Deutsche Bank
- Michael Schröder - Redakteur

Deutsche Bank: 6 Analysten - 6 verschiedene Kursziele

Ein harter Sparkurs soll die Deutsche Bank wieder profitabler machen. Ihre zuletzt arg gebeutelten Aktionäre will die Bank mit hohen Ausschüttungen bei der Stange halten: Künftig soll mindestens die Hälfte des Gewinns über Dividenden und Aktienrückkäufe an die Anteilseigner fließen. Die Strategiepräsentation kommt nicht wirklich gut an. Die Aktie ist zu Wochenbeginn der Top-Verlierer im DAX. Das sagen die Analysten.

Allein mit der Trennung von der Tochter Postbank will die Bank ihre Kosten um drei Milliarden Euro jährlich drücken. Zudem schließt Deutschlands größtes Geldinstitut gut jede vierte eigene Filiale in seinem Heimatmarkt und will sich aus sieben bis zehn Auslandsmärkten zurückziehen. Um rund 150 Milliarden Euro eingedampft wird auch das Kapitalmarktgeschäft. "Wir werde nicht mehr versuchen, alles für jeden zu sein", erklärte Co-Chef Jürgen Fitschen am Montag in Frankfurt.

Gleichwohl bekenne sich der DAX-Konzern zum Modell einer Universalbank mit Angeboten für Privatkunden, Unternehmen und Finanzprofis. Dabei will die Deutsche Bank schlagkräftiger werden, indem sie in den nächsten drei bis fünf Jahren bis zu eine Milliarde Euro in den Ausbau digitaler Angebote steckt. Ausgebaut werden sollen zudem die Vermögensverwaltung für reiche Kunden und das Transaktionsmanagement für große Firmen.

Deutschlands größtes Geldhaus reagiert auf verschärfte Anforderungen der Aufseher weltweit, die zum Beispiel immer mehr Eigenkapital für Anlagen verlangen. Im ersten Quartal machten Altlasten erneut den Aufschwung im Tagesgeschäft zunichte.

Im Anschluss meldeten sich die Analysten reihenweise zu Wort:

Die US-Investmentbank Morgan Stanley hat die Einstufung für Deutsche Bank auf "Equal-weight" mit einem Kursziel von 36 Euro belassen. Nach den unerwartet positiven Quartalszahlen sollten Anleger Gewinne mitnehmen, sobald die Aktie in Richtung seines Kursziels laufe, so Analyst Huw Van Steenis. Der Experte liegt für den deutschen Branchenprimus mit seinen Prognosen für 2016 und 2017 unter den Konsenserwartungen. Er begründete dies mit den hohen Kosten für Rechtsstreitigkeiten, dem belastenden Privatkundengeschäft und der Notwendigkeit zum Schuldenabbau.

Die DZ Bank hat den fairen Wert für Deutsche Bank von 35 auf 34 Euro gesenkt, die Einstufung aber auf "Kaufen" belassen. Die größte deutsche Bank habe im ersten Quartal von einem Anstieg der Nettoerträge im Aktien- und Anleihehandel profitiert, so Analyst Christian Koch in einer Studie vom Montag. Das mittelfristige Ziel für die Eigenkapitalrendite habe aber enttäuscht. Die Höhe des Bewertungsabschlags sei nicht gerechtfertigt.

Das japanische Analysehaus Nomura hat die Einstufung für Deutsche Bank auf "Neutral" mit einem Kursziel von 32 Euro belassen. Die vorab veröffentlichten Ergebnisse des deutschen Branchenprimus zum ersten Quartal 2015 zeigten eine solide Entwicklung, so Analyst Jon Peace. Die weitere Entwicklung werde aber von der eingeleiteten Restrukturierung bestimmt
werden.

Die NordLB hat Deutsche Bank von "Kaufen" auf "Halten" abgestuft und das Kursziel von 35 auf 31 Euro gesenkt. Das Geldhaus habe abermals starke Resultate vorgelegt, die aber wieder von hohen Kosten für Rechtsstreitigkeiten belastet worden seien, so Analyst Michael Seufert. Zudem sei der Strategieplan 2020, der den Abbau des Massengeschäfts mit Krediten und Einschnitte im Investmentbanking vorsehe, an der Börse mit Enttäuschung aufgenommen worden. Er sieht derzeit wenig Potenzial für die Aktie.

Die Investmentbank Equinet hat die Einstufung für Deutsche Bank nach Zahlen und mit Blick auf die neue Strategie auf "Neutral" mit einem Kursziel von 30 Euro belassen. Dass die Deutsche Bank entgegen der wochenlangen Gerüchte am Modell einer Universalbank festhalte, sollte nicht zu negativ gesehen werden, so Analyst Philipp Häßler. Die Finanzierung einer alleinstehenden Firmenkunden- und Investmentbank wäre sicherlich eine Herausforderung gewesen, und der Investmentbereich habe schließlich Chancen auf deutliche Ergebnissteigerungen. Die Trennung von der Postbank-Mehrheit zeige jedoch, dass die Übernahme ein falscher Schritt gewesen sei.

Die französische Großbank Societe Generale (SocGen) hat die Einstufung für Deutsche Bank auf "Sell" mit einem Kursziel von 23 Euro belassen. Die neue Strategie des deutschen Branchenprimus sorge bei ihm nicht gerade für eine steigende Zuversicht, so Analyst Andrew Lim. Er könne mittelfristig nicht die angestrebten Kostensenkungen
sehen.

DER AKTIONÄR bleibt zuversichtlich: Kaufargumente bei dem DAX-Titel sind vor allem die günstige Bewertung sowie die Fantasie, dass durch den Konzernumbau endlich alles – oder zumindest vieles – besser wird. Dennoch sollte der Stopp bei 26,50 Euro beachtet werden.

(Mit Material von dpa-AFX)

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| Fabian Strebin | 0 Kommentare

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