Deutsche Bank
- Martin Mrowka - Redakteur

Deutsche Bank: Die Ratten verlassen das sinkende Schiff

Während Deutschlands größte Bank mit ihrem Umbau kämpft, Abteilungen schließt, Personal abbaut und Kosten senkt, leidet auch ihr größter Aktionär. Der hoch verschuldete chinesische Mischkonzern HNA reduzierte bereits in den vergangenen Monaten seine Beteiligung an der Deutschen Bank. Nun steht er offenbar komplett vor dem Absprung. Die Deutsche-Bank-Aktie gehört am Freitag einmal mehr zu den größten Tagesverlierern im DAX.

Die HNA Group besitzt vor allem Fluggesellschaften und Hotels. In einem globalen Kaufrausch hatte man von 2015 bis 2017 für mehr als 40 Milliarden Dollar ganze Unternehmen und Beteiligungen an Firmen gesammelt - und damit einen Berg Schulden angehäuft. Einem bislang unbestätigten Bericht des Wall Street Journal zufolge will sich HNA nun auf Druck chinesischer Aufsichtsbehörden von einem großen Teil seiner Überseebeteiligungen trennen, auch von allen Anteilen an Deutschlands Bankenprimus. Peking fordere, HNA solle sich auf das Fluglinien-Geschäft konzentrieren. 

Milliarden-Beteiligungen stehen zur Disposition

Der Mischkonzern verhandelt demnach über den Verkauf des amerikanischen Technologie-Distributors Ingram Micro Inc. sowie die Zürcher Frachtgesellschaft Swissport International. Gleichzeitig stehen noch Anteile an Dutzenden chinesischen Banken, Trusts und Versicherungsgesellschaften zum Verkauf. Inklusive der 7,6-prozentigen Beteiligung an der Deutschen Bank, die in den nächsten 18 Monaten sukzessive abgebaut werden soll, summieren sich die noch zum Verkauf stehenden Vermögenswerte auf rund 10 Milliarden US-Dollar, schätzt das Wall Street Journal.

HNA hat Schuldenprobleme, das Geschäft der Deutschen hat Verluste generiert. Wer das "sinkende Schiff" aus der Überschrift ist, steht demnach nicht fest. Noch sind die Chinesen auf jeden Fall größter Aktionär bei der Bank - vor dem Emirat Katar und dem US-Vermögensverwalter Blackrock. Den Großteil der Anteile an der Deutschen Bank (6,63 Prozent) hat HNA bei der Schweizer Großbank UBS geparkt und über Finanzinstrumente abgesichert. Im Fall eines Verkaufs der Aktien sollten somit die negativen Auswirkungen auf den Kurs der Deutschen Bank begrenzt bleiben.

Aktie fällt auf Zwei-Monats-Tief

Doch allein die Spekulationen über den HNA-Ausstieg sorgen für weitere Unruhe bei dem Geldhaus. Zwar dürfte der Schlussstrich unter die schwierige Beziehung zwischen der Deutschen Bank und den Chinesen letztlich sogar stabilisierend auf den DAX-Wert wirken. Zunächst drückt er jedoch auf den Kurs. Die Aktie der Deutschen Bank fiel am Freitag zeitweise bis auf 9,50 Euro und damit auf den tiefsten Stand seit Mitte Juli. 

Die jüngste Seitwärtsrange wurde nun nach unten verlassen, was technisch betrachtet weitere Kursverluste nach sich ziehen könnte. Ein Test des Tiefs bei 8,76 Euro ist nicht ausgeschlossen. Das Analysehaus RBC hat gerade sein Kursziel von 8 Euro bestätigt. Langfristig orientierte Anleger sollten die Entwicklung weiterhin von der Seitenlinie aus beobachten.

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