DAX
- Alfred Maydorn - Redakteur

DAX 30.000, Dow Jones 53.000! Der Bullenmarkt hat gerade erst begonnen

Ein Kommentar von Alfred Maydorn: Viele Experten sehen so langsam das Ende der mehrjährigen Aufwärtsbewegung an den Aktienmärkten gekommen, die schließlich schon im Jahr 2009 begann, also mittlerweile acht Jahre andauert. Aber hat der laufende Bullenmarkt tatsächlich schon im Jahr 2009 begonnen? Der Finanzexperte Stephen Suttmeier der Bank of America Merrill Lynch sieht das anders. Denn dem US-Aktienmarkt gelang erst im April des Jahres 2013 der Ausbruch über die Vor-Finanzkrisen-Höchstkurse. Und dieser Ausbruch war Suttmeiers Ansicht nach der Beginn eines neuen „Säkularen Bullenmarktes“, also eines langjährigen, übergeordneten Aufwärtstrends. 

Der dritte säkulare Bullenmarkt

Seit dem zweiten Weltkrieg gab es zuvor erst zwei säkulare Bullenmärkte. Einen von 1955 bis 1967, als die Nachkriegskonjunktur in den USA bis dato ungeahnten Wohlstand brachte und den zweiten von 1980 bis zum Jahr 2000, als vor allem die massiven Produktionssteigerungen der Unternehmen die Kurse nach oben trieben. Hilfreich waren in den 80er-Jahren auch die fallenden Zinsen. Aber genau die werden dem jetzt laufenden Bullenmarkt nicht helfen. Im Gegenteil, die Zinsen werden vermutlich in den kommenden Jahren sogar steigen. 

Aber auch in einer Zeit steigender Zinsen kann es einen Bullenmarkt geben, wie die 1950er-Jahre eindrucksvoll beweisen haben. Obwohl die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihen von 1950 bis 1967 von unter zwei auf über fünf Prozent zugelegt hat, stieg der S&P 500 im gleichen Zeitraum um 460 Prozent. Es geht also sehr wohl, dass Aktien und Zinsen parallel steigen.  

S&P 500 (schwarz), Rendite 10jährige (rot)

 

Stimmungswechsel in diesem Jahr

Ähnlich wie der Bullenmarkt der Nachkriegszeit startete auch der im Jahr 2013 begonnene eher bedächtig und von vielen Zweifeln begleitet. Es hat auch damals Jahre gedauert, bis die Mehrheit der Anleger davon überzeugt war, sich tatsächlich in einem längerfristigen Bullenmarkt zu befinden. Suttmeier glaubt, dass der Stimmungswechsel in diesem Jahr gelingen könnte und sich der Aufwärtstrend dann sogar beschleunigt. Innerhalb von nur zwei Jahren ist ein Anstieg des S&P 500 auf 3.000 Punkte möglich, was vom aktuellen Niveau (2.372 Punkte) einem Zuwachs von 26 Prozent entspricht. Und sollte sich der aktuelle Bullenmarkt tatsächlich so wie damals entwickeln, dann können in den nächsten zehn Jahren auch über 6.000 Punkte erreicht werden.  

Bullenmärkte im direkten Vegleich: Aktuell (schwarz), 1950er (Gold), 1980er (blau)

6.000 Punkte entsprächen vom aktuellen Niveau aus einem Anstieg um 153 Prozent. Übertragen auf den Dow Jones sprechen wir hier also von fast 53.000 Punkten, der DAX würde auf über 30.000 Punkte zulegen. Klingt wirklich astronomisch, aber verteilt auf zehn Jahre ist es gar nicht so viel – in etwa zehn Prozent pro Jahr. 

Ein schönes Muster

Natürlich ist es alles andere als sicher, dass sich die Entwicklung der 50er-Jahre wiederholt, aber gerade an der Börse gibt es eine sehr starke Tendenz zu wiederkehrenden Mustern. Und das „Nachkriegsbullenmarkt-Muster“ würde uns ganz gut stehen, denke ich. 

Dieser Kommentar ist aus der der aktuellen Ausgabe des kostenlosen Newsletters „Maydorns Meinung“. Wenn Sie noch nicht zu den Lesern zählen sollten, dann können Sie sich einfach über diesen Link in den Verteiler eintragen und bekommen Maydorns Meinung von Montag bis Donnerstag jeden Morgen in Ihr E-Mail-Postfach.

Artikel kommentieren:

Um einen Kommentar zu schreiben, müssen Sie eingeloggt sein.
Sie besitzen noch kein Login? Dann registrieren Sie sich kostenfrei.

  • Es sind noch keine Kommentare vorhanden.

Videos zum Thema:

Der Aktionär TV

Mehr zum Thema:

| Thomas Bergmann | 1 Kommentar

DAX nach Euro-Schock unter Druck - Gefahr im Verzug

Die amerikanische Notenbank hat wie erwartet die Finanzmärkte auf die nächste Zinserhöhung eingestimmt. Doch gleichzeitig zeigt sie sich besorgt angesichts der niedrigen Teuerung. Die Zahl der Zinsanhebungen im nächsten Jahr könnte daher geringer ausfallen. Entsprechend schwach tendiert der Dollar, … mehr
| Thomas Bergmann | 0 Kommentare

DAX: Angst vor der eigenen Courage?

Am Tag vor Thanksgiving nimmt sich der DAX eine Auszeit. Einzig die Versorger-Aktien und der Autobauer BMW weisen am Buß- und Bettagein dickeres Pluszeichen auf. Immerhin hält sich der deutsche Leitindex oberhalb einer wichtigen Unterstützung. mehr
| Thomas Bergmann | 0 Kommentare

DAX: Warten auf den Knalleffekt

Nach dem starken Reversal am Vortag tritt der deutsche Aktienmarkt heute auf der Stelle. Offensichtlich müssen sich die DAX-Anleger erst einmal mit der neuen Situation vertraut machen. Zudem gibt es keinerlei Impulse von Unternehmensseite, die für frische Impulse sorgen könnten. mehr
| Thomas Bergmann | 1 Kommentar

Jamaika am Ende - DAX-Hausse auch?

Die Freien Demokraten haben unerwartet die Jamaika-Verhandlungen platzen lassen und damit die Börsen in Aufruhr versetzt. Vor Handelseröffnung auf Xetra ist der DAX unter die Marke von 12.900 Punkten abgetaucht. Die Umkehrformation, die der deutsche Leitindex zuletzt ausgebildet hatte, ist damit … mehr