DAX
- Jochen Kauper - Redakteur

Marktexperte Thomas Gebert: „Attraktiv sind die Aktien im Moment alle nicht“

Die Krim-Krise hat den deutschen Aktienmarkt weiterhin fest im Griff. Große Sprünge nach oben sind derzeit nicht zu erwarten. Unabhängig davon blickt Börsenexperte Thomas Gebert lieber auf das große Bild. Dazu hat er einen eigenen Indikator entwickelt, der klare Ein- und Ausstiegssignale für den Markt liefert. Im Interview mit dem AKTIONÄR äußert sich Gebert über die aktuelle Marktlage und attraktive Unternehmen.
  

DER AKTIONÄR: Herr Gebert, wo sehen Sie Risiken, die der Börse wirklich gefährlich werden könnten?
Thomas Gebert: Ich habe in den letzten 35 Jahren noch keinen Börsenzusammenbruch und keine Krise gesehen, denen nicht deutlich steigende Inflationsraten und Zinsen vorausgegangen wären. Wenn also die Teuerungsraten niedrig und die Zinsen tief bleiben, was ich vermute, droht nichts wirklich Schlimmes.

Welche Branchen beziehungsweise Einzelwerte sind schon zu gut gelaufen und sollten gemieden werden?
Nun, ich finde nicht, dass die Aktien und Branchen, die gut gelaufen sind, gemieden werden sollten. Im Gegenteil, die Aktien und Branchen, die nicht gelaufen sind, sollten gemieden werden, weil mit denen irgendetwas nicht stimmt, wie zum Beispiel RWE und E.ON. Auch die Emerging Markets sehen billig und zurückgeblieben aus, aber zu Recht, wie ich finde. Wollen Sie wirklich Ihr Geld in Russland oder China wissen? In China ist gar nicht mal klar, an was man als Aktionär eigentlich beteiligt ist. China ist ein kommunistisches Land.

Welche Aktien sind jetzt attraktiv und warum?
Über die Maßen attraktiv sind die Aktien im Moment alle nicht. Vom Tiefpunkt aus sind im Mittel bereits 160 Prozent gestiegen. Noch einmal 160 Prozent steigen sie jetzt nicht mehr.

Wenn jemand neu an der Börse ist, welche drei Basisinvestments würden Sie ihm empfehlen?
Käme ich heute neu hinzu, würde ich zunächst nichts machen und bis Mitte Mai warten. Notiert der Dax dann unter 9.000 Punkten, was ich vermute, würde ich einen DAX-ETF kaufen. Der Rest des Jahres könnte dann ganz freundlich verlaufen. Bei Kursen über 9.000 Punkten Mitte Mai würde ich weiterhin nichts machen.

Thema Gold: Erleben wir gerade eine historische Kaufchance oder geht es noch weiter nach unten?
Gold scheint mir korrekt bewertet zu sein. Über die Jahrhunderte hinweg richtete sich der Preis fürs Gold wie auch der für andere Rohstoffe in etwa nach den Produktionskosten. Die größte Goldminengesellschaft der Welt, Barrick, gibt etwa 900 Dollar für jede Unze aus, die sie aus der Erde holt. Insofern halte ich den aktuellen Preis für angemessen.

Artikel kommentieren:

Um einen Kommentar zu schreiben, müssen Sie eingeloggt sein.
Sie besitzen noch kein Login? Dann registrieren Sie sich kostenfrei.

  • Es sind noch keine Kommentare vorhanden.

Videos zum Thema:

Der Aktionär TV

Mehr zum Thema:

| DER AKTIONÄR | 0 Kommentare

Abkassieren mit Übernahmen - Diese 7 deutschen Firmen stehen nach dem Bayer-Monsanto-Megadeal verstärkt im Visier +++ 60%-Chance mit Biotechfirma +++ "TESLA wird untergehen": Ex-GM Boss Bob Lutz teilt aus +++ Apple Kult: Gewinngarant iPhone 7

10%, 20% … 40% Derzeit vergeht kaum eine Woche ohne eine Übernahme. Satte Prämien sind dabei keine Seltenheit. Kein Wunder: Die Notenbanken stellen den Unternehmen reichlich Kapital zum kleinen Preis zur Verfügung. Zudem sind die Firmenkassen prall gefüllt. Um ihre Wachstumsstory aufrecht zu … mehr