E.on
- DER AKTIONÄR

E.on: Das Desaster geht weiter – das steckt wirklich dahinter

Die Aktie von E.on stürzt am Mittwoch um weitere fünf Prozent ab. Seit Jahresbeginn summieren sich die Abschläge jetzt schon auf fast 50 Prozent. Für Alfred Maydorn ist diese Entwicklung keine große Überraschung. Er warnt schon lange vor einem Investment. Hier seine aktuelle Einschätzung zu E.on: 

Ein Kommentar von Alfred Maydorn 

Wissen Sie eigentlich was die Abkürzung E.on bedeutet? Ganz einfach, das „E“ steht für Energie, das „on“ soll ans Einschalten erinnern. Wenn man sich den Kursverlauf der Aktie so ansieht, dann wäre E.off aktuell sicherlich der passendere Name. Die drei Buchstaben wären aber auch eine prima Abkürzung für Energie Ohne Nachhaltigkeit. Denn der Energiekonzern setzt entgegen seinem sehr umweltbewussten Marketing weiter voll auf Kohle- und Atomstrom. In den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres lag der Anteil der Kernenergie an der gesamten Stromproduktion bei 56 Prozent, weitere 35 Prozent des Stroms wurden mit Kohle erzeugt. Der Anteil Erneuerbarer Energien belief sich auf geradezu kümmerliche neun Prozent. 

Von der Cashcow zum Problembär

E.on ist also alles andere als ein „grüner“ Energieversorger, sondern noch immer stark von der Atomkraft abhängig. Und die sorgt derzeit für die größten Probleme. Nicht nur, dass die Einnahmen in den kommenden Jahren sukzessive kleiner werden, je mehr Atomkraftwerke vom Netz gehen, sondern jetzt stellt sich auch noch heraus, dass die Rücklagen für die Stilllegung und vor allem für die Endlagerung des Atommülls nicht reichen.  Zumal ja die Frage der Endlagerung noch immer nicht geklärt ist. 

Natürlich weiß E.on nicht erst seit gestern, dass die Gelder nicht ausreichen – und so drängt sich schon der Verdacht auf, dass die geplante Auslagerung der Atom- Kohle- und Gaskraftwerke in eine neue Gesellschaft der Versuch war, sich um mögliche Zusatzkosten zu drücken. Das klappt nun nicht und E.on wird seine Atomkraftwerke mit all ihren Problemen behalten müssen. Richtig so, schließlich hat man auch über Jahrzehnte Milliarden mit ihnen verdient. 

Energie-Dilemma

Zusammengefasst lässt sich festhalten, dass E.on nicht nur die Energiewende verpennt hat, sondern sich auch aus der Verantwortung stehlen wollte, was den Atomausstieg betrifft. Jetzt kommt es doppelt dick: Bei den Erneuerbaren ist E.on kaum dabei und verdient zudem nur wenig Geld damit und die ehemalige Cashcow Atomkraft wird als Einnahmequelle nach und nach verschwinden und deren Rückbaus zusätzliche Kosten in Milliardenhöhe erfordern. 

Dass die Aktie in Anbetracht dieser Aussichten von einem Tief zu nächste stürzt, verwundert nicht. Ich habe mich vielmehr bisher immer gefragt, warum sich die Aktie noch so gut gehalten hat. Es gab ja in den vergangenen Monaten auch immer wieder neue Kaufempfehlungen von Analysten. Was haben die gesehen? Woher stammte der Optimismus? Jetzt sind die Dämme gebrochen und die Aktie fällt gewaltig. Wie weit? Schwer zu sagen. Der faire Wert für ein Unternehmen mit viel Substanz, aber hohen Schulden, unabschätzbaren Kosten und fast ohne jede Zukunftsperspektive lässt sich nur schwer ermitteln. 

Aber es ist meiner Ansicht nach wahrscheinlicher, dass die E.on-Aktie vom aktuellen Niveau aus weiter fällt, als dass sie sich nachhaltig erholt. Vielleicht stehen die drei Buchstaben E.on ja für Ergebnis-Offener Niedergang.

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  • Johannes Leßmann -
    Sehr geehrter Herr Maydorn, ich bin schon erstaunt, wie kurzsichtig Sie das Thema der Kosten des Atomausstieges kommentieren. Bei all den aktuellen Themen die sich rund um E.on und Co. abspielen, darf nicht vergessen werden, dass es eine Energiepolitik gab, die auf günstigen Strom ausgerichtet war. Sowohl die Politik als auch der Bürger haben dies über Jahrzehnte forciert und dankbar angenommen. Nun die Rückbauthematik einseitig auf den Erzeuger abzuwälzen, wird gerade in einem Land wie Deutschland, in dem das Thema Gerechtigkeit und Gleichbehandlung so hoch gehandelt wird, zu simpel und komplett unreflektiert.
  • Mark Meller -
    Wo bin ich? Diesen Kommentar hätte ich jetzt eher im Neuesn deutschland als beim Aktionär erwartet. Nach der ûberschrift hatte ich etwas anderes erwartet: nachdem mehrere Analysten gesagt haben die Rücklagenstudie (mit Annahme langfristig negativer Zinsen) ist quatsch. Warum fällt die Saktie trotzdem. Aber Herr M. repetiert lieber deutsche Stammtischmeinung...

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