auf den Erlösen von 6,3 Milliarden Dollar jährlich ausruhen. Infineon muss zukaufen. Da die Energieeffizienz der besondere Faktor der Zukunft ist, wäre vielleicht Dialog Semiconductor mit einer Marktkapitalisierung von 2,7 Milliarden Euro noch ein geeignetes Übernahme-Ziel.

Charttechnisch hat die Notierung von Infineon im dritten Versuch die Hürde bei 14 Euro überwunden. Nun gibt es zunächst keine Widerstände mehr, die eine Rallye bremsen oder gar beenden können, wenn sie erreicht werden. Damit die Rallye von Infineon jedoch anhält, muss die Nachfrage nach den Aktien hoch bleiben. Allerdings sank das tägliche Handelsvolumen in den vergangenen Wochen. Nun ist zumindest eine Phase mit lediglich stabilen Kursen oder sogar ein Rücksetzer auf rund zwölf Euro zu erwarten. Das entspräche einem typischen Fibonacci-Retracement um zwei Drittel des zuvor erfolgten Kursanstiegs. Bei zwölf Euro befindet sich zudem eine wichtige Unterstützung aus den Vorjahren. Der Heibel-Ticker erklärt, sollte diese Unterstützung deutlich unterschritten werden, stimmt etwas an den Aussichten für Infineon nicht und die Aktie sollte verkauft werden. Hält jedoch die Marke von zwölf Euro, sollten Anleger einsteigen. Gelingt es Infineon, im Zukunftsmarkt mit Chips für elektrisch angetriebene Autos eine Führungsposition einzunehmen, dann ist das Wachstum des Unternehmens erst am Anfang, die Aktien dürften noch deutlich höher steigen.

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