Evotec
- André Fischer - Redakteur

AKTIONÄR-Favorit Evotec: Hochprozentiger Joker

Während zuletzt sowohl die großen Indizes als auch die Biotech-Aktien schmerzhafte Kursverluste erlitten, konnte Evotec das Kursniveau verteidigen. Mehr noch: Der aussichtsreiche Spezialist für Wirkstoffforschungen schickt sich jetzt sogar an, den entscheidenden Widerstand bei 4,00 Euro nachhaltig zu überwinden. Was ist aber der Grund für die derzeit zu beobachtende ungewöhnlich hohe Relative Stärke der Biotech-Firma?

Ein wichtiger Hinweis, dass bei den Hamburgern jetzt komplett neu gerechnet werden muss, war die überraschende Meldung in Bezug auf eine neue, erweiterte Kooperation im Bereich Krebsimmuntherapie. Hierzu muss man wissen, dass Evotec in diesem Sektor zunächst eine Zusammenarbeit mit Apeiron Biologics begann. Diese Kooperation resultierte aus einem überaus erfolgreichen Ergebnis eines speziellen Hochdurchsatz-Screenings, das Evotec zuvor im Auftrag von Apeiron Biologics durchführte.

Die neue Meldung hatte es wirklich in sich, da bei der Kooperation erstmals der Pharma-Gigant Sanofi mit von der Partie ist. Ab sofort arbeiten Sanofi, Apeiron Biologics und Evotec in diesem zukunftsträchtigen Bereich zusammen. Dabei geht es um umfangreiche Entwicklungsarbeiten, die darauf abzielen, neuartige Ansätze zur Behandlung von soliden und hämatopoetischen Tumoren durch die Steigerung der Antitumorentwicklung menschlicher Lymphozyten zu verfolgen. Das starke Dreiergespann setzt jetzt alles daran, wirksame niedermolekulare Substanzen sowie aussichtsreiche Zielmoleküle für immunonkologische Therapien der nächsten Generation zu identifizieren. Im Rahmen der Kooperation sind Meilensteinzahlungen von über 200 Millionen Euro sowie Umsatzbeteiligungen im Fall einer Vermarktung vorgesehen.

Damit konnte Evotec die Zusammenarbeit mit Sanofi im Krebssektor deutlich ausbauen. So geht der aktionär davon aus, dass die Übernahme der Wirkstoffforschung von Sanofi in Toulouse Evotec schon bald die ersten Früchte einbringen wird. Die Hambur ger sind derzeit dabei, fünf extrem aussichtsreiche Krebsprojekte von Sanofi einzulizenzieren. Die Kooperation mit den Franzosen garantiert Evotec über einen Zeitraum von fünf Jahren Zahlungen von mindestens 250 Millionen Euro.

Aus den Onkologieprojekten am Standort Toulouse stehen Evotec darüber hinaus Meilensteinzahlungen und Umsatzbeteiligungen zu. Der Umstand, dass Sanofi als eine der weltweit führenden Pharmafirmen derart stark auf Evotec als Partner setzt, lässt darauf schließen, dass die Hamburger über einen außergewöhnlichen Ansatz im Bereich Wirkstoffforschung verfügen.

Durch die Kooperation mit Sanofi ergibt sich aber noch ein weiterer zukünftiger Gewinnhebel. So legen der Pharmamulti und Evotec ihre niedermolekularen Bibliotheken von 1,3 und 0,4 Millionen Substanzen zusammen und machen diese für Dritte zugänglich. Durch den Sanofi-Deal empfiehlt sich Evotec als Schwergewicht, das imstande ist, auch große Outsourcing-Pakete für Pharmakonzerne zu stemmen. Weitere Partnerschaften sind daher nur eine Frage der Zeit.

Sanofi ist jedenfalls mit Sicherheit nicht die einzige Firma, welcher die TargetAD-Datenbank von Evotec aufgefallen ist. Diese ermöglicht die Identifizierung neuartiger Targets (Wirkstoff- Zielverbindungen). Das maßgeschneiderte System ist in der Lage, einzigartige Informationen zur Verbindung zwischen molekularen und zellulären Veränderungen in den verschiedensten Körperbereichen zu liefern. Die Datenbanken und Bibliotheken von Evotec wären aber auch für IT-Firmen wie etwa Google hochinteressant. So könnte Evotec zum Beispiel Daten über neue Wirkstoffe bereitstellen, die IT-Firmen dann auf die Bedürfnisse von Gesundheitsdienstleistern oder Krankenhausverbänden zuschneiden. Dass das Prinzip der TargetAD-Datenbank funktioniert, beweist übrigens die TargetAD-Alzheimer- Kooperation mit Janssen Pharmaceuticals. Evotec konnte in diesem Bereich nicht nur mehrere Targets in den Wirkstoffforschungsprozess überführen sondern auch das Erreichen mehrerer Meilensteine bekanntgeben. Mit Janssen hat Evotec zudem drei Substanzen gegen Depressionen entwickelt – der Pharmakonzern will in diesem Zusammenhang mehrere klinische Phase- II-Studien durchführen.

