Daimler
- Werner Sperber - Redakteur

Daimler: Mit Apple und Google gegen die "Volkswagen-Probleme"?

Wenn es momentan schon dauernd Ärger gibt, weil Wettbewerber Volkswagen Abgaswerte verfälscht hat, ist eine mögliche Strategie von Daimler interessant: Lasst die Stromkonzerne für die Abgaswerte von (rein elektrisch angetriebenen) Autos verantwortlich sein. Bei den Analysten sind andere Themen wichtig für teils neue Kursziele von Daimler.

Volkswagen hat bei den Abgaswerten von Dieselautos (vielleicht auch in juristischem Sinn) betrogen. Seither stehen die Fahrzeugkonzerne unter Generalverdacht. Segolene Royal, Umweltministerin von Frankreich, sagte, Renault und mindestens zwei ausländische Marken hätten bei Untersuchungen unter Realbedingungen Abgasnormen überschritten. Außer bei Volkswagen sei jedoch keine Betrugssoftware gefunden worden. Neben Renault und Opel muss Daimler zum Rapport. Einem Konzernsprecher zufolge, haben die französischen Behörden für Donnerstag, 28. Januar, "Experten aus Entwicklung und Zertifizierung" zu einem Treffen gebeten, um neue, dem Konzern bereits mitgeteilte Messergebnisse zu besprechen. Bei diesem Treffen würde Daimler "detailliert Informationen zur Testprozedur erhalten". Zu den Mess-Ergebnissen sagte der Sprecher nichts.

Im Silicon-Valley, aber nicht bei Apple und Google?
Google entwickelt seit längerem Automobile, die rein elektrisch angetrieben werden und sich selbst steuern können. Gerüchten zufolge macht Apple das Gleiche und möchte einen solchen Pkw im Jahr 2019 auf den Markt bringen. Daimler-Vorstandsvorsitzender Dr. Dieter Zetsche lobte diese neue Konkurrenz. Im Interview mit der Welt am Sonntag sagte er, Apple und Google hätten bei Autos mehr Fortschritte gemacht, als er bislang angenommen habe. Der Anlass für dieses Geständnis war ein Besuch Dr. Zetsches mitsamt Spitzenmanagern im Silicon Valley. Dort hätten diese Führungskräfte von Daimler mit Vertretern von rund 70 Firmen konkrete Gespräche geführt. Um was es dabei ging und ob mit Apple und Google verhandelt worden ist, wurde nicht gesagt.

Nach 2016 sollen die Gewinne sinken
Horst Schneider, Analyst der britischen Bank HSBC, erwartet, Daimler würde im Jahr 2016 die höchsten Gewinne erwirtschaften und in den beiden folgenden Jahren weniger verdienen. Zudem dürften die Anleger der Aktie niedrigere Bewertungs-Kennziffern zugestehen als bislang von Schneider zugetraut. Deshalb rät er nicht mehr zum "Kaufen" der Anteile sondern nur mehr zum "Halten" und senkte zudem sein Kursziel von 89 auf 72 Euro.

Holger Schmidt, Analyst der Bank Equinet, betrachtete sich die Zulassungszahlen für Nutzfahrzeuge im Dezember 2015. Die würden auf eine auch im laufenden Jahr positive Entwicklung hindeuten. Das dürfte Daimler helfen, einen möglichen Rückgang im US-Lkw-Markt auszugleichen. Deshalb bestätigte er seine Empfehlung, die Aktie mit einem Kursziel von 98 Euro zu "Kaufen". Die Analysten von Warburg Research empfehlen dasselbe.

Auf der Suche nach dem Boden
Die Stimmung an den weltweiten Börsen ist grundsätzlich und vor allem für Automobilwerte noch immer schlecht. Dennoch könnte der Aktienkurs von Daimler bei 60 Euro einen Boden finden. Anleger sollten eine solche Beruhigung abwarten. Nur besonders Mutige können bereits einsteigen.

 

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