Deutsche Bank
- Martin Mrowka - Redakteur

Deutsche Bank und Commerzbank: Gefahr aus Italien

"Geht der Deutschen Bank das Geld aus?" titelte DER AKTIONÄR am gestrigen Donnerstag etwas provokativ. In ernsten Schwierigkeiten ist Deutschlands Bankenprimus noch nicht. Hintergrund der Story war die nach wie vor zu dünne Kapitaldecke der Großbank, wie der jüngste Banken-Stresstest ergab. Nun kommen wirkliche Warnsignale: In Italien stecken einige Institute in einer Zinsklemme, was auch die deutschen Geldhäuser bedrohen könnte.

In Italien wachsen angesichts des anhaltend hohen Zinsaufschlags (Spread) für italienische gegenüber deutschen Staatsanleihen die Sorgen um die Stabilität des Bankensystems, aber auch Befürchtungen einer möglichen Kreditklemme. Italiens Institute sind zwar ähnlich wie in Deutschland in einem besseren Zustand als noch vor einigen Jahren. Bei dem jüngsten Banken-Stresstest offenbarten sich aber dennoch Schwächen.

Große Problemkinder

Als eine der schwächsten Banken hatte die Banca Carige abgeschnitten. Diese Sparkasse gehört nun mit der Banca Monte dei Pasci und mehreren kleineren Volksbanken zu den Problemkindern in Italien. Wenn der Spread für zehnjährige Staatsanleihen dauerhaft bei 300 Basispunkten bleibt, könnten diese Banken gezwungen sein, ihre Kreditvergabe einzuschränken. Der private Bankenrettungsfonds hat in dieser Woche bereits 320 Millionen Euro für die Ausgabe eines ungesicherten Bonds garantiert.

Salvatore Maccarone, der Chef des Fonds, fürchtet gar ein Systemrisiko. "Die Gefährlichkeit des Spread hängt von der Gesundheit der Banken ab", zitiert ihn die Zeitung La Stampa. Nach Ansicht Maccarones sind Italiens Banken vor allem wegen der insgesamt 364 Milliarden Euro an Staatsanleihen in ihren Bilanzen gefährdet.

Carige braucht Millionen

Der private Bankenrettungsfonds hatte der Carige schon einmal unter die Arme gegriffen, um eine Bankenkrise zu verhindern. Für März 2019 ist nun ohnehin eine Kapitalerhöhung um 400 Millionen Euro geplant. Das Interesse anderer Investoren an Carige dürfte sich allerdings in Grenzen halten – auch weil die Bank 21 Prozent faule Kredite in ihrer Bilanz stehen hat.

Die Carige-Aktie war am vergangenen Montag an der Mailänder Börse vom Handel ausgesetzt worden. Nach Wiederaufnahme des Handels stürzte der Wert um fast die Hälfte auf 33 Euro ab. Das zeigt den Ernst der Lage.

Italienische Krise könnte auch deutsche Institute treffen

Auch die Aktien von Deutsche Bank und Commerzbank gerieten zuletzt wieder unter Druck, halten sie doch auch italienische Staatsanleihen. Die Gefahr einer Ansteckung im Falle einer Verschärfung der italienischen Krise ist gewachsen.

Beide Werte näherten sich zuletzt wieder ihren Tiefständen von Ende Oktober an. DER AKTIONÄR hatte die CoBank-Aktie vor dem Hintergrund einer möglichen Fusion mit der Deutschen vor einigen Wochen spekulativ zum Kauf empfohlen. Diese Fantasie ist nun erstmal vom Tisch. Engagierte Anleger setzen bei 7,90 Euro eine Stopp-Loss-Order. Die Aktie der Deutschen Bank bleibt weiter lediglich ein Beobachtungsposten.

 

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| Nikolas Kessler | 0 Kommentare

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