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- Michel Doepke - Redakteur

BeiGene-CFO im AKTIONÄR-Interview: "Wir sind einzigartig in China"

DER AKTIONÄR nutzte im Rahmen der diesjährigen Jahrestagung der European Society für Medical Oncology (ESMO) in München die Chance, BeiGene-Finanzvorstand Howard Liang zu treffen. Das Unternehmen gilt als DAS Aushängeschild der chinesischen Biotech-Branche mit einer prall gefüllten Pipeline und starken Partnern wie Celgene aus den USA. Zu den Rahmenbedingungen in China und den Projekten in der Pipeline hat DER AKTIONÄR bei CFO Liang nachgefragt.

DER AKTIONÄR: Herr Liang, welches sind die kurzfristigen Katalysatoren für BeiGene? Welche Daten haben Sie auf dem ESMO 2018 präsentiert?
Howard Liang: Der für uns wichtig­ste Newsflow sind Fortschritte bei der regulatorischen Prüfung unseres BTK Zanubrutinib und dem PD-1-Antikörper Tislelizumab sowie Phase-3-Resultate einer Studie, die Zanubrutinib und Ibrutinib direkt miteinander vergleicht. Beim Jahrestreffen der American Society of Hematology im Dezember werden wir Daten präsentieren, die die Grundlage für kommende Zulassungen bilden werden. Wir haben aber auch eine Reihe von laufenden Phase-1- und Phase-2-­Studien, die wir in den kommenden Monaten auf vielen Konferenzen präsentieren werden. Auf der ESMO 2018 stellten wir Daten zu einer Kombination des PARP-Inhibitors Pamiparib mit einer Chemotherapie vor. Dieser Wirkstoff
befindet sich in einem fortgeschrittenen Entwicklungsstadium und in Phase 3. Die Leitindikation für die globale Entwicklung ist Magenkrebs.

Die PARP-Inhibitoren-Landschaft ist mit Astrazeneca, Tesaro und Clovis Oncology überbevölkert. Was ist das Besondere an Pamiparib?
Ich würde sagen, dass es einige Unterschiede im Molekül an sich gibt. Wir haben ein Medikament, das sehr selektiv ist und unter Verträglichkeitsgesichtspunkten Vorteile bieten könnte. Es gibt Gründe, weshalb Kombinationen mit Pamiparib sehr interessant sein könnten. Unser Mittel ist auch gehirngängig, also könnte es gegen Hirntumore und Tumore, die ins Gehirn metastasieren, eingesetzt werden. Unsere derzeit führende Indikation für Pamiparib ist Magenkrebs. Andere Unternehmen beschäftigen sich derzeit nicht mit dieser Krebsart.

Wie sehen die nächsten Schritte bei der Kooperation mit Celgene aus?

Im PD-1-Bereich haben wir eine Reihe von zentralen Studien begonnen und wollen diese mit Celgene fortführen und ausdehnen. Auf der kommerziellen Seite haben wir das Marketing von Abraxane, Revlimid und Vidaza in China übernommen. Wir waren sehr erfolgreich darin, die Verkäufe dieser Produkte zu steigern. Das letzte 2017er-Quartal war das erste volle Quartal, in dem diese Produkte von BeiGene in China vermarktet wurden. Zu der Zeit meldeten wir Erlöse in Höhe von 15 Millionen US-Dollar. Für das zweite Quartal 2018 meldeten wir mehr als 31 Millionen US-Dollar Umsatz – wir haben also den Umsatz binnen kurzer Zeit verdoppelt. Dies wurde befeuert durch den Ausbau der Vertriebsmannschaft und eine Zunahme der Erstattung für Revlimid und Abraxane.

Befinden Sie sich in Gesprächen mit neuen Partnern?
Ja. Anfang 2018 haben wir eine Zusammenarbeit mit Mirati Therapeutics gestartet. Wir schlagen diesen Weg ein, um unser globales klinisches Entwicklungsprogramm auszubauen. Wir denken aber, dass wir in China einzigartig sind. Wir verfügen über ein sehr starkes klinisches Team – es ist eines der größten Onkologie-Teams in China. Unser Team ist global integriert, es ist also in der Lage, qualitativ hochwertig
zu arbeiten und qualitativ hochwertige Daten zu produzieren. Wir sind also für Partnerschaften sehr gut positioniert.

Wie schwierig ist es, Produkte in China auf den Markt zu bringen?
Auf der kommerziellen Seite gab es bei den Erstattungen eine Reihe von Veränderungen. Im Jahr 2017 wurden in China zum ersten Mal teure Onkologie-Medikamente erstattet. Dieses Programm wurde fortgeführt und Anfang Oktober 2018 kündigte die Regierung die landesweite Erstattung für 17 weitere Onkologie-Mittel an. Es ist für Biotech- und Pharmafirmen also einfacher, neue Produkte auf den Markt zu bringen, weil es möglich ist, Erstattungen in einem frühen Stadium der Einführung zu erhalten. Es gibt eine weitere Veränderung, die für die globale pharmazeutische Industrie wichtig ist: China wird ein zunehmend wichtiger Faktor der globalen Medikamentenentwicklung. Die chinesische Regierung ist daran interessiert, für die Patienten und Forscher neue Medikamente schneller bereitzustellen. Die Fähigkeit, chinesische Studien erfolgreich zu inte­grieren, kann die weltweite Entwicklung erheblich beschleunigen. Dies ist für Biotech-Firmen rund um den Globus sehr wichtig und wird uns mehr Möglichkeiten eröffnen, mit internationalen Unternehmen zu kooperieren und gleichzeitig unser Portfolio auszubauen.

Wie sieht Ihre finanzielle Situation aus?

Wir haben eine sehr starke Bilanz. Am Ende des zweiten Quartals verfügten wir über 1,4 Milliarden US-Dollar in bar und in kurzfristigen Investments. Wir haben knapp 900 Millionen mit unserem IPO in Hongkong eingenommen. Dies ist eine hervorragende Grundlage für den Ausbau unsere Entwicklungs-Pipeline. Unsere Erlöse basieren auf zwei Elementen. Eines sind Einnahmen aus Kollaborationen, zum Beispiel die Zusammenarbeit mit Celgene. Das zweite Element sind Produktverkäufe, die zugenommen haben und von denen wir hoffen, dass sie bald unsere intern entwickelten Produkte einschließen, die im nächsten Jahr auf den Markt kommen könnten. Wir bereiten uns auf Produkteinführungen vor. All dies entwickelt sich zu einer sehr interessanten Wachstumsstory.

Vielen Dank für das Interview Herr Liang!

DER AKTIONÄR hat ein gutes Timing bewiesen: Seit der Empfehlung als "Hot-Stock der Woche" in Ausgabe 47/2018 vor rund drei Wochen beträgt das Kursplus knapp 30 Prozent. Doch damit ist das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. Was für den Kauf der Aktie spricht und warum das Papier zusätzliches Upside-Potenzial verfügt, lesen Sie in Ausgabe 47/2018, welche für Sie hier zum Download zur Verfügung steht.

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