BMW
- David Vagenknecht

BMW kippt die Umsatzprognose - Aktie geht auf Tauchstation

BMW hat den Jahresausblick nach unten angepasst, die Aktie steht unter Druck.

Der Automobilhersteller rechnete bereits zum Jahresanfang mit einem herausfordernden Jahr: eine Milliarde Euro zusätzliche Vorleistungen für die E-Mobilität sowie Belastungen aus den Wechselkurseffekten. Nur die starke operative Leistungsfähigkeit der Gruppe sorgte trotzdem für eine robuste Prognose. Das Konzernergebnis vor Steuern sollte das Vorjahresniveau (10,7 Milliarden Euro) nicht unterschreiten. Doch nach der gestrigen Anpassung werde das Ergebnis wohl „moderat unter dem Vorjahreswert“ liegen. In Zahlen übersetzt bedeutet „moderat“ einen Rückgang zwischen fünf bis zehn Prozent.

Wie BMW weiter mitteilte, soll im Segment Automobile der Umsatz unter dem Vorjahreswert ausfallen – im vergangenen Jahr konnte BMW noch einen leichten Zuwachs verzeichnen. Dabei bleibt auch weniger übrig. Die Rendite vor Zinsen und Steuern wurde revidiert: statt einem Margenziel zwischen acht bis zehn Prozent werden nur noch sieben Prozent erwartet.

Die Gründe

Grund für die Rücknahme der Prognose war in erster Linie der seit September gültige Teststandard WLTP für Neuwagen. BMW hat es zwar geschafft, seine Modelle rechtzeitig zu zertifizieren, doch die Konkurrenten Daimler oder Audi konnten die Frist nicht einhalten. Bedeutet: Auch die nicht zertifizierten Modelle sollen verkauft werden. Folglich gibt es auf dem Markt aktuell sehr viele junge Gebrauchtwagen. Dies führt zu einer „unerwartet hohen Wettbewerbsintensität“, erklärte BMW und reduzierte daher seinen Absatz.

Hinzu kommt das steigende Volumen an Kulanz- und Gewährleistungsmaßnahmen. Somit fließt zusätzliches Geld in die Rückstellungen. Bilanztechnisch wird folglich der betriebliche Aufwand erhöht, was sich auf die Gewinnlage negativ auswirkt.

Nicht zu vergessen ist US-Präsident Trump mit seiner Zollpolitik. Der Handelskonflikt zwischen den USA und China setzt sich fort. Bisher wurden mit den US-Straffzöllen chinesische Importe betroffen, die in 2017 über 13 Milliarden Dollar wert waren. Mitte September legte Trump mit einer weiteren Zollwelle nach: Der Wert der von US-Zöllen betroffenen chinesischen Importe ist auf 189 Milliarden Dollar gestiegen. Die Chinesen schlagen mit bis zu 40 Prozent Einfuhrzöllen zurück: keine gute Nachricht für BMW. Denn im US-Werk Spartanburg haben die Münchener im vergangenen Jahr rund 371.000 Autos gebaut. Davon wurden über 100.000 nach China exportiert. Durch die Einfuhrzölle in China werden die Premium-Autos von BMW deutlich teurer, was eine schwächere Nachfrage nach sich ziehen könnte.

Zudem belasten den Konzern Probleme mit den freien BMW-Händlern in Deutschland sowie die teuren Nachbesserungen auf dem amerikanischen und chinesischen Markt.

Nicht so überraschend

Dass die deutschen Automobilhersteller vor großen Herausforderungen stehen, berichtete DER AKTIONÄR bereits in der Ausgabe 29/18. Vor wenigen Monaten schraubte bereits BMW-Rivale Daimler seine Prognose nach unten. Die BMW-Aktie kann sich nach der Gewinnwarnung zumindest von den Tiefstständen wieder erholen.

Das Papier des DAX-Konzerns notierte noch am 21. September 2018 bei einem Zwischenhoch von 85,77 Euro. Im Anschluss wurde die wichtige Unterstützungsmarke vom 11. September bei 80,76 Euro durchbrochen. Aktuell notiert die Aktie bei 78,40 Euro. Für den AKTIONÄR ist die BMW-Aktie weiterhin kein Kauf.

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| Jochen Kauper | 0 Kommentare

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