DAX
- Stefan Sommer - Redakteur

Börsenexperte Thomas Gebert: "Ich rechne mit einer prächtigen Börsenrallye"

Das Jahr 2018 neigt sich dem Ende. Mit einem Minus von bislang rund 17 Prozent ist dieses Jahr das schlechteste seit der Finanzkrise 2008 (Performance: -40 Prozent). Wie geht es nun im kommenden Jahr weiter und wie sollten sich Anleger dabei positionieren? Börsenexperte Thomas Gebert gibt im Interview die Antworten.

 

Aktionär: Herr Gebert, das letzte Jahr hat den Aktionären nicht viel Freude gebracht, wird das nächste besser?

Thomas Gebert: Ja, das letzte Jahr war heftig, aber wir sind ganz gut durch die schwere Zeit gekommen. Das Depot des Gebert-Briefs hat in diesem Jahr nur 3,5 Prozent verloren, während der DAX 17 Prozent abgeben musste.

Depotchart

Der Aktionär: Wie haben Sie das gemacht?

Der Börsenindikator hat geholfen. Das Verkaufssignal im Juli hat uns schon einmal einen großen Teil des Herbst-Einbruchs erspart. Ferner war das Beachten des 16-Wochen-Rhythmus hilfreich. Vor dem jüngsten Kollaps, bei dem der DAX 7,5 Prozent in einer Woche verloren hat, hatten wir den Aktienanteil deutlich reduziert, weil die häufig schwache Woche Nummer 8 des 16-Wochentakts vor der Tür stand. Dies hat uns vor Schlimmerem bewahrt. Pech hatten wir mit einer Aktie in unserem Depot, BAT. Da wir mit einer holprigen Wegstrecke gerechnet hatten, haben wir krisenresistente Werte ins Depot genommen, wie die Deutsche Telekom, die Deutsche Börse, Roche und Novartis. Die haben sich auch sehr gut gehalten, nur leider BAT nicht. Normalerweise entwickeln sich Konsumgüterwerte wie BAT in einer Krise relativ stabil. Doch die amerikanische Regierung kündigte ein Verbot von Mentholzigaretten an. Tabak-Aktien verloren daraufhin 20 Prozent an Wert. Das war das Einzige, was in diesem Jahr nicht so gut gelaufen ist. Glänzen konnte die 16-Wochen-Strategie, die wir ebenfalls im Gebert-Brief begleiten. Während der DAX 17 Prozent abgeben musste, konnte sie 18 Prozent gewinnen. Sie hat den DAX also um 35 Prozentpunkte outperformt.

 

16-Wochen-Strategie seit Jahresbeginn gegen den DAX

16-Wochen-Strategie

Wie geht es nun weiter?

Wir befinden uns im Moment in einem großen zyklischen Tief. Direkt nach Neujahr sollte sich allerdings die Stimmung deutlich aufhellen. Die freundlichen Wochen des 16-Wochen-Zyklus beginnen dann. Der Optimismus sollte langsam zurückkehren. Ja ich rechne sogar mit einer prächtigen Börsenrallye in den ersten Monaten des Jahres.

Worauf soll der Anleger setzen?

Gebert: Während in Krisenzeiten, wie der hinter uns liegenden, konjunkturunsensible Werte wie Unilever oder Roche den besten Werterhalt versprechen, sollten bei einer Börsenrallye zyklische Werte deutlich an Wert gewinnen. Die kollabierten Industriewerte wie Porsche, BMW, Daimler, BASF, Thyssen und Siemens sollten wiederauferstehen.

Sie fürchten keine Rezession in den USA?

Nein. Rezessionen haben sich in den USA eigentlich nur ergeben, wenn die Amerikaner vorher von Vermögenseinbußen betroffen waren, sodass sie den Konsum eingeschränkt haben. Vor der Rezession im Jahr 2002 erlitten sie den Kurszusammenbruch der Aktienmärkte und waren dadurch ärmer geworden. Vor der Rezession im Jahr 2008 waren die Immobilienpreise gestürzt. Diese beiden Wohlstandseinbußen führten jeweils zu sinkenden Einzelhandelsumsätzen. Weder die Immobilienpreise noch die Aktienkurse sind nun so stark gefallen, dass die Amerikaner spürbar ärmer geworden wären. Der Konsum sollte nicht beeinträchtigt sein. Im Gegenteil der 20-prozentige Rutsch des Benzinpreises an der Zapfsäule sollte den Amerikanern zusätzliche Kaufkraft verleihen. Einen Einbruch der Einzelhandelsumsätze steht nicht zu befürchten.

Müssen wir die Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China fürchten?

Offensichtlich hat Donald Trump recht. Die Chinesen leiden mehr unter dem Handelskrieg als die Amerikaner. Deshalb werden sie letztlich nachgeben.

Dann sehen Sie recht positiv ins neue Jahr

Ja, durch die gesunkenen Ölpreise lässt der Inflationsdruck in den USA nach und damit sinkt die Zahl der noch bevorstehenden Zinserhöhungen. Wenn sich auf der Zinsseite eine Entspannung andeutet, könnten die Aktienkurse einen neuen Gipfelsturm starten.

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