Softship
- Markus Horntrich - Chefredakteur

Cloud-Geheimtipp Softship: Übernahmefantasie treibt den Kurs

Den Turnaround geschafft, ein neues Cloud-Produkt am Start und eine gehörige Portion Übernahmefantasie: Die Softship AG gilt derzeit als heißer Geheimtipp in Nebenwertekreisen. Kurz vor seinem erfolgreichen IPO hat der australische Großaktionär WiseTech Global seinen Anteil an der Softship AG auf 19,9 Prozent aufgestockt. Das schürt Übernahmespekulationen.

DER AKTIONÄR sprach mit Softship-Vorstand Detlef Müller über das neue Cloud-Produkt SAPAS, die Erwartungen an 2016 und die Spekulationen über ein baldiges Übernahmeangebot.

DER AKTIONÄR: Herr Müller, Softship hat in den letzten Jahren in neue Produkte investiert, um seine Position am Markt weiter auszubauen. Jetzt haben Sie SAPAS vorgestellt, eine cloudbasierte Software-as-a-Service (SaaS)-Anwendung für Hafenagenten. Wo kommt SAPAS zum Einsatz?

Detlef Müller: Mit SAPAS erweitern wir unseren Markt um eine neue Zielgruppe aus der Logistikindustrie: die Hafenagenten. Für die diese bieten wir mit SAPAS eine sehr moderne Software-as-a-Service Anwendung mit einem entsprechenden transparenten Nutzungs- und Abrechnungsmodell an. Die Anwendung ist einfach zu bedienen und erlaubt es den Hafenagenten, ihre Abläufe zu automatisieren und wesentlich effizienter zu gestalten. In die Applikation haben wir unser umfangreiches Wissen aus der Schifffahrt eingebracht und dieses mit den neuesten Technologien verknüpft.

Was ist das Besondere an SAPAS?

Das Besondere an SAPAS ist, dass es sich an eine neue Zielgruppe richtet, der wir nun auch Unterstützung anbieten können. Des Weiteren haben wir uns aufgrund der Größe der Zielgruppe und der besonderen Eigenschaften von SAPAS für ein anderes Vertriebsmodell entschieden, als wir für unsere anderen Produkte etabliert haben. Mit SAPAS betreten wir in dieser Hinsicht Neuland. Dabei stützen wir uns auf mehr als 25 Jahre Erfahrung, in denen wir unter anderem durch engen Kundenkontakt sehr viel Branchenwissen und ein gutes Gespür für die Belange und Nöte innerhalb der Schifffahrt entwickelt haben. Auf diesem Wissen aufbauend haben wir SAPAS im Hinblick auf Leistungsumfang und Bedienbarkeit gezielt auf die Hafenagenten mit ihren besonderen Geschäftsprozessen zugeschnitten.

Warum haben Sie sich in diesem Fall für eine cloudbasierte SaaS-Lösung entschieden und nicht für ein klassisches Lizenzmodell?

Dass wir uns im Falle von SAPAS für ein cloudbasiertes „Self-serving“-Modell entschieden haben, hat mehrere Gründe: Zum einen richtet sich SAPAS an einen sehr viel größeren Interessentenkreis als unsere Produkte für die Reedereien. Wir wollen den Agenten, die in der Regel keine eigene IT-Abteilung haben, eine einfache, effiziente und dabei auch kostengünstige Lösung anbieten. Die SaaS-Lösung benötigt keinerlei Installation auf der Kundenseite, keine Investitionen und keine aufwendigen IT-Projekte. Der Kunde kann die Lösung direkt nutzen und zahlt nur dann, wenn er auch den Nutzen aus der Anwendung hat. Damit ist die „Investitionsrechnung“ für den Kunden extrem einfach und transparent: Durch den Einsatz von SAPAS spart der Agent erhebliche Zeit, damit sind die Kosten für die Nutzung schon wieder drin. Darüber hinaus steigert er die Qualität seiner Angebote und Abrechnungen und dadurch auch seine Chancen am Markt.
Als hochmoderne Webanwendung ist SAPAS flach strukturiert und sehr einfach zu bedienen. Ein Hafenagent kann sich ganz leicht und kostenlos registrieren und sofort anfangen, mit SAPAS zu arbeiten.

Wie erfolgt die Abrechnung bei SAPAS?

Um es dem Agenten dabei möglichst leicht zu machen, ohne große Unterbrechung in seinem Arbeitsfluss zu bleiben, haben wir uns für ein Pay-as-you-go-Modell entschieden. Der Kunde kann ganz einfach direkt aus der Anwendung heraus sogenannte Credits kaufen, die er entweder für die Erstellung eines Angebots oder aber für die Abwicklung eines gesamten Hafenablaufs einlösen kann. Ein klassisches Lizenzmodell wäre in so einem Falls viel zu kompliziert. Wir wollen die Hemmschwelle, mit SAPAS zu arbeiten, so niedrig wie möglich halten.

Wie groß ist der Markt, den Sie mit SAPAS adressieren, und wie sieht die Wettbewerbssituation aus?

Detlef Müller: Gemäß unserer Marktanalyse sprechen wir hier über weltweit mehr als 10.000 Hafenagenten mit Unternehmensgrößen von einigen wenigen bis zu mehreren hundert Mitarbeitern, die geschätzt gute 250.000 Port Calls pro Jahr abwickeln. Nach unseren Recherchen gibt es bislang keine durchgängige Softwarelösung für diesen besonderen Markt, die alle Anforderungen innerhalb einer Agentur abdeckt. SAPAS hingegen kann das, was für unsere Lösung ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal darstellt.
Auch ist der Markt insgesamt sehr stabil, weil die Hafenagenten nicht in dem Maße den schwierigen, wirtschaftlichen Bedingungen unterliegen wie die Reedereien. Zudem gibt es global nur sehr wenige Mitbewerber. Das macht die Hafenagenten als Zielgruppe umso interessanter.

