Deutsche Bank
- Nikolas Kessler - Redakteur

Deutsche Bank: Wird jetzt auch gegen Vorstände ermittelt?

Im Steuerskandal um sogenannte Cum-Ex-Geschäfte hat die Staatsanwaltschaft Köln ihre Ermittlungen gegen die Deutsche Bank ausgeweitet. Laut Medienberichten sollen dabei inzwischen sogar frühere und derzeitige Mitglieder des Top-Managements ins Visier geraten sein. Wie reagiert die Aktie auf die neuen Negativ-Schlagzeilen?

Wie das Recherchenetzwerk von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung (SZ) meldet, hat die Kölner Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen wegen mutmaßlich krimineller Aktiengeschäfte und der Beihilfe dazu massiv ausgeweitet. Alleine bei der Deutschen Bank werde nun gegen rund 70 aktuelle und frühere Beschäftigte ermittelt, darunter auch Mitglieder des Top-Managements, schreibt die SZ.

Zu den Verdächtigen sollen unter anderem auch der frühere Vorstandschef Josef Ackermann und der heutige Vize-Vorstandschef Garth Ritchie zählen. Zudem seien die Ermittlungen nun auch auf Institute ausgeweitet worden, die an den umstrittenen Deals nur als Dienstleister beteiligt waren.

Deutsche Bank gibt sich gelassen

Bei der Deutschen Bank lässt man sich davon zunächst nicht aus der Ruhe bringen und verweist auf die gängige Praxis. Mit der Maßnahme solle die Verjährungsfrist unterbrochen werden. „Das ist ein übliches Vorgehen, und die Staatsanwaltschaft ist so auch bei anderen Banken verfahren“, erklärte ein Sprecher. Die Bank gehe nicht davon aus, „dass diese prozessuale Maßnahme auf einer geänderten Einschätzung durch die Staatsanwaltschaft beruht“.

Justizkreise bestätigen dieses Vorgehen auf Nachfrage des AKTIONÄR teilweise: Eine Ausweitung des Ermittlungsverfahrens kann, vorausgesetzt es besteht ein Zusammenhang, die Verjährungsfristen der Beschuldigten hemmen. Eine derartig umfassende Ausweitung des Verfahrens, allein um Fristen einzuhalten, ist jedoch nicht vorstellbar – insbesondere, da ein entsprechender Tatverdacht für die Aufnahme eines Ermittlungsverfahrens vorliegen müsse.

Schaden in Milliardenhöhe?

Die Staatsanwaltschaft hatte bislang seit August 2017 gegen zwei ehemalige Mitarbeiter der Deutschen Bank wegen der sogenannten Cum-Ex-Deals ermittelt. Dabei schieben Investoren rund um den Dividendenstichtag Aktien mit (cum) und ohne (ex) Ausschüttungsanspruch hin und her. Am Ende ist dem Fiskus nicht mehr klar, wem sie überhaupt gehören. Die Folge: Finanzämter erstatten Kapitalertragsteuern mehrfach, obwohl die Steuer nur einmal gezahlt wurde. Der Schaden zulasten des Staates soll in die Milliarden gehen.

 

Aktie meiden!

Die Aktionäre der Deutschen Bank kann die Ausweitung der Cum-Ex-Ermittlungen am Freitag nicht mehr schocken. Nachdem der Kurs am Donnerstagnachmittag erneut unter die 6-Euro-Marke gefallen war, geht es am Freitagvormittag wieder moderat aufwärts. DER AKTIONÄR hält aber weiterhin an der Verkaufsempfehlung für die Deutsche-Bank-Aktie fest.

Mit Material von dpa-AFX.

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