E.on
- Nikolas Kessler - Volontär

E.on zieht die Reißleine

Obwohl es eines der modernsten Gaskraftwerke in Europa ist, haben die Betreiber um den Energieriesen E.on die Stilllegung des Kraftwerks Irsching angekündigt. Hintergrund sei die mangelnde Perspektive für einen wirtschaftlichen Betrieb nach Auslaufen der derzeitigen Verträge mit dem Netzbetreiber, sagte ein Unternehmenssprecher. Die Auswirkungen auf den Kurs der E.on-Aktie halten sich zwar in Grenzen, im starken Marktumfeld reicht es am Montag aber trotzdem nur für die rote Laterne im DAX.

Konventionelle Kraftwerke unter Druck

Vor allem Gaskraftwerke leiden unter den Folgen der Energiewende. "Die zunehmenden Mengen subventionierten Stroms aus erneuerbaren Energien und die niedrigen Großhandelspreise für Strom lassen mittlerweile keinen Einsatz am Markt mehr zu", erklärten die Betreiber. Im Jahr 2014 hätte das Kraftwerk Irsching zu keiner Stunde Strom für den Markt produziert, heißt es in der Mitteilung weiter. Stattdessen sei es nur zur Stabilisierung des Stromsystems zum Einsatz gekommen. Die dafür vertraglich festgelegte Vergütung reiche aber gerade aus, um die laufenden Kosten zu decken. Wenn demnächst auch diese Verträge auslaufen und das Kraftwerk seine Kosten am Markt komplett selbst verdienen muss, drohen schnell rote Zahlen. Bevor es soweit kommt, zieht E.on nun die Reißleine.

Regierung kündigt Widerspruch an

Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel kündigte bereits an, dass die Bundesnetzagentur der Stilllegung widersprechen werde. Sollte Irsching als systemrelevant für die Stabilität der Stromversorgung eingestuft werden, würde es unter die Reserve-Kraftwerksverordnung fallen und müsste weiterbertrieben werden. Für diesen Fall kündigten die Betreiber bereits rechtliche Schritte an. Die Verordnung sei für ältere Kraftwerke gedacht und erkenne wesentliche Kostenfaktoren neuerer Anlagen nicht an. „Ein wirtschaftlicher Betrieb auf Basis dieser Verordnung ist somit nicht möglich. Die Eigentümer wären gezwungen, ihre Anlagen nicht kostendeckend zu betreiben“, erklärte ein Sprecher. Die Betreiber fordern deshalb eine Anpassung der Verordnung.

Kein Kauf!

Auch wenn sich die E.on-Aktie in der Vorwoche etwas stabilisiert hat und die ersten Analysten schon wieder bullish sind: Die Zukunft des Konzerns steht in den Sternen. Ob die geplante Aufspaltung und Neustrukturierung den erhofften Erfolg bringen wird, ist ungewiss. Anleger bleiben deshalb weiterhin an der Seitenlinie.

(Mit Material von dpa-AFX)

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