DAX
- Jochen Kauper - Redakteur

Experte Thomas Gebert: Gewinnt Le Pen? Oder verliert sie? Und was macht der DAX dann?

Die französische Präsidentschaftswahl naht. Der englische Buchmacher William Hill zahlt 35 für zehn bei einem Sieg von Marine Le Pen. „Dies impliziert eine Wahrscheinlichkeit, dass sie gewinnt, von 29 Prozent. Als Präsidentin will Le Pen über einen Austritt aus dem Euro abstimmen lassen. Dass dieses Vorhaben von der Bevölkerung angenommen wird, wird ebenfalls auf eine Wahrscheinlichkeit von unter 30 Prozent taxiert. Multipliziert man diese beiden Wahrscheinlichkeiten, ergibt sich eine Chance von unter eins zu zehn, dass Frankreich tatsächlich aus dem Euro austritt. Im Normalfall sollte also alles gut gehen. Deshalb kann man sich mal in Ruhe überlegen, was ist, wenn nicht? Wie schützt man sein Geld bei einem Auseinanderbrechen des Euro? Von den Anlegern wird die deutsche Bundesanleihe bisher als sicherer Hafen angesehen. Sie ist so sehr gefragt, dass die Investoren sogar bereit sind bei zweijährigen Papieren des deutschen Staates eine negative Rendite von minus einem Prozent pro Jahr in Kauf zu nehmen. Dafür meint der Anleger dann allerdings die Sicherheit zu haben, dass er bei einer Auflösung des Euro später die neue D-Mark in den Händen halten wird. Es kann sein, dass diese Rechnung nicht aufgehen wird. Sollte der Euro tatsächlich aufgelöst werden, sitzt Deutschland über das Target2-System auf Forderungen von fast einer Billion Euro, die nicht oder nur zum Teil beglichen werden. Der Schuldenstand Deutschlands wird sich damit auf einen Schlag um 50 Prozent erhöhen. Es ist nicht zu erwarten, dass Deutschland diesen Betrag an Euro-Schulden in D-Mark zurückzahlen wird. Es besteht durchaus die Möglichkeit, dass eine Euro-Anleihe des Bundes eben nicht in der neuen D-Mark sondern in Euro, in einem dem Euro entsprechenden Währungskorb, bestehend aus D-Mark, Französischen Franc, Italienischen Lire und so weiter beglichen wird. Die Rückzahlung wird dann in der Zusammensetzung der einzelnen Währungen gemäß ihres Verhältnisses bei der Schaffung des Euros geleistet. So sicher wie sie scheinen, sind die Bundesanleihen vielleicht nicht“, sagt Börsenexperte Thomas Gebert.

 

DAX liebt Überraschungen

 

Was kann der Anleger tun? „Eine höhere Sicherheit versprechen Anleihen, die vor Einführung des Euro begeben worden sind, wie zum Beispiel eine 30-jährige Bundesanleihe aus dem Jahre 1997. Sie ist als D-Mark-Anleihe emittiert worden und bei ihr ist die Wahrscheinlichkeit am größten, dass man auch D-Mark zurückbekommt. Doch mit großer Wahrscheinlichkeit bleiben uns dies und Marine Le Pen erspart. Was würde ihre Niederlage für den DAX bedeuten? Die Unsicherheit ist nach der Wahl raus und der DAX steigt zehn Prozent, wie nach der Brexit-Abstimmung und der US-Präsidentschaftswahl? Habe ich damit eine 71-prozentige Chance auf einen schnellen zehnprozentigen Kursgewinn? Das wäre zu einfach. Oder ist es diesmal genau andersherum, weil der Anleger ja dazulernt? Es kauft vorher, weil er den zehnprozentigen Kursgewinn nach der Wahl haben will und die Aktien fallen danach, weil alle schon gekauft haben? Andre Kostolany würde dies mit „fait accompli“ bezeichnen. Oder geht es aus wie das Hornberger Schießen? Die wahrscheinlichste Entwicklung tritt ein, Macron gewinnt und gar nichts passiert. Nun gut, ich muss mich entscheiden. Ich tippe auf Antwort zwei. Le Pen verliert und nach drei Tagen der Euphorie fällt der DAX zunächst ein paar Wochen. Der DAX liebt es uns zu überraschen“, so Gebert.

 

Mehr zu Thomas Gebert gibt es unter www.dergebertbrief.de

 

 

 

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