INFLARX
- Marion Schlegel - Redakteurin

Deutsche Biotechs starten durch – ein Geheimtipp

Die deutsche Biotechnologie-Branche ist erwachsen geworden. Die hiesigen Biotech-Unternehmen können immer mehr Zulassungen und Erfolge vorweisen. Immer mehr Firmen wagen auch den Gang an die US-Börse. Die gut 600 deutschen Biotechs (21 davon börsennotiert) haben ihren Umsatz 2017 um rund acht Prozent auf vier Milliarden Euro gesteigert. Zudem positiv: Mehr als 600 Millionen Euro frisches Kapital flossen 2017 in die Branche – gut ein Drittel mehr als im Vorjahr. Das zeigt der neueste Branchenreport der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft EY, der in Kooperation mit dem Branchenverband Bio Deutschland erstellt wird.

Dennoch sollten Anleger nicht wahllos bei jedem deutschen Biotech-Unternehmen zuschlagen. Die Crème de la Crème der Szene hierzulande ist ganz klar das Duo Evotec und Morphosys. Aber auch in der zweiten und dritten Reihe hat sich hierzulande einiges getan. Ordentlich Geduld mussten Anleger beispielsweise bei der auf die Behandlung von sonneninduziertem Hautkrebs spezialisierten Biofrontera mitbringen. Mittlerweile stehen hier die Zeichen ganz klar auf Grün. Sehr stark hat sich seit Mitte 2017 die Aktie von Medigene entwickelt, womit wir bei den kleinen spekulativen deutschen Biotech-Werten angelangt sind.

Geheimer Biotech-Hot-Stock

Von der breiten Anlegerschaft weitgehend unbemerkt ist vor Kurzem ein weiterer hochinteressanter Hot-Stock aus der deutschen Biotech-Szene an die Börse gegangen. Es handelt sich dabei um die Aktie von InflaRx. Die Jenaer haben sich auf die Entwicklung von First-in-Class-Blockern gegen Entzündungs- und Autoimmunkrankheiten spezialisiert. Am weitesten fortgeschritten ist der Produktkandidat IFX-1 gegen Hidradenitis suppurativa (HS). Darüber hinaus befindet sich der Wirkstoff gegen eine spezielle Form der Vaskulitis sowie andere chronische und Autoimmunerkrankungen in der Forschung.

Hidradenitis suppurativa ist eine langfristige, enorm belastende Hautkrankheit, die durch die Bildung knotiger Entzündungen im Bereich der Beugen wie Achseln, Leistengegend und Genitalbereich gekennzeichnet ist. Weltweit sind davon mehr als eine halbe Million Menschen betroffen. Patienten leiden an extremen Schmerzen und unangenehm riechendem Eiterausfluss. Häufig sind die Patienten sozial isoliert. Derzeit ist erst ein Medikament am Markt zur Behandlung zugelassen: Humira. Im vergangenen Jahr hat AbbVie in dieser Indikation rund 1,5 Milliarden Dollar eingenommen – dabei wurde nicht einmal ein Zehntel der HS-Patienten behandelt. Das Marktpotenzial ist also enorm. IFX-1 von InflaRx könnte sich im Erfolgsfall ein ordentliches Stück vom Marktanteil sichern. Insbesondere wenn sich die jüngsten Studien­ergebnisse der Phase 2a bestätigen, die wesentlich besser ausgefallen sind als bei Humira. Derzeit läuft eine Phase-2b-Studie, an der 175 Patienten teilnehmen sollen. Bereits im ersten Halbjahr 2019 sind hier die Ergebnisse zu erwarten. Durchaus möglich, dass IFX-1 einen „Priority Status“ erhalten wird und es dann recht schnell in Richtung Zulassung geht.

Der Antikörper IFX-1 scheint nach aktuellem Stand drei wichtigen Kriterien zu genügen, die wohl von keinem anderen Produktkandidaten weltweit in diesem Bereich derzeit erfüllt werden: Er kann das entzündungsauslösende Molekül zu 100 Prozent blockieren und damit die unkontrollierten Entzündungsreaktionen des Körpers unterbinden. Er lässt dabei andere wichtige Formationen intakt (spezifisch) und ist extrem schnell (hohe Affinität). Bestätigt sich dies alles in den zukünftigen Forschungsergebnissen, ergibt sich ein schier unglaubliches Potenzial – auch bei anderen Indikationen über HS hinaus. Selbst onkologische Indikationen könnten möglich sein.

Der Vorstandsvorsitzende Niels Riedemann erklärte hierzu im Gespräch mit dem AKTIONÄR: „Neben der bereits laufenden großen Phase-2b-Studie in der Indikation Hidradenitis suppurativa planen wir bei ANCA Vasculitis ebenfalls, im Jahr 2018 eine Phase-2-Studie zu starten. Darüber hinaus haben wir vor, eine bisher nicht publizierte weitere Indikation zu beginnen. Und wir arbeiten an weiteren Projekten. Das ist das Besondere an unserer Technologie. Viele inflammatorische, aber auch onkologische Anwendungen können damit adressiert werden. Bislang war es in der Forschung schwierig, ein Molekül zu erstellen, das diesen Signalweg blockiert. InflaRx hat in diesem Bereich einen Durchbruch mit einer neuen Technologie errungen und somit ein Alleinstellungsmerkmal im Markt erreicht. Die zugrunde liegenden Erfindungen wurden weltweit durch zahlreiche ausgestellte Patente gesichert.“ Das Unternehmen kann sich dabei auf einen komfortablen Kapitalstock verlassen.

Top-Biotechs „Made in Germany“

Die deutsche Biotech-Szene hat einiges zu bieten. Evotec und Morphosys sind bereits etabliert, haben aber ein extrem starkes Fundament, um auch in Zukunft überproportional wachsen zu können. Als Beimischung haben Anleger die Qual der Wahl aus einer Vielzahl interessanter Werte. Besonders aussichtsreich könnte sich ein Investment in InflaRx erweisen. Kann das Unternehmen mit IFX-1 überzeugen, ergibt sich enormes Potenzial für die Gesellschaft. Auch eine Übernahme ist nicht auszuschließen. Anleger sollten sich allerdings bewusst sein, dass es sich bei InflaRx um einen hochspekulativen Wert in einer noch frühen Phase handelt.

Hinweis: Es handelt sich um Auszüge aus einem Artikel in der AKTIONÄR-Ausgabe 19/2018, welche hier bequem als Download zur Verfügung steht.

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