Gold
- Markus Bußler - Redakteur

Gold: … und sie kaufen doch

Erinnern Sie sich noch? Es ist erst ein paar Wochen her, da hieß es, Russland stecke so sehr in der Klemme, dass das Land anfängt, seine Goldreserven zu verkaufen. Dazu gab es dann auch gleich Analystenstudien, die genau das als Grundlage genommen haben. Auslöser war eine Meldung, wonach die Gold- und Devisenreserven gesunken sind. Jetzt gibt es wieder eine solche Meldung.

367,3 Milliarden US-Dollar betrugen die internationalen Reserven Russlands am 30. Januar. Das waren 1,8 Milliarden Dollar weniger als noch eine Woche vorher. Damit erreichten die Reserven den niedrigsten Stand seit Mai 2009. Nach einer ähnlichen Meldung vor ein paar Wochen folgerten Analysten, dass Russland gezwungen sei, sein Gold auf den Markt zu werfen. Das einzige, was sie dabei übersahen: Die Zentralbank bilanziert Gold und Devisenreserven als einen Posten. Sinkt dieser Posten, heißt das nicht zwangsläufig, dass Gold verkauft wurde. Es können auch Dollar in den Umlauf gebracht werden. Wir hatten genau das prognostiziert. Doch die Analysten beharrten auf ihrer Meinung, dass Gold verkauft worden sei.


Russland kauft!


Die offiziellen Zahlen sprechen eine deutlich andere Sprache: Russland hat nicht nur kein Gold verkauft. Nein, Russland hat trotz der Krise weiter Gold zugekauft. 600.000 Unzen alleine im Dezember. Die Goldreserven Russlands wachsen von Quartal zu Quartal. Gut möglich, dass jetzt wieder entsprechende Meldungen kursieren. Wir bleiben dabei: Russland ist in den vergangenen Jahren als Nettokäufer auf dem Goldmarkt aufgetreten. Es ist höchst unwahrscheinlich, dass das Land von dieser Strategie abweicht.


Dieses Beispiel zeigt einmal mehr: Gerade im Bereich der Edelmetalle kursieren viele Halbwahrheiten. Anleger sollten mit einer gewissen Skepsis an Meldungen herangehen – auch wenn sie aus vermeintlich renommierten Analystenhäusern stammen. Unseres Erachtens dürfte die russische Zentralbank auch weiterhin als Käufer auf dem Goldmarkt auftreten. Allerdings ist es aufgrund der Sanktionen des Westens durchaus möglich, dass sich die Käufe etwas reduzieren.

 

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