WCM
- Thomas Bergmann - Redakteur

Das Comeback des Jahres - jetzt hochoffiziell!

Karl Ehlerding ist eine Legende. Mit seiner WCM hatte er in den 1990er-Jahren durch Immobiliengeschäfte und Firmenbeteiligungen ein Vermögen aufgebaut. Zeitweise war die Gesellschaft sieben Milliarden Euro schwer und ein Kandidat für den DAX. Eines Tages wollte Ehlerding die Commerzbank schlucken, doch blieb ihm dieser Bissen im Hals stecken. Die Folge: Insolvenz. Jetzt will der Starinvestor aber wieder durchstarten ... mit WCM.

Aufhebung der Insolvenz

Nach Aufhebung der Planüberwachung durch einen Insolvenzverwalter Ende Oktober hat WCM mit dem Kauf eines ersten Immobilienportfolios den Startschuss für einen Neuanfang gegeben. Das Portfolio umfasst zum einen drei Büroimmobilien in Bonn, Düsseldorf und Frankfurt. Verkäufer ist GE Real Estate, der Kaufpreis für 94,9 Prozent der Anteile beträgt 64 Millionen Euro. Die werden finanziert über Kredite sowie über eine Kapitalerhöhung (14,4 Millionen Aktien) mit Bezugsrecht zum Ausgabepreis von 1,30 Euro je Aktie. Zum anderen erwirbt WCM 92,9 Prozent einer Industrieimmobilie in Bremerhaven, die aus dem Dunstkreis von Ehlerding stammt. Diese wird wiederum über eine Sacheinlage und die Ausgabe von 4,9 Millionen Aktien zu je 2,70 Euro in die Gesellschaft eingebracht.

Gewerbe statt Wohnen

WCM will sich künftig ausschließlich auf Gewerbeimmobilien (Büro, Einzelhandel) konzentrieren. Laut Vorstand Stavros Efremidis ist das Potenzial hier deutlich größer als im Bereich Wohnen. Der Immobilienbestand soll perspektivisch auf eine Milliarde Euro ausgebaut werden.

Die nötige Firepower hat WCM, die Gesellschaft verfügt über ein genehmigtes Kapital von 144 Millionen Euro. Es können folglich einige Bestände über Sachkapitalerhöhungen gekauft werden. Nicht zu vergessen sind die steuerlichen Verlustvorträge von mehr als einer halben Milliarde Euro, die WCM mit sich herumträgt. Das garantiert, dass Gewinne, sofern sie erzielt werden, auf Jahre hinaus nicht versteuert werden müssen.

Vorstand investiert in WCM

Das Wachstum managen soll Efremidis, ein ausgewiesener Immobilienprofi mit 20 Jahren Berufserfahrung und langjähriger Weggefährte Ehlerdings. Der 46-jährige Kunstliebhaber hatte bereits als Vorstand der KWG Kommunale Wohnen, an der Ehlerding ebenfalls beteiligt war, den Immobilienbestand von drei auf 400 Millionen Euro gesteigert. Anschließend verkaufte er die Mehrheit des Konzerns an die österreichische Conwert AG, wo er einige Monate als Geschäftsführer tätig war.

Efremidis ist aber nicht nur Erfüllungsgehilfe für Ehlerding, er geht auch ins Risiko. Der Manager hat im Rahmen der laufenden Kapitalerhöhung (bis 23. Dezember) eine verbindliche Zeichnungszusage für nicht bezogene Aktien im Umfang von bis zu 2,3 Millionen Aktien abgegeben - ein starker Vertrauensbeweis. Doch auch einige Altaktionäre haben umfassende Übernahmeverpflichtungen für Aktien sowie verbindliche Finanzierungszusagen abgegeben.

Mittlerweile hat auch die Hauptversammlung die Basis für den Neustart geschaffen. Am gestrigen Donnerstag wurden alle Tagesordnungspunkte von den anwesenden 170 Aktionären mit sehr großer Mehrheit (93 Prozent der Stimmen) abgesegnet. Der Frankfurter Immobilienfachmann Arthur Ronny Wiener wurde neu in den Aufsichtsrat gewählt.

Spannende Turnaround-Story

WCM könnte eine der Erfolgsstorys 2015 sein. Dank Ehlerding und Efremidis verfügt die Gesellschaft über einen erstklassigen Zugang zu Immobiliendeals und zu namhaften Partner wie GE Real Estate. Efremidis ist es zuzutrauen, dass er dieses Potenzial wertsteigernd für die Aktionäre nutzt. Aufgrund des geringen Börsenwerts und der kurzen Historie der neuen WCM sollte die Aktie allerdings nur als kleine Depotbeimischung betrachtet werden. Möglicherweise kommt man noch einmal bei Kursen um 1,40 Euro zum Zug.

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