- Jonas Lerch - Werksstudent

BMW: Vor historischem Schritt in China

Ursprünglich sollte die Begrenzung für ausländische Beteiligungen in China erst 2022 wegfallen. Für BMW könnte dieser Wunsch jedoch schon viel früher in Erfüllung gehen.

Grünes Licht für Mehrheitsbeteiligung

Bislang gibt es noch eine entscheidende Hürde, wenn Autobauer aus Deutschland in China produzieren wollen: Die lokalen Unternehmen müssen mindestens zu 50 Prozent beteiligt sein. So ist es auch bei BMW und seinem chinesischen Partner Brilliance. 50 Prozent des Joint-Venture hält BMW, 40 Prozent gehen an Brilliance und der Rest liegt bei der Stadt Shenyang – dort steht das Gemeinschaftsunternehmen.

Die chinesische Regierung stellt nun klar, dass diese Beteiligungsgrenzen ab 2022 wegfallen. Positive Nachrichten für den zuletzt etwas angeschlagenen deutschen Automobilbauer durch den Handelskrieg zwischen China und den USA.

Mehr Anteile, aber wann?

BMW könnte jedoch schon jetzt die Erlaubnis erhalten, die Mehrheit am Joint-Venture zu übernehmen. Der chinesische Ministerpräsident Li Keqiang gab letzte Woche bekannt, „dass ein europäischer Autobauer seine Beteiligung auf 75 Prozent erhöhen will.“ Ein BMW-Sprecher wollte sich jedoch noch „nicht im Detail zu laufenden Gesprächen mit Brilliance“ äußern. Es ist durchaus möglich, dass China aufgrund des Strafzoll-Poker mit den USA bereits vor 2022 die Beteiligungskriterien lockert.

Es wäre ein Stück Industrie-Geschichte für den Autobauer aus München. BMW könnte als erster ausländischer Hersteller die neuen Freiheiten einer Mehrheitsbeteiligung in China nutzen.

Riesenchance für BMW

Die Bemühungen um einen höheren Joint-Venture-Anteil liegen auf der Hand, denn China ist der größte Wachstumsmarkt für BMW: Fast 600.000 Fahrzeuge setzt der Münchner Autobauer mittlerweile in China ab. Das ist doppelt so viel, wie vor fünf Jahren! Ab 2020 soll die Elektroversion „iX3“ ausschließlich aus China exportiert werden. Fünf Modelle fertigt BMW schon jetzt zusammen mit Brilliance in den beiden Produktionsstandorten Dadong und Tiexi – beide Stadtbezirke liegen in Shenyang.

Steigende chinesische Zölle für importierte Autos sind zudem ein Argument, direkt in China zu produzieren. Denn aktuell kann BMW sämtliche in den USA produzierten Modelle nicht mehr rentabel nach China exportieren.

Verständlich, dass BMW-Chef Krüger ein Interesse daran hat, seine China-Flaggschiff-Modelle - wie den „X5“ - direkt vor Ort zu produzieren. Ein Ausbau der Joint-Venture Anteile kommt da genau richtig: Der China-Absatz wird profitabler, der Gewinnanteil für BMW erhöht.

Noch reichlich Raum für Spekulationen

Insgesamt bleiben die Voraussetzungen für BMW trotz der positiven Neuigkeiten für die nächsten Jahre schwierig. Zu ungewiss sind die Auswirkungen des Handelskriegs. Der Elektromobilität-Sektor verschlingt zudem Milliarden. Trader nutzen die Unterstützungsmarke bei rund 78 Euro und spekulieren auf eine technische Gegenbewegung. Für langfristig ausgerichtete Investoren gilt: Abwarten!

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