B+S Banksysteme
- Markus Horntrich - Chefredakteur

B+S Banksysteme: „Unsere Vertriebspipeline ist gut gefüllt“

Der Bankensoftwarespezialist B+S Banksysteme dürfte vielen Anlegern kaum bekannt sein. Während die Banken wegen Brexit, Fintech-Revolution und Regulierung ächzen, zählt die kleine Softwareschmiede zu den heimlichen Gewinnern. DER AKTIONÄR sprach mit B+S-Chef Wilhelm Berger über Brexit, Apple Pay und allgemein über die Zukunft des kleinen Softwarehauses.

Herr Berger, Sie haben im vergangenen Geschäftsjahr das Personal deutlich um 16 Prozent aufgestockt. Was heißt das für den Umsatz im laufenden Geschäftsjahr 2018/19, wird dieser ähnlich stark zulegen wie die Zahl der Mitarbeiter?

Wilhelm Berger: Aus dieser Personalaufstockung einen kurzfristigen Umsatzzuwachs in ähnlicher Dimension abzuleiten, wäre zu optimistisch gedacht. Die neuen Mitarbeiter müssen zunächst integriert und weiter fortgebildet werden. Es handelt sich hier um eine Investition in die Zukunft.

Im ersten Quartal 2018/19 „lebte“ B+S vor allem von Bestandskunden, wie sieht die Vertriebspipeline für das laufende Geschäftsjahr aus? Ist mit einem nennenswerten Neugeschäft zu rechnen?

Das Bestandskundengeschäft entwickelt sich sehr erfreulich und unsere Vertriebspipeline ist mit interessanten Projekten gut gefüllt. Wir möchten uns zum jetzigen Zeitpunkt allerdings nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, was die Dimension des Neugeschäfts im laufenden Geschäftsjahr angeht. Vielleicht kennen Sie den Spruch mit dem Bärenfell.

Wie sieht es generell für B+S angesichts der konjunkturellen Sorgen für die nächsten Monate aus, spüren Sie aktuell eine Zurückhaltung seitens der Kunden? Mit welchen Erwartungen blicken Sie auf 2019?

Wir blicken weiterhin optimistisch in die Zukunft. Aus diesem Grunde investieren wir ja auch nachhaltig in Personal und Infrastruktur. Wir können davon ausgehen, dass unser Hosting-Angebot dabei hilft, die allgemeine Zurückhaltung bei Investitionen bei den Banken zu überbrücken.

Der Brexit rückt mit dem Stichtag 29. März 2019 immer näher. Konnten Sie weitere Brexit-Banken als neue Kunden gewinnen?

Auch hier sind wir in Gesprächen und sehen interessante Potenziale für uns. Über weitere Vertriebserfolge werden wir unsere Anteilseigner informieren.

PSD2 ist seit Januar 2018 gültig. Können Sie absehen, inwiefern sich das auf Ihr Geschäft niederschlägt?

In Deutschland hat es bereits vor PSD2 durch HBCI eine hohe Standardisierung gegeben. Mit unserem DDBAC-Service bieten wir schon über Jahre Fintechs, Dienstleistungsanbietern und Banken eine umfassende Plattform, auf die man mit intelligenten Applikationen aufsetzen kann. Unsere starke Positionierung in diesem Bereich kommt uns auch bei der PSD2 zugute.

PSD2 bedeutet mehr Wettbewerb für die etablierten Banken und damit womöglich auch Druck auf die Preise. Muss B+S den Kunden Preiszugeständnisse machen oder droht das womöglich in Zukunft?

Nein, Preisdruck sehen wir aktuell nicht und erwarten dies auch zukünftig nicht. Durch die Standardisierung wird der Bedarf der Banken, sich voneinander abzugrenzen, weiter steigen. Dort sehen wir Möglichkeiten für unser Haus, für unsere Kunden zu punkten.

Wachstum außerhalb des angestammten Kundenkreises der Banken ist also möglich?

Wir betreuen bereits namhafte Dienstleister außerhalb des Bankensektors mit der DDBAC für den Kontoservice und den Zahlungsverkehr. Auf Basis dieser Beispiele erwarten wir in den nächsten Monaten weitere Zuwächse.

Wie wirken sich Innovationen aus Übersee – Stichwort Apple Pay etc. – auf das Geschäft bei B+S aus?

Die Konkurrenz aus Übersee hat die deutschen Banken sichtlich aufgeschreckt und es laufen einige Offensiven, um hier gegenzusteuern; dabei können wir mitwirken. Insofern spielt uns diese Entwicklung in die Karten.

Wie bewerten Sie den aktuellen Aktienkurs, insbesondere im Peergroup-Vergleich?

Die Börse hat, wie man sagt, „ihre eigenen Gesetze“. Natürlich ist der Verlauf des B+S-Aktienkurses derzeit enttäuschend. Fundamental hat sich aus unserer Sicht jedoch nichts geändert. Wir arbeiten solide weiter, die sich uns in der nächsten Zeit bietenden Chancen sind weiterhin hoch.

Herr Berger, besten Dank für das Interview.

 

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