- Jan Heusinger

Interessenskonflikte vorprogrammiert: Großaktionär berät die Deutsche Bank

Deutsche Bank Türme in Frankfurt

Die Deutsche Bank engagiert mit Cerberus einen Großaktionär als Berater. Das Management-Unternehmen aus New York soll die hohen Kosten senken und das Geldhaus profitabler machen. Der Aktie hilft das heute jedenfalls nicht, sie verliert etwa eineinhalb Prozent.

Der Investmentfonds Cerberus Capital Management (Volumen ca. 34 Milliarden US-Dollar) ist im November 2017 bei der Deutschen Bank eingestiegen. Zu einem Kurs von rund 16 Euro haben die Amerikaner drei bis fünf Prozent der Aktien aufgekauft. Seitdem ist der Kurs um gut 40 Prozent auf unter 10,00 Euro gefallen. Auch der Wechsel in der Spitze der Bank hin zu Christian Sewing hat dem Kursverfall kein Ende setzen können.

Grund für die anhaltende Schwäche sind insbesondere die hohen Kosten. Nach Berichten des Handelsblatts braucht die Deutsche Bank 90 Cent um einen Euro zu erwirtschaften. Dieser Wert liegt deutlich über dem Branchendurchschnitt. Dass Cerberus weiß, wie man eine Bank auf Effizienz trimmt, wurde mit der erfolgreichen Umstrukturierung der österreichischen Bawag bewiesen.

Auch Matt Zames, Leiter des Beratungsteams, kann reichlich Erfahrung vorweisen: Zames war bis April 2017 Vorstandsmitglied bei JPMorgan. „Die anerkannte Expertise der Cerberus Operations Advisory Company wird uns auf dem Weg unterstützen, wieder attraktive Renditen für unsere Aktionäre und Investoren zu schaffen“, sagte eine Sprecherin der Deutschen Bank am Dienstag.

Über die Vergütung wird von beiden Seiten geschwiegen. Die Beratungsvereinbarung könnte nach Insider-Informationen länger als ein Jahr dauern, wobei sie jederzeit aufgekündigt werden kann. Durch die Doppelrolle als Anteilseigner und Berater von Cerberus sind Interessenkonflikte nicht unwahrscheinlich. Trotz der geltenden Wertpapiergesetze, wonach Cerberus in der Zeit der Beratung keine Zu- oder Verkäufe tätigen darf, sind andere einflussreiche Investoren nicht erfreut. „Formal mag das alles korrekt sein, aber es bleibt ein fader Beigeschmack. Das Konstrukt wirkt merkwürdig“, so Investoren der Deutschen Bank.

Für den AKTIONÄR ist die Aktie der Deutschen Bank weiterhin kein Kauf. Der Beratung durch Cerberus stellt nur eine von vielen Möglichkeiten dar, die Bank zu retten. Ob es gelingt und wie lange das ganze dauern wird, steht allerdings in den Sternen.

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