Sie haben eine große Marketingoffensive zur Markteinführung von SAPAS angekündigt. Was planen Sie konkret?

Wir wenden uns unmittelbar an unsere Zielgruppe über Direktmarketing, Informationen per E-Mail und Roadshows, in denen wir SAPAS unserem Publikum persönlich vorstellen. Diese Maßnahmen werden durch Artikel sowie Anzeigen in Online- und Printmedien unterstützt. Das gibt uns die Möglichkeit, potenzielle SAPAS-Kunden weltweit zu erreichen und für unser Produkt zu interessieren. Dabei unterstützen uns zwei global agierende PR-Agenturen in Europa, Asien, Australien und den USA, mit denen wir seit vielen Jahren erfolgreich zusammenarbeiten.
Des Weiteren gibt es Einführungsaktionen sowie laufende Bonusprogramme für SAPAS-Kunden. Damit wollen wir den Hafenagenten die Entscheidung erleichtern, SAPAS-Kunde zu werden und natürlich auch zu bleiben.
Softship ist seit über 25 Jahren fest im Markt etabliert und genießt einen sehr guten Ruf. Unsere Kunden bestätigen uns, dass sie mit unseren Produkten und unserer Arbeit sehr zufrieden sind. Da Schifffahrtsleute untereinander gut vernetzt sind, spricht sich so etwas herum – weltweit. Gute Referenzen und ein guter Ruf sind in diesem Markt sehr viel wert. Auf dieser Basis erhält SAPAS als neues Produkt einer bewährten Marke einen Vertrauensvorschuss, der das jüngste Mitglied im Softship-Portfolio deutlich aufwertet.

Kommen wir auf das laufende Geschäftsjahr zu sprechen: Softship hat im vergangenen Jahr den Turnaround vollzogen und das Vorsteuerergebnis um rund 1 Mio. Euro auf 0,58 Mio. Euro gesteigert. Wie nachhaltig ist dieser Gewinnanstieg?

Wir haben in 2015 unsere Lizenzeinnahmen deutlich gesteigert und entsprechend neue Kunden und Projekte gewonnen. Das führt zu einer entsprechend höheren Auslastung in der Produktion für einen gewissen Zeitraum. Mit dem neuen Produkt SAPAS werden wir unsere Abhängigkeit von Lizenzeinnahmen im Bereich der Reedereien sicher deutlich reduzieren. Dennoch arbeiten wir mit Hochdruck weiter daran, auch im Bereich der Reedereien weitere Kunden zu gewinnen, um unser Kerngeschäft weiter auszubauen.

Mit welchen Erwartungen sind Sie ins laufende Geschäftsjahr gestartet?

Wir sind optimistisch in das Jahr gestartet. Wir haben in 2015 neue Kunden mit spannenden Projekten gewonnen, so dass wir mit einer hohen Auslastung in das Jahr gestartet sind. Auf unserer Interessentenliste haben wir für das laufende Jahr ein großes Volumen an möglichen neuen Kunden, so dass wir auch an dieser Stelle optimistisch sind.

Werfen wir einen Blick auf die Softship-Aktie: Wie sehen Sie Softship aktuell im Peergroup-Vergleich bewertet?

Wir sehen die Aktie aktuell noch nicht auf einem Fair Value bewertet, auch wenn sich der Kurs in diesem Jahr schon deutlich verbessert hat. Mit dem erfolgreichen Turnaround in 2015, dem positiven Ausblick in unserem Kerngeschäft sowie den zusätzlichen Impulsen durch das neue Produkt SAPAS sehen wir noch deutliches Kurspotenzial nach oben. Die spürbar gestiegene Nachfrage von Investorenseite bestätigt uns in dieser Sichtweise.

Der Softship-Großaktionär WiseTech Global hat seinen Anteil an der Softship AG in den vergangenen Monaten von 18,1 Prozent auf 19,9 Prozent aufgestockt. Rechnen Sie damit, dass die Australier nach Ihrem kürzlich erfolgten IPO weitere Softship-Anteile kaufen werden oder könnte es sogar ein Übernahmeangebot geben?

WiseTech Global bezeichnet seinen Softship-Anteil als ein „Strategic Investment“. Wir können uns sehr wohl vorstellen, dass es in der näheren Zukunft zwischen WiseTech Global und Softship zu einer Kooperation und in diesem Zusammenhang auch zu einer weiteren Aufstockung der Softship-Geschäftsanteile durch WiseTech Global kommen kann.

Herr Müller, vielen Dank für das Gespräch.

Segel setzen!

Mit einem Börsenwert von nur 9 Millionen Euro ist Softship ein potenzielles Übernahmeziel DER AKTIONÄR spekuliert auf weitere Aktienkäufe durch den australischen Großaktionär. Analysten sehen den fairen Wert der Softship-Aktie bei 6 Euro – es ist jedoch wahrscheinlich, dass WiseTech ein deutlich höheres Angebot auf den Tisch legen muss, um sich die Mehrheit zu sichern. Dass auch die Charttechnik grünes Licht gibt, rundet das positive Bild ab. Ein Stopp bei 3,80 Euro sichert ab.

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