Brain Force Holding
- DER AKTIONÄR

Der Visionär

Vorstandschef Helmut Fleischmann will den österreichischen IT-Dienstleister Brain Force zu einem internationalen Konzern ausbauen. Frisches Kapital steht bereit.

Vorstandschef Helmut Fleischmann will den österreichischen IT-Dienstleister Brain Force zu einem internationalen Konzern ausbauen. Frisches Kapital steht bereit.

DER AKTIONÄR nahm die erfolgreiche Platzierung der Kapitalerhöhung zum Anlass, Brain-Force-Chef Helmut Fleischmann zu den weiteren Perspektiven des mittelständischen IT-Dienstleisters zu befragen.

DER AKTIONÄR: Herr Fleischmann, die soeben abgeschlossene Kapitalerhöhung beschert Brain Force einen Mittelzufluss von 15,9 Millionen Euro. Wofür wollen Sie diese Mittel verwenden?

Helmut Fleischmann: Der Großteil des Betrags ist für Übernahmen reserviert. Wir haben dank unserer Buy-and-Build-Strategie die Positionierung des Konzerns in den vergangenen Jahren kontinuierlich optimiert und die Gewinnmargen gesteigert. Genau diese Strategie werden wir auch in Zukunft fortsetzen und uns damit von unseren Wettbewerbern abheben.

Ist dies das Erfolgsrezept von Brain Force?

Ja, unsere konsequente Fokussierung auf ein überproportionales, margenträchtiges Wachstum durch Akquisitionen. Sowie eine effektive Steuerung des Prozesses zur Integration neu erworbener Unternehmen. Hinzu kommt eine stabile und über Jahre aufgebaute Kundenbasis. Denn unsere Kunden wissen die Mehrwerte, die sie mit unseren IT-Services und ?Lösungen erzielen, sehr zu schätzen. Diese breite Kundenbasis ermöglicht uns einen vereinfachten Marktzugang für neue Produkte.

Wie sieht Ihr Resümee für 2005 aus?

Ich bin sehr zufrieden! Das operativ erreichte Ergebnis pro Aktie liegt leicht über Plan. Wir hatten uns 0,19 Euro vorgenommen, tatsächlich erreicht haben wir 0,20 Euro. Dank der Effekte aus den Akquisitionen und wegen der steuerlichen Behandlung des eingeleiteten Squeeze-out bei der Brain Force Financial Solutions AG sind nochmals 0,10 Euro im Ergebnis pro Aktie hinzugekommen.

Ist die im letzten Jahr begonnene Umstrukturierung abgeschlossen oder ist in 2006 noch mit Belastungen zu rechnen?

Die Reorganisation ist abgeschlossen. Ich vermeide hier den Ausdruck Umstrukturierung absichtlich, da er immer mit Stellenabbau assoziiert wird. Wir haben den Konzern stattdessen optimal auf die geplanten Wachstumsschübe vorbereitet. Somit verfügen wir nun über ein kleines, aber schlagkräftiges Team in der Brain Force Holding AG, das sich um alle Herausforderungen rund um geplante Akquisitionen kümmert - von der Planung bis zur Integration in die operativen Unternehmenseinheiten.

Sie wollen 2006 ein EBIT von mindestens 4,5 Millionen Euro erreichen, Analysten sehen es bei 5,4 Millionen Euro. Haben Sie Ihre Benchmark zu niedrig angesetzt?

Die von uns genannten Zahlen sind konservative Planzahlen, die unter normalen - und nicht nur unter guten - Umständen realistisch gesehen erreichbar sind. Wir übertreffen lieber unsere Planvorgaben als dass wir in der Endabrechnung darunter liegen.

Ihre geografische Umsatzverteilung zeigt bisher Deutschland, Italien und Österreich als die Umsatzträger. In welche Länder wollen Sie künftig expandieren?

Nach den Akquisitionen des Vorjahres werden natürlich 2006 zusätzlich die Niederlande eine relevante Rolle spielen. Die Erschließung neuer Märkte über Vertriebspartner wird ebenfalls zunehmend wichtiger. Hinzu kommen weitere Übernahmen. In Bezug auf die Umsatzverteilung werden sich diese Entwicklungen aber erst frühestens 2007 auswirken.

Wie sieht Ihre Strategie zur Markterschließung von Osteuropa aus?

Wie schon erwähnt, gehen wir die Märkte mit Vertriebspartnern für den Lizenzvertrieb an. Es ist aber durchaus auch mit Übernahmen von passenden Unternehmen in diesen Regionen zu rechnen.

Sie weisen derzeit einen Auftragsbestand von 21 Millionen Euro aus. Bis wann werden diese Aufträge ergebniswirksam?

Das lässt sich pauschal nicht sagen. Die Projekte im Services- und Lösungsgeschäft haben eine durchschnittliche Laufzeit von drei bis neun Monaten. Bei der Wartung beträgt dieser Wert zumeist ein Jahr.

Zum Beispiel bei den Outsourcing-Dientsleistungen zählen aber auch Verträge mit einer Laufzeit von bis zu fünf Jahren zum Auftragsbestand.

Werden sich die Verzögerungen bei der Auslieferung von Microsoft Vista in Ihrer Ergebnisrechnung niederschlagen?

Nein, der große Migrations-Schub wird sowieso nicht unmittelbar nach der Markteinführung kommen. Für uns war es in 2006 immer das Ziel, uns in unseren Heimatmärkten mit den Lösungen zum Migrationsmanagement als starker und kompetenter Partner zu positionieren. Das ist unabhängig von der VistaMarkteinführung zu sehen.

Sie werden für das Geschäftsjahr 2005 eine Dividende in Höhe von acht Cent ausschütten. Dürfen sich Ihre Aktionäre auch zukünftig über steigende Dividenden freuen?

Mit steigenden Ergebnissen pro Aktie werden auch die Dividenden steigen. Wir haben uns im letzten Jahr entschieden, dass Brain Force ein Dividendenwert ist und werden das so beibehalten.

Der Aktienkurs konnte mit der operativen Entwicklung in den letzten Monaten nicht Schritt halten. Worauf führen Sie den unbefriedigenden Kursverlauf zurück?

Zur Zeit gibt es einfach zu wenige institutionelle Anleger, die sich aktiv um die Kurspflege kümmern. Mit der aktuellen Kapitalerhöhung werden wir bei der Marktkapitalisierung die wichtige Marke von 50 Millionen Euro überschreiten. Sie verschafft uns außerdem die nötigen Mittel für weitere Akquisitionen. Mit diesen werden wir die ebenfalls sehr wichtige Grenze von 100 Millionen Euro beim Umsatz überschreiten. Nach Erreichen dieser beiden Werte wird die Brain-Force-Aktie zukünftig vermehrt von langfristig interessierten, institutionellen Anlegern auf den Schirm genommen werden, die sich permanent für unser Papier interessieren werden.

Welche Umsatzgröße streben Sie mittelfristig an?

Meine Vision besteht darin, einen internationalen Konzern aufzubauen - dessen Aktivitäten zum Beispiel auch die USA umfassen - und der einen Umsatz von 500 Millionen Euro einfährt. Damit spielt er noch mal in einer ganz anderen Liga, als wir das zur Zeit tun. Dieses Fernziel wird sich nicht in den nächsten beiden Jahren erreichen lassen. Aber in den Jahren ab 2010 halte ich das durchaus für realistisch.

Vielen Dank für das Interview.

 

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