- Markus Bußler - Redakteur

Gold: Der 466.000-Unzen-Deal von Goldman Sachs

Es ist ein Geschäft, das in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wird. Und trotzdem bietet es jede Menge Zündstoff. Die US-Bank Goldman Sachs leiht sich von Ecuador 14,49 Tonnen oder umgerechnet 466.000 Unzen Gold. Das südamerikanische Land verleiht damit die Hälfte seiner Goldreserven an die US-Großbank. Wieso? Warum? Weshalb? Das bleibt im Verborgenen.

Die Nachrichtenagentur Bloomberg meldet lediglich, dass das Land im Gegenzug „Instrumente mit hoher Sicherheit“ erhält. 16 bis 20 Millionen US-Dollar an Einnahmen sollen dabei herausspringen. Gemessen am Wert des Goldes dürfte dies eine Rendite von etwa 3,5 Prozent sein. Ecuador soll das Gold innerhalb von drei Jahren zurückerhalten.

Stirnrunzeln bei Analysten
Der eine oder andere Analyst runzelt ob dieses Deals doch erstaunt die Stirn. Bei RBC Capital Markets heißt es, es sei ein „rätselhaftes Geschäft“. Die Analysten vermuten, alleine die große Goldmenge und die Unsicherheit, wohin sie fließen könnte, könnten den Goldpreis erneut unter Druck setzen. Bekanntlich geht Goldman Sachs davon aus, dass der Goldpreis bis zum Jahresende auf 1.050 Dollar je Unzen fallen wird. Wieso also leiht sich Goldman Sachs jetzt Gold bei einem Kurs von rund 1.250 Dollar je Unze?

Lieferverpflichtung?
Um es vorweg zu nehmen: Die Antworten sind reine Spekulation. Natürlich könnte es sein, dass Goldman Sachs sich verspekuliert hat und Lieferverpflichtungen eingegangen ist, die jetzt fällig werden, Goldman Sachs aber das Gold für eine Lieferung nicht hat. Allerdings: Der Goldmarkt befindet sich seit Wochen auf Talfahrt. Sich in einem Umfeld derart zu verspekulieren, erscheint eher unwahrscheinlich.

Möglich ist allerdings auch, dass Goldman Sachs den physischen Goldmarkt mit dem Verkauf des Goldes unter Druck bringen will. Zwar erscheint es auf den ersten Blick absurd, jetzt 1.250 Dollar je Unze für das Gold zu bezahlen, um dann den Preis unter Druck bringen zu wollen. Doch erstens kann Goldman das Gold anschließend wieder günstiger zurückkaufen. Und zweitens kann die US-Bank über die Comex auf fallende Kurse spekulieren und so ein Vielfaches verdienen.

Selbstverständlich ist es auch möglich, dass Goldman Sachs das Gold auch im Auftrag von jemand anderen beschaffen soll. Spekulationen sind hier Tür und Tor geöffnet. Möglicherweise braucht die US-Notenbank FED das Gold, um ihrerseits Lieferverpflichtungen von Gold (nach Deutschland?) zu bedienen. Aber so etwas wäre ja eine reine Verschwörungstheorie. Oder etwa nicht?

Artikel kommentieren:

Um einen Kommentar zu schreiben, müssen Sie eingeloggt sein.
Sie besitzen noch kein Login? Dann registrieren Sie sich kostenfrei.

  • Es sind noch keine Kommentare vorhanden.

Videos zum Thema:

Der Aktionär TV