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- Florian Söllner - Leitender Redakteur

Hans-Olaf Henkel im Interview: Weihnachten, Pegida, Euro-Absturz, Freiheit und Deutschland

Verschwörungstheorien, Eurokrise, Zuwanderung, Deutschland-Skepsis oder Putin-Krise. Hans-Olaf Henkel spricht im AKTIONÄR-Interview Klartext. Henkel war Chef von IBM Europa und bis Ende 2000 Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI). Der Vater von vier Kindern hat ein grünes Herz („Ökomanager des Jahres“) und sich jetzt auch politisch positioniert: Im Mai 2014 wurde er für die AfD ins Europäische Parlament gewählt.

Herr Henkel, wie verbringen Sie Weihnachten, und wo haben Sie Ihre Geschenke gekauft? Im Internet?
HANS-OLAF HENKEL: Mit meinen Kindern und Enkelkindern und die Geschenke natürlich im Laden! Gerade habe ich von der Europäischen Kommission erfahren, dass sie Ziele für das Volumen von Internetkäufen bis zum Jahre 2030 vorgegeben hat. Wahnsinn! Das sollen erstens die Bürger selbst entscheiden und zweitens führt das zu einer Verödung unserer Innenstädte.

Geringe Arbeitslosigkeit, die meisten haben Geld für mehrere Urlaube pro Jahr, große Fernseher, durch das Internet Gratis-Zugriff auf Wissen. Geht es uns nicht fantastisch?
Der Euro mit seinen ökonomischen und politischen Nebenwirkungen beschert uns ein verlorenes Jahrzehnt, und keiner merkt es! Das ist so, als wenn Sie von einem 20-stöckigen Hochhaus fallen und sagen sich im 10. Stock: „Mir geht’s doch prima!“

Viele fürchten einen Verfall des Euros. Wie wahrscheinlich ist eine immense Inflation?
Sie kommt. Man muss sich ja nur zwei Fragen stellen: Erstens, wer profitiert von der Inflation? Antwort: der Schuldner. Zweitens: Wer ist der größte Schuldner? Antwort: der Staat.

Wie sieht Ihr Traumeuropa der Zukunft aus?
Wie das von Charles de Gaulle: ein Europa der Vaterländer. Mir ist ein Europa der kulturellen, ökonomischen und sozialen Vielfalt lieber als die Einfalt der Vereinigten Staaten von Europa.

Was macht Europa aus? Was ist der kleinste gemeinsame Nenner, der die Nationen zusammenhält?
Ich bezeichne das als „mein“ sympathisches Dreieck: Demokratie, Menschenrechte und soziale Marktwirtschaft.

Und was ist für Sie typisch deutsch? Märchen, Fleiß, Weihnachten, Skepsis?
Das war einmal. Heute eher Selbstgeißelung, Selbstgerechtigkeit und Selbsthass.

Oft reden Menschen aneinander vorbei, weil sie ganz unterschiedliche Definitionen von Begriffen verwenden. „Rechts“, „Links“ sind solch plumpe Kategorien. Die AfD will sich von diesen Begriffen lösen. Was halten Sie von solchen Schubladen?
Nicht viel. Ich würde diese beiden Pole durch Gleichheit und Freiheit ersetzen. Heute gibt es in Deutschland nur noch Parteien, die sich für die Gleichheit einsetzen. Sie nennen das „soziale Gerechtigkeit“. Wir setzen uns für die Meinungsfreiheit statt für politische Korrektheit, für Alternativen statt für die dumpfe Alternativlosigkeit, für Vielfalt statt für Gleichmacherei ein.

In allen Parteiprogrammen wird sehr viel über Wachstum gesprochen. Aber ist Wachstum an sich, was ja auch Ausbeutung an Ressourcen bedeuten kann, ein Selbstzweck? Macht uns Fortschritt wirklich glücklicher?
Angesichts der Tatsache, dass die deutsche Wirtschaft im letzten Jahr 0,5 Prozent und in diesem Jahr auch kaum mehr als ein Prozent gewachsen ist, eine komische Frage. Ob Fortschritt glücklicher macht, weiß ich auch nicht. Aber eins weiß ich: die durchschnittliche Lebenserwartung ist ein guter Maßstab, ob der Fortschritt den Menschen nützt. Sie steigt immer weiter und nicht nur hier, auch in den armen Ländern.

Die Pegida-Bewegung ist heiß diskutiert derzeit. Eine Binsenweisheit in Deutschland ist: Je mehr fremde Menschen, desto mehr Wohlstand und Bereicherung. Teilen Sie diese Meinung – oder sehen Sie auch gegenläufige Effekte?
Unterm Strich stimmt diese Behauptung. Aber sie stimmt dann nicht, wenn große Teile der Zuwanderer unfähig oder nicht willens sind, sich zu integrieren. Dann entstehen Parallelgesellschaften mit all ihren Problemen.

Ist zu viel Toleranz Verrat an der eigenen Meinung?
Nein.

Das Interview ist in der AKTIONÄR-Ausgabe 52/2014 erschienen. Teil 2 folgt an dieser Stelle.

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