Ein weiterer Paukenschlag war die vor wenigen Wochen durchgeführte Bekanntgabe von neuartigen humanen Betazellen sowie betazellregulierenden Medikamenten für die Diabetes-Therapie. Auch in diesem Fall konnten die Hamburger Sanofi als neuen Partner gewinnen. Evotec erhält eine Initialzahlung von drei Millionen Euro, Meilensteinzahlungen von 300 Millionen Euro sowie hohe Umsatzbeteiligungen.

Der US-Stammzellforscher Douglas Melton und sein Mitarbeiter Peng Yi entdeckten seinerzeit eine Substanz, die sie Betatrophin tauften. Die bahnbrechenden Erkenntnisse der beiden Forscher wurden im Fachblatt Cell im April 2013 veröffentlicht. Das Betatrophin bringt die Insulin produzierenden Betazellen in der Bauchspeicheldrüse dazu, sich 30-fach schneller zu vermehren. Das wurde in Anwendungen bei Mäusen bewiesen. Da das Hormon auch im menschlichen Körper ist, könnte Evotec einen Wirkstoff jetzt erstmals am Menschen testen. Das Problem bei Diabetes: Den betroffenen Menschen fehlt das körpereigene Hormon Insulin, das Zuckermoleküle im Blut abbaut. Das von Diabetikern gespritzte Insulin passt oft nicht zur Essensmenge, weil diese Dosis nicht genau zwar jahrzehntelang überleben, haben aber mit vielen Beschwerden zu kämpfen. Die gespritzten Insulindosen schädigen auf Dauer Nieren, Nerven, Augen und Herz-Kreislauf-System.

Die Lösung könnte das erwähnte Betatrophin sein. Sollte das Prinzip auch beim Menschen funktionieren, würde die Gabe des Hormons ausreichen, um körpereigene Stammzellen in Betazellen zu verwandeln. Damit wäre eine schlagkräftige Form der Selbsthilfe erreicht. Das enorme Potenzial dieser neuen revolutionären Diabetes-Therapie wurde auch schnell Dr. Werner Lanthaler klar, welcher sich die Rechte an Betatrophin bereits im März 2011 sichern ließ. Die Freundschaft von Dr. Lanthaler und Dr. Douglas Melton könnte sich für Evotec erweisen. So gilt Melton in den USA als „Stammzellenpapst“. Der Evotec-Lenker und Dr. Melton kennen sich bereits seit weit über 20 Jahren. Damals studierte Dr. Lanthaler in den USA an der Harvard University. Im Jahr 2010 holte Dr. Lanthaler den Fachmann Dr. Cord Dohrmann als Forschungsvorstand zu Evotec. Dr. Dohrmann war zuvor einer von Dr. Meltons Mitarbeitern. Die US-Forscher haben damit eine bahnbrechende Entwicklung einer kleinen Biotech-Firma anvertraut. Der Stammzellforscher Dr. Melton entschloss sich, Dr. Lanthaler die Aufgabe der Medikamentenentwicklung zu übertragen.

Keine Frage: Evotec hat sich auf wachstumsstärke Megamärkte ausgerichtet. So soll die Zahl der weltweit an Diabetes erkrankten Menschen von derzeit 390 auf 600 Millionen Menschen im Jahr 2035 ansteigen. Extrem aussichtsreich ist auch die Krebsimmuntherapie, welche bis zum Jahr 2023 auf ein globales Marktvolumen von 35 Milliarden Dollar kommen soll. Die von Evotec, Apeiron und Sanofi gemeinsam entwickelten Checkpoint-Antikörper könnten sich zur neuen tragenden Säule der Krebsbehandlung entwickeln.

Dank der neuen Kooperation mit Sanofi kann Evotec das Betazellen-Konzept nun endlich umsetzen. Spekulative Anleger steigen daher jetzt ein.

 


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