Berkshire Hathaway
- Nikolas Kessler - Redakteur

Hauptversammlung bei Berkshire Hathaway: Zahlt die Buffett-Holding bald Dividende?

Kritische Fragen und durchwachsene Zahlen konnten die Stimmung der Anleger bei der Hauptversammlung von Berkshire Hathaway am vergangenen Wochenende kaum trüben. Sie wissen: Langfristig ist Warren Buffetts Performance kaum zu schlagen. Zudem könnte bald erstmals eine Dividende winken.

Wenn Großinvestor Warren Buffett zur jährlichen Hauptversammlung seiner Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway lädt, geht es hoch her im sonst eher beschaulichen Omaha im US-Bundesstaat Nebraska. Mehr als 30.000 Aktionäre aus aller Welt sind am Wochenende in Buffetts Heimatstadt gepilgert, um an dem dreitägigen Spektakel teilzunehmen. Im Gepäck hatten sie allerdings auch die eine oder andere kritische Frage.

So musste Buffett unter anderem zum Skandal um Scheinkonten bei Wells Fargo Stellung nehmen, an der Berkshire mit rund 9,5 Prozent beteiligt ist. Das Geldhaus habe sich „total falsch“ verhalten. „Das Hauptproblem war, dass sie nicht reagiert haben, nachdem sie davon erfuhren“, so Buffett. Dies sei ein „großer, großer, großer Fehler“ des Managements gewesen.

An der Beteiligung an der US-Großbank will Buffett aber trotz aller Kritik festhalten. Dass zuletzt dennoch Aktien verkauft und der Anteil auf 473 Millionen Aktien gesenkt wurde, liegt an Vorgaben der Fed, wonach externe Investoren weniger als zehn Prozent halten dürfen. Berkshire ist damit aber nach wie vor größter Aktionär bei Wells Fargo.

Buffett gesteht Fehler ein

Auch andere umstrittene Investments nahm der 86-jährige gegen die Kritik einiger Anleger in Schutz – darunter Coca-Cola, American Express und United Airlines. Letztere hatten zuletzt mit dem gewaltsamen Rauswurf eines Passagiers aus einer überbuchten Maschine für Negativ-Schlagzeilen gesorgt. Die Unternehmen hätten zwar derzeit Schwierigkeiten, „aber wir mögen sie sehr gerne“, sagte Buffett. „Wir haben die Aktien nicht in der Annahme gekauft, dass sie nie Probleme haben werden.“

Buffett übte sich jedoch auch in Selbstkritik: Bei der Entscheidung, vor rund sechs Jahren beim IT-Riesen IBM einzusteigen, habe er einen Fehler gemacht. Bereits am Freitag hatte er erklärt, dass sich IBM nicht wie von ihm erwartet entwickelt hätte und Berkshire die Beteiligung daher um ein Drittel reduziert hat. Zudem räumte Buffett ein, dass er die starke Entwicklung von Tech-Giganten wie Amazon oder Google zu lange unterschätzt habe.

Kritik an Trumps „Steuersenkung für Reiche“

Auch die Politik von US-Präsident Trump wurde am Samstag thematisiert. So äußerte sich Buffett – selbst aktiver Unterstützer der Demokraten – kritisch zur geplanten Reform des US-Gesundheitssystems. Der Gesetzentwurf in der jetzigen Form hätte seine Steuerlast gegenüber dem Bund im vergangenen Jahr um 17 Prozent gemindert. „Das ist also eine riesige Steuersenkung für Leute wie mich“, so Buffett. Dadurch steige jedoch entweder die Staatsverschuldung oder die Steuerlast für andere Bürger.

In einem Punkt bleibt Buffett vage

Eine Frage, die vermutlich den meisten Berkshire-Aktionären auf den Nägeln brennt, hat Buffett nur vage beantwortet – nämlich die seiner Nachfolge. Es müsse jemand sein, der gut mit Geld umgehen kann, so Buffett. „Wir werden so jemanden haben.“ Entsprechend rechnet Buffett fest damit, dass die Berkshire-Aktie auch am Tag nach seinem Tod steigen werde.

Dividende statt „very big deal“?

Zwar ist hinlänglich bekannt, dass Buffett selbst ein großer Fan von Dividendentiteln ist. Die Berkshire-Aktionäre selbst warten trotz sprudelnder Gewinne jedoch bisher vergeblich auf eine Ausschüttung. Buffett ist überzeugt, dass der Nutzen für die Anleger seiner Investmentholding größer ist, wenn er die Gewinne vollständig reinvestiert.

In Anbetracht eines riesigen Cash-Bestands in Höhe von mehr als 90 Milliarden Dollar denkt aber selbst Buffett inzwischen laut über die Ausschüttung einer Dividende nach. Am liebsten würden er und sein 93-jähriger Partner Charlie Munger auf ihre alten Tage noch einen „very, very big Deal“ auf die Beine stellen – selbst für die Übernahme mehrere Fortune-500-Unternehmen würde das Geld reichen.

Allerdings ist Buffett auch für seine strengen Qualitätsanforderungen bekannt und geeignete Ziele sind schwer zu finden. Entsprechend seien weitere Aktienrückkäufe oder gar eine Ausschüttung in Zukunft nicht ausgeschlossen. Er werde sich jedenfalls nicht in drei Jahren auf die Bühne stellen und einen Cash-Bestand von 150 Milliarden Dollar oder mehr verkünden, so Buffett.

Langfristig top!

Dass die Zahlen von Berkshire Hathaway für das erste Quartal eher durchwachsen ausgefallen sind und der Überschuss im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 27 Prozent auf vier Milliarden Dollar zurückgegangen ist, trat beinahe in den Hintergrund. Grund für das vergleichsweise schwache Ergebnis waren Defizite im Versicherungsgeschäft aufgrund von Naturkatastrophen sowie ein Sondereffekt in Höhe von 1,9 Milliarden Dollar im Vorjahresquartal.

Die Anleger wissen, dass dem „Orakel von Omaha“ so schnell keiner das Wasser reichen kann. Dank seinem (beinahe) untrüglichen Gespür für gute Investments liefert Berkshire seit Jahren regelmäßig Milliardengewinne. Davon profitieren auch die Anleger. Wer rechtzeitig eingestiegen ist, konnte bereits ein Vermögen mit der Berkshire-Aktie verdienen. Doch auch jetzt ist es für den Einstieg nicht zu spät. Für langfristige, konservative Anleger ist die Buffett-Aktie nach wie vor erste Wahl.

 

 


 

Kasse statt Masse

Autor: Dellinger, Elisabeth / Fisher, Ken
ISBN: 9783864703188
Seiten: 352
Erscheinungsdatum: 22.07.2015
Verlag: Börsenbuchverlag
Art: gebunden
Verfügbarkeit: als Buch und als eBook erhältlich

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