Deutsche Börse
- Nikolas Kessler - Redakteur

Deutsche Börse: Neuer Chef macht Dampf – Übernahmen und höhere Wachstumsziele

Erst seit zwei Monaten hält Carsten Kengeter bei der Deutsche Börse die Zügel in der Hand, doch schon sorgt der Neue für Furore. Zum Wochenauftakt hat er nicht nur zwei Übernahmen, sondern auch die Zahlen für das zweite Quartal bekanntgegeben und die Unternehmensziele angehoben.

Die Deutsche Börse hat ihre Nettoerlöse im zweiten Quartal um 19 Prozent auf 583,1 Millionen Euro gesteigert. Grund für den Anstieg ist in erster Linie die Unsicherheit der Märkte im Zuge der Schuldenkrise in Griechenland und der Sorge um die Wirtschaftsentwicklung in China – denn während andere Unternehmen darunter leiden, profitiert die Deutsche Börse, weil Anleger ihr Depot häufiger umschichten müssen.

Bereinigt um Einmalkosten ist der operative Gewinn um 18 Prozent auf 287,1 Millionen Euro gestiegen, unter dem Strich steht ein Plus von knapp zehn Prozent auf 175,1 Millionen Euro. Analysten hatten mit einem größeren Überschuss gerechnet, dabei allerdings die höheren Sonderkosten für die laufenden Sparprogramme und die Übernahmepläne nicht berücksichtigt.

Neue Wachstumsziele

Unter dem Motto "Accelerate" (Beschleunigen) will Kengeter den Konzern agiler, effektiver und ambitionierter machen. "Unsere klare Vision ist, die Gruppe Deutsche Börse langfristig zum weltweit präferierten Marktinfrastrukturanbieter mit Spitzenposition in allen Tätigkeitsfeldern auszubauen", sagte der Manager. Pro Jahr sollen die Nettoerlöse nun um fünf bis zehn Prozent steigen, der operative Gewinn (EBIT) und der Überschuss um zehn bis 15 Prozent pro Jahr zulegen.

Die erst vor drei Monaten erhöhten Ziele für das laufende Jahr blieben dagegen unverändert. Das Unternehmen erwartet im Gesamtjahr 2015 Nettoerlöse von 2,2 bis 2,4 Milliarden Euro, der operative Gewinn soll bei 975 Millionen bis 1,175 Milliarden Euro landen. Verbunden mit den neuen Wachstumszielen ist ein weiteres Sparprogramm, mit dem die Kosten bis 2016 zusätzlich um 50 Millionen Euro gesenkt werden sollen.

Portfolio-Ausbau durch Übernahmen

Bereits am Sonntag hatte die Deutsche Börse die Übernahme der Devisenhandelsplattform 360T für 725 Millionen Euro verkündet. Durch den Kauf der außerbörslichen Plattform will sich der Börsenbetreiber ein neues Standbein im wenig regulierten, aber billionenschweren Devisenhandel erschließen.

Der zweite Streich folgte auf dem Fuß, denn am Montag hat das Unternehmen die Komplettübernahme des Index-Anbieters Stoxx sowie der Indexberechnungsfirma Indexium gemeldet. Umgerechnet rund 614 Millionen Euro muss die Deutsche Börse für die restlichen Anteile an den schweizerischen Börsenbertreiber und bisherigem Mitinhaber Six bezahlen. Der Deal soll noch in diesem Monat besiegelt werden.

Kaufen

Die Aktie der Deutschen Börse befindet sich weiterhin im Aufwärtstrend. Nach dem Ausbruch über die 80-Euro-Marke hat der DAX-Titel ein neues Mehrjahreshoch markiert. Den kleinen Rücksetzer können Anleger zum Einstieg nutzen. Das Kursziel des AKTIONÄR lautet 98,50 Euro. Ein Stopp bei 73 Euro sichert die Position ab.

(Mit Material von dpa-AFX)

Artikel kommentieren:

Um einen Kommentar zu schreiben, müssen Sie eingeloggt sein.
Sie besitzen noch kein Login? Dann registrieren Sie sich kostenfrei.

  • Es sind noch keine Kommentare vorhanden.

Videos zum Thema:

Der Aktionär TV

Mehr zum Thema:

| Fabian Strebin | 0 Kommentare

Deutsche Börse mit Gewinnsprung

Die Deutsche Börse hat im vergangen Jahr 811 Millionen Euro verdient und damit fast 14 Prozent mehr als noch 2015. Analysten hatten im Schnitt nur mit 805 Millionen Euro gerechnet. Auch die Aktionäre lässt der Marktbetreiber an seinem Erfolg teilhaben: Die Dividende steigt um zehn Cent auf 2,35 … mehr
| Fabian Strebin | 0 Kommentare

Deutsche Börse: Treten die Zahlen in den Hintergrund?

Die Deutsche Börse veröffentlicht morgen nach Handelsschluss ihre Zahlen zum vergangenen Jahr. Analysten erwarten, dass der Marktbetreiber den Gewinn je Aktie von 4,14 Euro im Vorjahr auf nun 4,59 Euro kräftig gesteigert hat. Doch das könnte nebensächlich werden. Bei dem Konzern geht es derzeit um … mehr
| Fabian Strebin | 0 Kommentare

Deutsche Börse: Hessen besteht auf Frankfurt

Die hessische Landesregierung besteht drauf, dass das der Sitz der Deutschen Börse nach der Fusion mit der London Stock Exchange (LSE) in Frankfurt bleibt. Das sagte der hessische Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) gegenüber Reuters. „Auch die Beteiligten in London müssten aus meiner Sicht … mehr